Einbrüche in Bäckereien So schützen Sie sich vor Überfällen im Betrieb

Die Zahl der Überfälle und Einbrüche auf Bäckereien steigt seit Jahren. Rund jeder fünfte Betrieb ist betroffen. Nicht nur der finanzielle Schaden ist groß, auch psychisch leiden die Opfer. So können sich die Betroffenen schützen.

Barbara Oberst

Kein Einbruch mehr seit vier Jahren: Bäckermeister Werner Fiegert setzt auf Videoüberwachung. Ein Aufkleber an der Tür weist die Kunden darauf hin. - © Michael Schuhmann

Meistens passiert es abends oder nachts, in der dunklen Jahreszeit: Eine Tür oder ein Fenster wird aufgehebelt, die Räume nach Geld durchsucht, Kassen, Schränke und Schubladen aufgebrochen. Oft erbeuten die Täter nicht viel, aber sie richten großen Schaden an. Und verunsichern.

“Seit 2008 ist die Zahl der Einbrüche und Überfälle dramatisch gestiegen“, beobachtet Sven Goerigk. Er ist Vorstandsvorsitzender der SHB-Versicherung, einem Versicherungsverein, der sich auf das Lebensmittelhandwerk spezialisiert hat. Seine Zahlen passen ins Gesamtbild. Fast 22.000 schwere Ladendiebstähle registrierte die Polizei 2015, das sind 11,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mehr als jeder Fünfte von Einbrüchen betroffen

Im Handwerk besonders betroffen: Bäcker. 376 Einbrüche waren es 2015 unter den gut 1.800 Betrieben, die sich bei der SHB versichert haben. Umgerechnet heißt das: Hier wurde 2015 mehr als jeder fünfte Betrieb Opfer eines Einbruchdiebstahls.

Auch Raubüberfälle nehmen zu. Zwar registrierte die SHB im vergangenen Jahr nur zehn Fälle, doch die Wirkung ist gravierend. Finanziell, weil statt der durchschnittlichen 1.800 Euro hier rund 7.000 Euro Schaden pro Überfall entstehen; vor allem aber gesundheitlich. Selbst wenn der Räuber niemanden verletzt, leiden die Opfer. "Psychische Probleme nach einem solchen Überfall sind nicht selten“, warnt Michael Wanhoff, Pressesprecher der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN). Zu wenige Unternehmer wüssten, dass ein Überfall zu den Arbeitsunfällen zählt und dass die ausgelösten Traumata möglichst schnell behandelt werden sollten. "Nur, wenn die Betriebe uns das melden, können wir den Betroffenen helfen“, betont Wanhoff.

Räuber wirksam abschrecken

Damit Bäckereien Kriminellen nicht zum Opfer fallen, empfiehlt die BGN bessere Sicherheitsvorkehrungen. An erster Stelle stehen technische und bauliche Maßnahmen: Einbruchhemmende, gut gesicherte Türen und Fenster und helle Beleuchtung – auch rund um das Geschäft. Dem folgen organisatorische Maßnahmen, in diesem Fall: Der Umgang mit Bargeld. "Wir versuchen unsere Kunden dazu zu bewegen, ihren Bargeldbestand so gering wie möglich zu halten und in qualifizierten Wertbehältnissen zu lagern“, erklärt Sven Goerigk.Qualifizierte Wertbehältnisse bedeutet zum Beispiel Filialtresore, in die die Mitarbeiter immer wieder kleinere Teilsummen einwerfen.

Auch die Bäckerei Fiegert hat sich solche Tresore angeschafft. 68 Jahre besteht der Familienbetrieb in Ottobrunn bei München schon. Diebstähle gab es im Laufe der Geschichte immer wieder. "Aber dann wurde in eines unserer Geschäfte in einem Jahr drei- oder viermal eingebrochen“, erinnert sich Werner Fiegert. Nicht nur dem Bäckermeister reichte es da, auch die Versicherung machte nicht mehr mit.

