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Handwerker Stundensatz Handwerkerstunde: Was kostet ein Handwerker?

Handwerker sind teuer – so lautet ein weitverbreitetes Vorurteil. Was viele Kunden nicht wissen: Mit einem Stundensatz von 60 Euro decken Elektriker, Maler & Co. oftmals gerade ihre Kosten. Eine Beispielrechnung zeigt, wie die Kalkulation einer Handwerkerstunde aussehen kann.

Eine Handwerkerstunde kostet durchschnittlich zwischen 40 und 60 Euro. Die Umsatzsteuer ist da noch gar nicht miteingerechnet. Einigen Kunden ist das zu viel. Dem Maurer, Klempner oder Friseur wird schnell vorgeworfen, überhöhte Preise zu verlangen.

Dabei ist oftmals eher das Gegenteil der Fall. "Die meisten Handwerker sind zu günstig", sagt Rolf Koch, Betriebsberater der Handwerkskammer Mannheim. 58 Prozent der Handwerksbetriebe im Rhein-Neckar-Kreis würden lediglich den Grundbeitrag der Handwerkskammer bezahlen. Das bedeutet, dass sie einen Gewerbeertrag erwirtschaften, der unterhalb von 24.500 Euro liegt. "Das ist einfach zu wenig", sagt er. Zumal die Region als wirtschaftsstark gilt, Kaufkraft also vorhanden wäre. "Im Osten sieht es sicherlich nicht besser aus", schätzt er.

Erläutern, wie Preis für Handwerkerstunde zustande kommt

Es scheint paradox. Kunden monieren teure Stundensätze, dabei müssten Handwerker ihre Preise eigentlich erhöhen. Wichtig sei daher, dass Betriebe für mehr Akzeptanz werben. " Wenn man dem Kunden zeigt, wie sich die Preise zusammensetzen und wie viel dem Handwerker tatsächlich bleibt, zeigt er in der Regel doch Verständnis", sagt Koch. Den meisten sei schlichtweg nicht bewusst, welche Kosten der Betrieb mit seinem Stundensatz decken muss.

Mehrere Handwerkskammern bieten ihren Mitgliedsbetrieben inzwischen Flyer an, auf denen beispielhaft skizziert ist, wie sich eine Handwerkerstunde zusammensetzt. Wer bei Koch zur Betriebsberatung kommt, bekommt einen solchen ebenfalls überreicht – und wird von ihm ermuntert, den Flyer an Kunden weiterzureichen, die sich über den vermeintlich hohen Stundensatz wundern.

Was kostet ein Handwerker pro Stunde?

"Kalkulieren ist im Prinzip nichts anderes als die Preisuntergrenze zu kennen", erklärt Koch. Wo diese liegt, hängt von mehreren Faktoren ab. So ist der Stundenverrechnungssatz unter anderem abhängig vom Gewerk, der Qualifikation des Mitarbeiters, der Art der Arbeit und dem Standort des Betriebs. Ein Fahrzeuglackierer verlangt mehr als ein Friseur, Kundendienst ist teurer als Montage, und die betrieblichen Gemeinkosten sind in Großstädten höher als auf dem Land.

Folgende Beispielrechnung stellt Koch für einen durchschnittlichen Metallbaubetrieb mit fünf Mitarbeitern im Rhein-Neckar-Kreis auf:

Wie wird eine Handwerkerstunde berechnet? (Preisuntergrenze)  
Kostenfaktor Kosten je Posten Was darin u.a. enthalten ist
Brutto-Stundenlohn für einen Gesellen 19,52 Euro  
Tarifliche Sozialaufwendungen 5,00 Euro Urlaubsgeld, Sonderzahlungen (13. Monatsgehalt), Gratifikationen, Tarifliche Ausfalltage, Betriebliche Altersvorsorge, Vermögensbildung
Gesetzliche Sozialaufwendungen 5,00 Euro AG-Anteil zu den Sozialversicherungen, Beitrag zur Umlage am Insolvenzgeld, Beitrag für die Berufsgenossenschaft, Mutterschaftsgeld, gesetzliche Feiertage, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
Betriebliche Gemeinkosten 11,00 Euro Gehälter für Büromitarbeiter, Raumkosten, Heizung, Strom, Wasser, Gas, betriebliche Steuern, Kfz-Kosten, Gebäude- und Maschineninstandhaltung, betriebliche Versicherungen, Werbung, Reisekosten, Zinsen für Kredite
Kalkulatorische Gemeinkosten 5,00 Euro Unternehmerlohn, Verzinsung des Eigenkapitals, kalkulatorische Abschreibung, kalkulatorische Miete
Sonstige freiwillige Sozialaufwendungen 2,00 Euro Fahrgeld, Essenszuschuss, Beiträge zur Altersvorsorge, Familienbeihilfen
Zuschlag für Unternehmerrisiko und -gewinn 1,00 Euro  
Zwischensumme 48,52 Euro  
+ 19 Prozent MwSt. 9,22 Euro  
Kosten für Handwerkerstunde (Preisuntergrenze) 57,74 Euro Stundensatz, der vom Kunden bezahlt werden muss

"Darunter kann der Betrieb nicht, sonst muss der Chef weniger essen ", erklärt Koch seine Kalkulation. Dem Beispielbetrieb würde der errechnete Stundensatz gerade so zum Überleben reichen. "Wer noch ein bisschen Eigenkapital bilden möchte, muss das auf den Gewinn rechnen", sagt er. Spielraum für Preisnachlässe lässt die Kalkulation nicht zu.

