Entscheidungen können schwer fallen, insbesondere im Arbeitsleben. Wer jedoch nicht entscheidet, schadet im schlimmsten Fall seiner Gesundheit. Diese Tipps helfen dabei, Entscheidungen leichter anzugehen.

Menschen fällen tagtäglich Entscheidungen. Die meisten treffen sie unterbewusst, andere mit voller Absicht. Trotzdem ist die Angst vor Fehlentscheidungen groß, vor allem in der Arbeitswelt: "Das liegt daran, dass Entscheidungen heute sehr komplex sind. Alle relevanten Aspekte im Kopf zu behalten, fällt vielen Menschen schwer", erklärt Lars Prager, Inhaber der Entscheidungsberatung Convergere. Heute sei das Entscheidungsumfeld viel dynamischer, was vor allem mit der Digitalisierung zusammenhänge, die immer wieder neue, unbekannte Themen hervorbringt. "Mit dieser gewaltigen Informationsflut umzugehen ist nicht immer einfach", weiß der Entscheidungsexperte.
Viele Wahlmöglichkeiten bereiten Probleme
Vor allem in Gebieten, in denen man sich nicht ausreichend auskennt, bereitet Entscheiden große Mühe. So weiß zum Beispiel der Tischler exakt, welche Kreissäge er kaufen muss. Zu bestimmen, welcher Cloud-Dienst der Beste für sein Unternehmen ist, kann ihm wiederrum arges Kopfzerbrechen bereiten. Hier spielt auch der Entscheidungsgegenstand eine große Rolle, der in vielen Fällen zu abstrakt ist.
Einfluss hat darüber hinaus die Anzahl der Beteiligten und die Tragweite einer Entscheidung – so überlegt man beispielsweise zweimal, ob man einen Vertrag unterschreibt, an den man jahrelang fest gebunden ist.
"Umfangreiche Entscheidungsprobleme treten aber auch auf, wenn die Wahlmöglichkeiten beinahe unbegrenzt sind", so Prager. Steht ein Standortwechsel der Firma an, sind viele verschiedene Aspekte zu beachten – von der Quadratmeterzahl bis hin zur Verkehrsanbindung.
Entscheidungen sind ein Zeichen guter Führung
Auch, wenn wir nie rational, sondern stets subjektiv urteilen: Selbstbewusst Entscheidungen zu treffen ist wichtig. "Gerade in der Arbeitswelt ist das ein Zeichen guter Führung. Damit vermittelt der Chef seinen Mitarbeitern, dass er Verantwortung übernimmt", erläutert der Entscheidungsprofi. Schiebt der Arbeitgeber eine Entscheidung endlos vor sich her, blockiert er nicht nur seine eigenen Ressourcen, sondern auch die seiner Angestellten. Außerdem schadet er damit seiner Gesundheit: Psychische Folgen wie ein erhöhter Stresspegel bis hin zu Burn-Out können die Folgen sein.
Bedeutung bewusst wahrnehmen
Was also tun, damit der belastende Berg von aufgeschobenen Entscheidungen nicht weiter wächst? "Zunächst kann es helfen, die Entscheidung und ihre Bedeutung bewusst wahrzunehmen", weiß Prager. Vor einer Entscheidung sollte man sich fragen: Wie wichtig ist sie wirklich? Was könnten die Folgen sein? Häufig sind diese weniger drastisch, wie anfangs empfunden. Bereits die intensive Auseinandersetzung mit einer Entscheidung kann dabei helfen, sie tatsächlich anzugehen.
Beispiel: Mitarbeiter kündigen
Steht ein Arbeitgeber vor der Entscheidung einen Mitarbeiter zu kündigen, ist es zunächst hilfreich, die Ausgangssituation genau zu betrachten. Lautet das Ziel "Einsparungen durch Personalabbau", sollte der Chef seinen Fokus auf das eigentliche Entscheidungsproblem richten: In diesem Fall also auf die Kostenreduktion, nicht die Entlassung des Mitarbeiters. Die Kündigung kann zwar eine mögliche Option sein, um Kosten zu vermindern; man sollte sich allerdings nicht auf sie versteifen und andere Möglichkeiten prüfen .
Bei einer Entlassung aufgrund von Fehlverhalten des Mitarbeiters ist es wichtig, Emotionen wie Enttäuschung und Ärger zu überwinden, da sie die Entscheidungsfähigkeit beeinflussen können. Danach gilt es, die Kosten einer Kündigung grob abzuschätzen: Wenn die Folgekosten überschaubar sind, ist es durchaus angemessen auf sein Bauchgefühl beziehungsweise die eigene Intuition zu hören.
Sind die Folgekosten jedoch entscheidungsrelevant, liegt der Fall anders. Ist das Ziel, die Kosten niedrig zu halten wichtiger als die Kündigung selbst, sollte man sich Zeit für die Entscheidung nehmen und alle realistischen Alternativen (Abmahnung, Mediation, fristlose Kündigung) hinsichtlich ihrer Kosten prüfen. Daneben ist es wichtig weitere Aspekte in die Entscheidung miteinzubeziehen, wie etwa die Auswirkung auf das Betriebsklima.
In jedem Fall Ruhe bewahren
Verspürt man vor einer Entscheidung extremen Druck oder Unwohlsein, sollte sie zu einem neuen Zeitpunkt angegangen und vielleicht eine Nacht darüber geschlafen werden – allerdings gilt auch hier: nicht aufschieben. Steht die Entscheidung unmittelbar an, kann es bereits helfen, ruhig zu Atmen und fünf Minuten frische Luft zu schnappen, um wieder einen klareren Kopf zu bekommen. Weitere Tipps gibt es in der Infobox:
Fünf Tipps für erfolgreiche Entscheidungen:
- Prüfen Sie den Aufwand einer Entscheidungsfindung: Steht er in einem sinnvollen Verhältnis zur wirklichen Bedeutung der Entscheidung?
- Bei zwischenmenschlichen Entscheidungen beziehungsweise Entscheidungen, in deren Materie Sie sich gut auskennen: Vertrauen Sie auf Ihr Bauchgefühl.
- Fixieren Sie sich nicht voreilig auf wenige Alternativen, sondern betrachten Sie eine Vielzahl möglicher Optionen .
- Verteilen Sie die Entscheidungsfindung auf mehrere Schultern (Rollen). Das bedeutet nicht, dass alle mitbestimmen sollen – aber gerade bei komplexeren Entscheidungen kann es helfen, eine Einschätzung von Mitarbeitern und Fachexperten einzuholen.
- Wenn Sie die Übersicht verlieren, suchen Sie sich professionelle Hilfe: Entscheidungsexperten kennen verschiedene Methoden und Tools, die Sie bei der Entscheidungsfindung unterstützen.