Zu den Lernzielen in einem Handwerksbetrieb gehört auch der Umgang mit dem Abfall und wie man diesen richtig entsorgt. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt in seiner Ausbildungsserie, wie man das innerbetriebliche Abfallkonzept thematisiert und gemeinsam umsetzt.

Alle modernisierten und neuen Ausbildungsordnungen enthalten verbindliche Mindestanforderungen für die Bereiche:
- Organisation des Ausbildungsbetriebes, Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht,
- Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit,
- Umweltschutz und Nachhaltigkeit,
- digitalisierte Arbeitswelt.
Es wird empfohlen, diese Berufsbildpositionen und deren Lernziele auch bei einer Lehre in allen anderen Ausbildungsberufen zu vermitteln – auch bei denen, die noch nicht neu geordnet wurden.
Abfall richtig entsorgen: Erster Schritt Bestandsaufnahme
Unter der Berufsbildposition "Umweltschutz und Nachhaltigkeit" gilt als ein Lernziel, Abfälle zu vermeiden sowie Stoffe und Materialien einer umweltschonenden Wiederverwertung oder Entsorgung zuzuführen. Hier sollten die Ausbilderinnen und Ausbilder das innerbetriebliche Abfallkonzept thematisieren.
Die Lehrlinge müssen lernen, konsequent Abfall zu vermeiden. Dafür wird eine Bestandsaufnahme der betrieblichen Abfallquellen erstellt. Als nächste Schritte werden Informationen zur Vermeidung, Verwertung und Entsorgung eingeholt, die Alternativen zum bisherigen Vorgehen entwickelt und die nötigen Maßnahmen geplant. Das Ergebnis ist ein betriebliches Abfallkonzept.
Den Lehrlingen wird in entsprechenden Unterweisungen vermittelt, wie sie zum Beispiel mit Papier und Kartonagen umgehen, die in großen Mengen und in teilweise unhandlichen, großen Formaten anfallen. Ähnlich verhält es sich mit Kunststoffverpackungen.
Weiteren Abfallarten werden getrennt gesammelt und regelmäßig der Entsorgung durch Spezialfirmen zugeführt. Die Lehrlinge müssen erfahren, wie Fette und Altöle vollständig erfasst und fachgerecht entsorgt werden, da Verunreinigungen von Abflussleitungen, Kläranlagen oder des Erdreiches mit diesen Stoffen sehr problematisch sind.
Abfall kann man eventuell weiterverwenden
In einer weiteren Schulung vermittelt man den jungen Leuten, dass Wertstoffe Reststoffe sind, für die es im Betrieb selbst oder am Reststoffmarkt eine Verwertungsmöglichkeit gibt. Diese Stoffe muss man im Betrieb gesondert sammeln und dann einem Recycling zuführen. Die typischen Wertstoffe sind Bauschutt, Glas, Holz, Papier, Pappe und sortenreinen Kunststoffe, Styropor, Grünabfall und Metalle.
Die Ausbilderin oder der Ausbilder könnten einen Lern- und Arbeitsauftrag entwickeln, mit dem die Lehrlinge eine ausführliche Analyse der Abfallsituation im Betrieb erstellen und folgende Fragen klären:
- Gibt es im Betrieb genügend Abfallsammelbehältnisse?
- Fehlen den Beschäftigten Informationen?
- Welche Entsorgungs- und Verwertungsmöglichkeiten wurden bislang nicht bedacht?
Abfall vermeiden: Beispiel für einen Lernauftrag
Als weitere Lern- und Arbeitsaufträge wäre folgendes Beispiel denkbar:
In Ihrem Betrieb sollen alle mehr für den Umweltschutz tun. Dabei geht es um das Verursacherprinzip. Schon bei der Planung sollen die Schäden an der Umwelt vermieden werden. Alle, die im Betrieb arbeiten oder ausgebildet werden, sollen an ihre Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen denken. Verschaffen Sie sich einen Überblick zu den Themen Umweltschutz und Verursacherprinzip. Nun sollen alle die folgenden Fragen beantworten:
- Wodurch entstehen die Umweltschäden?
- Warum müssen wir die Umwelt schützen?
- Welche Bedeutung hat das Verursacherprinzip, weshalb wurde es gewählt und welche Instrumente werden dafür eingesetzt?
- Worauf richtet sich die Kritik an dem Verursacherprinzip?
Als weiteren Schritt lautet der Lernauftrag: Überlegen Sie dann einen Beitrag, den Sie am Ausbildungsplatz für den Umweltschutz leisten können. Gestalten Sie aus Ihren Erkenntnissen eine kleine Präsentation. Stellen Sie das Ergebnis vor und besprechen Sie Ihren Vorschlag. Setzen Sie Ihre Idee in der Praxis um.
Abfall im Betrieb: Themen für die Azubis
Zu den weiteren Themen, die die Ausbildungsverantwortlichen thematisieren sollten, gehören zum Beispiel auch:
- die Entsorgungssysteme,
- die Entsorgungsstufen,
- die Wartung, Pflege und Reinigung der Einrichtungen,
- die Personalkosten für die Abfalltrennung, Wertstofferfassung und Entsorgung,
- die Auswahl der Rohstoffe nach umweltschonenden Gesichtspunkten,
- die Motivation und Information der Beschäftigten,
- die Öko-Bilanz und das Öko-Audit,
- die Auswahl der Entsorgungswege oder Entsorger,
- die Kosten für die Entsorgung.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.