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Handwerker Stundenlohn So setzt sich eine Handwerkerstunde zusammen

Handwerker sind teuer – so lautet ein weitverbreitetes Vorurteil. Was viele Kunden nicht wissen: Mit einem Stundensatz von 50 Euro decken Elektriker, Maler & Co. oftmals gerade ihre Kosten. So kalkulieren Handwerker den Preis für eine Handwerkerstunde.

Eine Handwerkerstunde kostet durchschnittlich zwischen 40 und 60 Euro netto. Einigen Kunden ist das zu viel. Dem Maurer oder Dachdecker wird schnell vorgeworfen, überhöhte Preise zu verlangen. Ob der Stundensatz tatsächlich zu hoch ist, kann überprüft werden, indem man sich die stündlichen Kosten für den Handwerksbetrieb ansieht. So setzt sich eine Handwerkerstunde zusammen:

Handwerkerstunde: So kalkulieren Schreiner & Co.

Verlangt ein Betrieb 50 Euro für die Handwerkerstunde eines Gesellen, entfallen davon etwa 25 bis 35 Prozent auf den Brutto-Stundenlohn des Gesellen. Lohnzusatzkosten wie beispielsweise der Arbeitgeber-Anteil zu den Sozialversicherungen verdoppeln diese Kosten beinahe. In der Bauwirtschaft betragen die durchschnittlichen Lohnzusatzkosten aktuell 85,91 Prozent vom Bruttolohn des Mitarbeiters. In der Kalkulation einer Handwerkerstunde entfallen auf diesen Posten etwa 20 bis 30 Prozent.

Auch betriebliche Ausgaben wie Miete, Heizung, Strom, Wasser, Versicherungen, Instandhaltungen, Büropersonal oder auch den Unternehmerlohn muss der Handwerker mit seinem Stundenverrechnungssatz decken, was etwa 30 bis 40 Prozent der Kosten für eine Handwerkerstunde ausmacht. Damit auch der Betrieb etwas verdient, kalkuliert der Unternehmer einen Gewinn ein. Der Nettostundensatz liegt inklusive aller Kostenfaktoren bereits über 40 Euro. Einschließlich der 19 Prozent Mehrwertsteuer ergeben sich für den Kunden zügig Kosten in Höhe von 50 Euro.

Berechnung: Stundenverrechnungssatz im Handwerk

Wie eine Handwerkerstunde berechnet wird, erklärt an einem Beispiel:

Wie wird eine Handwerkerstunde berechnet?  
Kostenfaktor Kosten je Posten Was darin u.a. enthalten ist
Brutto-Stundenlohn für einen Gesellen: 13,00 Euro  
Lohnzusatzkosten
Stand 2017: im Baugewerbe durchschnittlich 85,91 Prozent vom Brutto-Stundenlohn
11,17 Euro AG-Anteil zu den Sozialversicherungen, Beitrag zur Umlage am Insolvenzgeld, Beitrag für die Berufsgenossenschaft, betriebliche Altersvorsorge etc.
Betriebliche Gemeinkosten 11,00 Euro Heizung, Strom, Wasser, Gas, betriebliche Steuern, Kfz-Kosten, Gebäude- und Maschineninstandhaltung, betriebliche Versicherungen, Gehälter für Büromitarbeiter etc.
Kalkulatorische Gemeinkosten 5,00 Euro Unternehmerlohn, Verzinsung des Eigenkapitals, kalkulatorische Abschreibung etc.
Zuschlag für Unternehmerrisiko und -gewinn 1,85 Euro  
Zwischensumme 42,02 Euro  
+ 19 Prozent MwSt. 7,98 Euro  
Kosten für Handwerkerstunde 50,00 Euro Stundensatz, der vom Kunden bezahlt werden muss

Hinweis: Im Einzelfall können die Preise stark abweichen. Wie hoch die Mindestlöhne in den einzelnen Berufsgruppen sind, kann hier nachgelesen werden. In vielen Betrieben werden Löhne oberhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Untergrenze bezahlt.

Handwerkerstunde: Können Preise verhandelt werden?

Die Gewinnspanne für Handwerkerarbeiten ist relativ gering. Im oben genannten Rechenbeispiel bleiben dem Betrieb unter dem Strich nicht einmal zwei Euro. Viel Verhandlungsspielraum bleibt dem Handwerker also nicht. Beschweren sich Kunden über zu hohe Preise, sollten Handwerksunternehmer vorrechnen, wie viel sie tatsächlich an einer Handwerkerstunde verdienen. Werden dem Kunden bei Preisverhandlungen die einzelnen Kostenfaktoren erläutert, dürfte der Preis für eine Handwerkerstunde sicherlich auf mehr Verständnis stoßen. fre

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