Immer noch haben gerade kleine Betriebe, trotz guter Ideen, Schwierigkeiten, einen Kredit zu bekommen. Zehn Tipps, damit Sie trotzdem Geld von der Bank erhalten.
Franz Falk

Daniel Atzpodien hatte am Ende fünf Banken angeschrieben. Der Orthopädieschuhtechnikermeister aus Filderstadt brauchte einen Kredit über 100.000 Euro für seine Unternehmensgründung. Zwei Banken haben erst gar nicht geantwortet, zwei haben abgelehnt. Schlechte Ausbeute. Die BW-Bank Baden Württemberg allerdings wollte gleich einen Gesprächstermin vereinbaren. Und Atzpodien konnte seinen Bankberater überzeugen. Nicht zuletzt weil der Handwerker gut vorbereitet war.
Zusammen mit seinem Steuerberater hat er vorher nämlich einen Businessplan erstellt. Atzpodien, der vorher schon in leitender Position gearbetet hatte, wollte sich nun sein eigenes Geschäft aufbauen. Mit Filderstadt hatte er sich einen Ort ausgesucht, an dem es sein Angebot in dieser Form noch nicht gibt: als Orthopädieschuhtechniker, ausgerichtet auf Sonderanfertigung, nur nach Maß und wenig Konkurrenz am Ort.
Ein Großteil der Betriebe tut sich schwer
Auch gezielte Nachfragen des Bankberaters zum Konzept konnten Atzpodien nicht aus der Ruhe bringen. Nach zwei Stunden war der Berater überzeugt und so ließ das Geld nicht lange auf sich warten. Bei vielen Kreditsuchenden aus dem Handwerk läuft es leider nicht so problemlos. Denn trotz historisch niedriger Zinsen und insgesamt stabiler Finanzierungslage haben immer noch viele Inhaber große Probleme, einen Kredit zu erhalten.
Dies stellte der Zentralverband des Deutschen Handwerks im Juni dieses Jahres fest. Die Auswertung der KfW-Umfrage zur Finanzierungssituation hatte ergeben, dass es ein Großteil der Betriebe schwer hat, an Geld zu kommen. Besonders Kleinbetriebe mit einem Jahresumsatz von bis zu 100.000 Euro sind nach dieser Umfrage bei der Kreditvergabe benachteiligt.
Das muss nicht sein, denn viele Banken sind durchaus bereit zur Kreditvergabe. Allerdings unterliegen sie strengen Richtlinien. Zehn Tipps, wie Betriebe den Kriterien der Bankberater genügen können:
1. Aktuelle Zahlen vorlegen
Ohne aktuelle Wirtschaftszahlen kann keine Bank einen Kredit gewähren. Aufgabe jedes Unternehmers ist, Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen vorzulegen, möglichst schon sechs Monate nach Abschluss des Geschäftsjahres. Die Schuld dem Steuerberater zu geben, ist zu einfach.
2. Die Entwicklung der letzten Jahre erläutern
Aus dem Zahlenwerk lässt sich nicht immer ersehen, was sich in den jeweiligen Geschäftsjahren ereignet hat. Kurze Begründungen für die Umsatzentwicklung und für die Entwicklung der Kosten helfen einem Außenstehenden, die Zahlen zu verstehen. Der Ausfall eines wichtigen Kunden, Probleme bei einem Großauftrag, die längere Krankheit oder die Einarbeitung eines Mitarbeiters sind Beispiele für Ereignisse, die sich stark in den Zahlen widerspiegeln.
3. Das Investitionsvorhaben begründen
Die Investition muss dem Betrieb einen Nutzen bringen. Beispiele für Vorteile, die Investitionen bringen können, sind: Umsatzsteigerung durch zusätzliche Kapazitäten oder durch Rationalisierung, Kosten senken durch Einsparungen von Energie, eine stark verbesserte Qualität, aber auch die Sicherung des Standorts. Die erwünschten Effekte müssen quantifiziert werden. Das Ergebnis solcher Überlegungen ist eine Plan-Gewinn- und Verlust-Rechnung und damit eine wichtige Entscheidungsgrundlage für einen Banker, wenn die Zahlen nachvollziehbar und realistisch sind.
4. Den Kapitalbedarf präzisieren
Eine Bank muss wissen, wie viel Geld benötigt wird. Zum Kapitalbedarf zählen nicht nur der Kaufpreis, sondern auch Nebenkosten und meist auch Betriebsmittel zur Vorfinanzierung des höheren Umsatzes.
5. Einen aussagefähigen Geschäftsplan vorlegen
Ein realistischer und aussagefähiger Geschäftsplan ist ein absolutes Muss – für viele Handwerksunternehmer noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. Die notwendigen Berechnungen – siehe Ziffer 3 – müssen ergänzt werden durch Aussagen zur voraussichtlichen Entwicklung der Branche und in der Region sowie zu den Aktivitäten, die der Unternehmer plant, um die Zahlen zu erreichen.
6. Die Rendite muss stimmen
Nur wer ausreichend Gewinn erzielt, kann einen Kredit zurückbezahlen. Die Rendite eines Betriebes hat ganz entscheidenden Einfluss auf die Kreditgewährung. Aufgabe des Handwerksunternehmers ist, seinen Betrieb gewinnorientiert zu führen.
7. Sicherheiten bieten
Auch ohne ausreichende eigene Sicherheiten können Vorhaben finanziert werden. Dazu gibt es die Bürgschaftsbanken oder Kreditgarantiegemeinschaften. Wenn das Vorhaben wirtschaftlich sinnvoll ist, wird es dann nicht an den fehlenden Sicherheiten scheitern.
8. Für den Entscheidungsprozess ausreichend Zeit einplanen
Die internen Abläufe bei einem Kreditinstitut erfordern Zeit. Unterlagen müssen geprüft, Entscheidungen vorbereitet werden. Diese Prozesse kann der Handwerksunternehmer unterstützen, indem er alle geforderten Unterlagen vollständig einreicht und selbst keinen Grund für Verzögerungen liefert.
9. Offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Bank
Eine Kreditgewährung basiert auf Vertrauen: regelmäßige Gespräche, in regelmäßigen Abständen Zahlen einreichen, zugesagte Vereinbarungen strikt einhalten, frühzeitig über Pläne und eventuelle Schwierigkeiten informieren. Dazu gehört auch, in aller Offenheit über die Ratingnote zu sprechen. Diese Partnerschaft muss auch in guten Zeiten gepflegt werden.
10. Beraten lassen
Die Beratung durch einen Steuerberater ist meistens unerlässlich. Denn dieser erstellt insbesondere die Planrechnungen. Sehr zu empfehlen sind aber auch Beratungen durch die Berater der Handwerkskammern und Innungsverbände. Und diese Beratungen sind kostenlos. Gefördert werden aber auch Beratungen durch freiberufliche Unternehmensberater.