Also investierte Fiegert auch in eine Videoüberwachung für seine zwölf Geschäfte. Dieses Sicherheitssystem stammt von dem Handwerksbetrieb esu control im hessischen Meinhard-Grebendorf. Firmenchef Michael Hasecke hat bisher gut 800 Bäckereifilialen ausgerüstet. Alle Kameras dort sind mit seiner 24-Stunden-Leitstelle verbunden. "Und täglich geschieht bei einem unserer Kunden ein scharfer Vorfall, der den Einsatz von Polizei oder Krankenwagen erfordert“, beobachtet der Gutachter für Sicherheitstechnik.

Türen, Fenster, Licht, Tresore

Wer Kriminelle abschrecken will, greift zunächst zu technischen und baulichen Maßnahmen. Einbruchhemmende Türen und Fenster werden durch helles Licht, auch und gerade im Außenbereich rund um das Ladengeschäft ergänzt. Wo immer möglich, sollten Unternehmer mögliche Verstecke rund um ihr Geschäft entfernen oder gut beleuchten.

© esu-control

Bereiche, in denen das Personal mit Geld umgeht, sollten für Außenstehende nicht einsehbar sein. Es ist wichtig, die Bargeldbestände möglichst gering zu halten.

Für die Aufbewahrung des Geldes empfiehlt die BGN Wertbehältnisse nach DIN EN 1143-1. Gut geeignet sind beispielsweise "Tresor in Tresor-Systeme". Auffällige Hinweise sollten potenziellen Dieben klarmachen, dass das Personal die Tresore nicht öffnen kann.






© esu-control

Wer seine Ladengeschäfte per Video überwacht, muss entsprechende Hinweise anbringen. Die Datenschutzbeauftragten der Länder beraten neutral, wie Unternehmer die Persönlichkeitsrechte wahren.

Umfassende Sicherheitstipps finden Sie in der Arbeits-Sicherheits-Information der BGN mit dem Titel "Gewalt und Extremereignisse am Arbeitsplatz" hier .

Bei Alarm sieht Leitstelle die Räuber

Sobald die Anlage in der Bäckerei scharf geschaltet ist und sich im Raum etwas bewegt, geht in der Leitstelle ein Alarm ein. Auf dem Bildschirm sehen die Mitarbeiter, was sich im Geschäft tut. Je nachdem, was der Betrieb mit Hasecke vereinbart hat, rufen sie dann die Polizei oder informieren den Inhaber. Derzeit lässt Hasecke dieses System nach der DIN-Norm 50518 zertifizieren.

Bäckerfamilie Fiegert weist an ihren Eingangstüren darauf hin, dass ihre Geschäfte videoüberwacht sind. Auch die Mitarbeiter bezog der Chef in den Prozess mit ein, denn die Persönlichkeitsrechte dürfen durch Kameras nicht verletzt werden. Bisher habe sich keiner beschwert, zumal das System auch tags Sicherheit bietet. "Wenn sich eine Mitarbeiterin bedroht fühlt, kann sie einen Alarmknopf ziehen“, erklärt Fiegert. Bisher war das zum Glück nicht nötig.

Knapp 50 Euro kostet die Aufschaltung auf die Leitstelle im Startpreis. Hinzu kommen die Installationskosten, die von der Zahl der Filialen abhängen. Für Werner Fiegert hat sich die Investition gelohnt. Seither gab es keine Einbrüche mehr in seinen Geschäften.

Ärger mit dem Bargeld

Der Umgang mit Bargeld birgt nicht nur das Risiko, bestohlen zu werden. Er ist auch teuer und lästig. Viele Großbanken ziehen sich aus dem Bargeldverkehr zurück. Sparkassen und Genossenschaftsbanken bieten den Service noch, verlangen aber regelmäßig Gebühren für die Abgabe der Münzrollen – bis zu 50 Cent. Eine Münzrolle mit 50 Ein-Cent-Stücken kann also den Betrieb bis zu einen Euro kosten. Auch für die Einzahlung von Bargeld verlangen Banken Gebühren, die Stadtsparkasse München zum Beispiel 5 Euro bei Bareinzahlung von Münzen an der Kasse, am Automaten 2,50 Euro. Der Grund: Banken sind per EU-Verordnung verpflichtet, Münzen auf Echtheit zu prüfen, was Kosten verursacht.

Informationen zum Thema bietet die BGN hier .