Bund legt Führerschein-Paket vor So soll der Führerschein günstiger werden

Ohne Führerschein keine Baustelle, kein Kundentermin, kein Ausbildungsplatz auf dem Land: Mit durchschnittlich 3.400 Euro ist der Pkw-Führerschein für viele junge Menschen eine teure Hürde. Verkehrsminister Patrick Schnieder plant nun eine Reform – und löst damit Unruhe in den Fahrschulen aus.

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder plant die Senkung der hohen Führerscheinkosten durch ein Reformpaket, das unter anderem auf Online-Theorie, weniger Pflichtstunden und privates Fahrtraining mit Laien setzt. - © picture alliance/dpa | Elisa Schu

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat im nächsten Schritt seiner angekündigten Reform umfassende Vorschläge für einen günstigeren Führerschein vorgelegt. "Der Führerschein ist in Deutschland einfach zu teuer", sagte der CDU-Politiker in Berlin. Nach einer Arbeitsgruppe mit den Ländern legte das Ministerium nun einen detaillierten Maßnahmenkatalog vor.

Laut Ministerium liegen die Kosten für einen Pkw-Führerschein im Durchschnitt bei rund 3.400 Euro. Nach Angaben des ADAC sind Preise von bis zu 4.500 Euro inzwischen keine Seltenheit mehr.

Aus dem Handwerk kommt seit Längerem Kritik an der Kostenentwicklung. Die Handwerkskammer Dresden fordert staatliche Zuschüsse für Auszubildende im Handwerk oder deren Ausbildungsbetriebe. Kammerpräsident Jörg Dittrich erklärte, gerade in ländlichen Regionen sei der Führerschein "zwingend notwendig", damit Jugendliche "zum Betrieb, in die Berufsschule und auf die Baustelle kommen", da der öffentliche Nahverkehr dort oft nicht im benötigten Maße fahre. Finanzielle Beihilfen vom Staat würden "die Attraktivität der dualen Ausbildung erhöhen".

Einfacher und digitaler

Der Erwerb des Führerscheins soll nach den Plänen des Bundesverkehrsministeriums einfacher und digitaler werden, für Fahrschulen soll es weniger Bürokratie geben. Geplant ist unter anderem die Möglichkeit eines reinen theoretischen Online-Unterrichts. Fahrschulen sollen auf die Anmietung oder den Erwerb von Schulungsräumen verzichten können. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll um knapp 30 Prozent verringert werden. Zudem ist vorgesehen, die Zahl verpflichtender Sonderfahrten beim Pkw-Führerschein zu reduzieren.

Vorgesehen ist außerdem eine auf fünf Jahre befristete "Experimentierklausel". Sie soll eine sogenannte Laienausbildung ermöglichen: Einen Teil der praktischen Fahrpraxis könnten Fahrschüler dann mit Eltern oder Freunden absolvieren – ein Modell, das etwa in Österreich angewendet wird.

Zudem will Schnieder mehr Preistransparenz schaffen. Fahrschulen sollen ihre Preise online veröffentlichen, sodass Vergleichsportale diese aufbereiten können. Kein Vorschlag gehe zulasten der Verkehrssicherheit, betonte der Minister. "Das ist und bleibt die rote Linie."

Ein konkretes neues "Preisschild" für den Führerschein gebe es jedoch nicht. Schnieder hofft auf eine Einigung auf ein Reformpaket bei der Verkehrsministerkonferenz mit den Ländern Ende März. Danach könnten rechtliche Änderungen auf den Weg gebracht werden. dpa/fre