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Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks Wie Lehrlinge bei den Gesellenstücken richtig punkten können

Die Region Stuttgart freut sich über 26 junge Landessieger im Leistungswettbewerbs des Deutschen Handwerks (PLW). Doch wie wird man eigentlich Landessieger? Die DHZ-Redaktion schaute bei der Bewertung der Gesellenstücke hinter die Kulissen.

"Voraussetzung, um beim baden-württembergischen Wettbewerb mitmachen zu können, ist die Auszeichnung als Jahrgangsbester des jeweiligen Gewerks", erklärt Dina Marschall. Die Goldschmiedemeisterin aus Stuttgart ist eine der Prüferinnen beim Leistungswettbewerb. Sie ­bewertet die Gesellenstücke, die für den Landeswettbewerb eingereicht wurden. "Nicht jeder Kammersieger möchte auch beim Landes- oder Bundesentscheid mitmachen", erklärt die Expertin. Schließlich sei ein solcher Wettbewerb auch mit einem ­gewissen Zeitaufwand verbunden. Im Fall der Goldschmiede wurden aus den acht Kammern in Baden-Württemberg nur vier Gesellenstücke eingereicht. Gemeinsam mit ihren Prüferkollegen Rainer Fein und Stephanie Zarschler nimmt sie die Gesellenstücke in der Handwerkskammer ganz genau unter die Lupe.

"Bewertet wird anhand eines Kriterienkatalogs des Zentralverbands des Deutschen Handwerks", erklärt Goldschmiedemeister Rainer Fein. Zu diesen Kriterien gehören unter anderem die Idee des Gesellenstücks, die Umsetzung, das verwendete Material, der Arbeitsaufwand sowie die Alltagstauglichkeit. "Denn eine Halskette oder Ohrringe können noch so schön sein, wenn sie zu schwer sind, um sie als Schmuck zu tragen, ist das Gesellenstück dennoch nicht ideal umgesetzt", erläutert der Experte. Auch sei es schon vorgekommen, dass anhand der Perfektion des Gesellenstücks festgestellt werden konnte, dass dieses unmöglich in der vorgegebenen Zeit gefertigt wurde. "In solchen Fällen ist dann leider eine negative Bewertung die Konsequenz, auch wenn es extrem schade um das gelungene Gesellenstück ist", berichtet Fein.

Genauso schade sei es, so Marschall, wenn das Gesellenstück zwar kompetent gefertigt, aber unprofessionell verpackt wurde. "Eine Pralinenpackung als Aufbewahrungsbox ist nicht ideal – auch das fließt in unsere Bewertung mit ein." Punkten könne ein Geselle beispielsweise mit einer anschaulich gestalteten und thematisch passenden Mappe, welche die Beschreibung des Objekts und den Arbeitsablauf beinhaltet. "Es ist jedes Jahr aufs Neue toll zu sehen, wie kreativ die jungen Handwerker sind und wie unterschiedlich die Themen umgesetzt werden“, lobt Dina Marschall.

Das Gesamtpaket zählt

Die Stuttgarter Kammersiegerin Eva Seitzer, die als Gesellenstück einen Anhänger mit zwei Einlegeplatten aus Ebenholz und mit tauschiertem Muster fertigte, belegte im Wettbewerb auf Landesebene den zweiten Platz. Der baden-württembergischen Landessiegerin aus dem Kammerbezirk Ulm drücken die Prüfer nun für den Bundeswettbewerb die Daumen: "Das Zeug zum Sieg und der Auszeichnung als bundesweit beste Gesellin hat die Kandidatin auf jeden Fall", sind sich die Prüfer einig.

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