Wie kann es sein, dass es immer einen gibt, der günstiger ist?

Im oben genannten Rechenbeispiel bleibt dem Betrieb unterm Strich gerade einmal ein Euro. Trotz der geringen Gewinnspanne gibt es auf dem Markt fast immer einen Wettbewerber, der die Arbeit günstiger macht. Wie kann das sein?

"Das sind oftmals leider Billigheimer, die ihre Mitarbeiter schlecht bezahlen oder Sozialleistungen nicht angemessen erbringen", sagt Koch. Die mangelnde Bezahlung spiegele sich dann meist auch in der Qualität wieder.

"Es gibt aber auch immer einen, der betriebswirtschaftlich falsch rechnet", sagt der Betriebsberater. Ein Handwerker, der seinen Stundensatz zu niedrig ansetzt, könne seinen Betrieb langfristig kaum halten. Kunden sollten sich gut überlegen, ob sie den Auftrag tatsächlich an einen Anbieter vergeben möchten, der deutlich unter den anderen liegt.

Frustrierend wird es für den Auftraggeber vor allem dann, wenn es zum Gewährleistungsfall kommt, der Handwerker aber bereits insolvent ist. Ein Fall, den Koch regelmäßig auf dem Schreibtisch liegen hat. "Der Kunde schaut letztlich in die Röhre", sagt er.

Stundensatz kalkulieren: Diese Fehler machen Betriebe

"Viele Betriebe sind sich ihrer tatsächlichen Kosten nicht bewusst", sagt Koch. Vor allem Existenzgründer hätten häufig nicht im Blick, wie hoch die Kosten für den eigenen Lebensunterhalt sind und wie viel sie für Altersvorsorge und Sozialversicherungen weglegen müssen. Auch Rücklagen für Urlaub und schlechte Zeiten würden gern vergessen.

Wichtig für den kalkulatorischen Unternehmerlohn ist auch, ob der Betriebsinhaber selbst mit anpackt oder komplett an den Schreibtisch gebunden ist. "Wenn die Arbeitsleistung des Chefs nicht verrechenbar ist, müssen die Mitarbeiter den kompletten Unternehmerlohn miterwirtschaften", erklärt Koch. Doch auch in anderen Teilen der Kostenrechnung unterlaufen Betrieben Fehler. Etwa weil sie die kalkulatorische Miete oder die Verzinsung des Eigenkapitals nicht berücksichtigen.

In der Individualberatung geht Koch die einzelnen Kostenfaktoren durch und stellt sie den Durchschnittszahlen vergleichbarer Betriebe gegenüber. Dabei deckt der Betriebsberater auch immer wieder Kostenfresser auf, die den Gewinn schrumpfen lassen. Als Beispiel nennt er Schreiner, die sehr "maschinenverliebt" seien. Der Auslastungsgrad einzelner Maschinen sei oftmals so niedrig, dass eine Anschaffung kaum gerechtfertigt ist. Ihnen rät er mit anderen Betrieben zu kooperieren.

Handwerkerstunde: Wie können Handwerke höhere Preise durchsetzen?

Viele Handwerksbetriebe mussten in den vergangenen Jahren gestiegene Kosten hinnehmen. Etwa für Rohstoffe und Energie, aber auch bei der Personalbeschaffung. Der Fachkräftemangel im Handwerk zwingt die Betriebe mehr Geld in die Mitarbeiterfindung zu stecken und attraktivere Gehälter zu zahlen. Auch der bürokratische Aufwand hält Selbstständige immer mehr von der wertschöpfenden Arbeit ab. All das verursacht Kosten, die anteilsmäßig an den Kunden weitergegeben werden müssen.

Koch rät Betrieben daher, die eigenen Stundensätze möglichst jährlich zu hinterfragen. In welcher Höhe der Stundenverrechnungssatz erhöht werden kann, hängt mitunter vom Gewerk ab, in dem der Handwerker tätig ist. "Gerade im Bau- und Ausbaugewerbe ist die Situation derzeit so gut, dass Preiserhöhungen meist locker durchgesetzt werden können", sagt Koch. In anderen Bereichen wie dem Gebäudereiniger- oder Friseurhandwerk sei das schon schwieriger. Dennoch gilt: Wer Qualität bietet, sollte sich diese auch bezahlen lassen. Ein gut begründeter Stundensatz könne meist auch durchgesetzt werden. "Handwerker müssen in der Lage sein, sich selbst zu verkaufen", sagt Koch.

Gibt der Markt keine höheren Preise her, müsse an den Kosten geschraubt werden, andernfalls könne der Betrieb nicht überleben. Hier hilft es oftmals alte Strukturen aufzubrechen. Typische Ertragskiller sind beispielsweise Skonto und Rabatte. Aber auch undefinierte Zuständigkeiten, kostenlose Zusatzleistungen, ein unstrukturiertes Dokumentenmanagement oder unausgelastete Maschinen mindern die Rendite. Um herauszufinden, in welchen Bereichen die Kosten vom Durchschnitt vergleichbarer Betriebe abweichen, empfiehlt Koch, das Beratungsangebot der Handwerkskammern zu nutzen.

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