Wer ein Praktikum im Ausland machen möchte, sollte dies gut planen. Aber es lohnt sich. Und für Auszubildende aus dem Handwerk gibt es viele Förderprogramme, die sie bei dem Vorhaben unterstützen. Trotzdem sollte man sich zuerst klarmachen: Wie lange? Wohin? Und wann ist der richtige Zeitpunkt?
Mirabell Schmidt

Rund 30.000 Jugendliche machen jährlich im Rahmen ihrer Ausbildung ein Praktikum im Ausland – Tendenz steigend. Das sind etwa vier Prozent eines Ausbildungsjahrgangs. Auch wenn viele vor dem Schritt in eine fremdes Land zu gehen, Angst haben, ist es eine Herausforderung, die sich lohnt. Man lernt neue Leute, eine andere Kultur und Arbeitsweise kennen. Und nicht nur für Studenten gibt es viele Möglichkeiten Auslandserfahrung zu sammeln, auch Auszubildenden im Handwerk stehen zahlreiche Projekte, die abenteuerlustige Azubis unterstützen, zur Verfügung.
"Wer den Wunsch hat, ein Praktikum im Ausland zu machen sollte sich zunächst klarmachen, in welches Land und wie lange er weg möchte", rät Pawel Gorn, Mobilitätsberater der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Mit Ausbildungsbetrieb und Berufsschule sollten Azubis dann abklären, ob ihr Plan realisierbar ist. Denn diese müssen zustimmen. Das letzte Wort hat jedoch immer der Betriebsinhaber, da er das Ausbildungsgehalt während dem Auslandsaufenthalt weiterbezahlen muss.
Das passende Förderprogramm fürs Praktikum auswählen
Viele verschiedene Projekte unterstützen die Auslandspläne von Azubis aus dem Handwerk. Die meisten von ihnen zahlen die Fördermittel des "Leonardo Da Vinci"-Programmes der EU-Kommission aus. Welches Programm für einen geeignet ist, hängt davon ab, in welchem Land man das Praktikum machen möchte, wie lange es dauern soll und zu wie viel Eigeninitiative man bereit ist. So gibt es Programme wie das von der Stiftung "Bildung und Handwerk" oder "Xchange", bei denen von Gastbetrieb über Sprachkurs bis zur Unterkunft, alles für Azubis organisiert wird.
Bei anderen Projekten wie "Let's go Azubi", muss sich der Auszubildende eigenständig einen Praktikumsplatz suchen. "Bei solchen Programmen sollte man unbedingt einen Praktikumsplatz sicher haben, bevor man sich für die Förderung bewirbt", sagt Gorn. Ohne Kontakte durch den Ausbildungsbetrieb einen Praktikumsplatz zu finden, sei allerdings oft sehr schwierig.
Voraussetzungen für ein Auslandspraktikum
Wie lange ein Praktikum dauert, ist ganz unterschiedlich, mindestens sind es aber zwei, maximal 39 Wochen. "Optimal sind drei bis vier oder maximal sechs Wochen, da man sonst in der Berufsschule zu viel verpasst", so Gorn. Denn das, was der Auszubildende in der Schule oder im Betrieb versäumt, muss er eigenverantwortlich nachholen. Längere Aufenthalte seien daher erst nach der Ausbildung besser geeignet.
Die Förderprogramme stellen teils unterschiedliche Anforderungen an die Auszubildenden. Doch für die meisten Projekte gilt:- Mindestalter 18 Jahre
- Grundkenntnisse in Englisch
- Grundkenntnisse der Landessprache
"Außerdem sollte man bereit sein, sich auf ungewohnte oder unvorhergesehene Situationen einzustellen", sagt Gorn.
Finanzielle Unterstützung für Auslandspraktika
Bei den meisten Programmen (bei allen vom Leonardo da Vinci Programm finanzierten) werden die Auszubildenden zusätzlich zu ihrem Lehrlingsgehalt finanziell unterstützt. Meist gibt es eine Lebensunterhalts- und Reisekostenpauschale, die sich nach den Lebenshaltungskosten im Gastland richtet. Der Bildungsträger übernimmt dabei häufig auch die Versicherung im Ausland.
Wann man ein Praktikum im Ausland am besten macht, richtet sich ganz nach Ausbildung und Betrieb. Sinnvoll ist es aber, schon ein bisschen Erfahrung zu haben. Grundsätzlich eigne sich jede Ausbildungsrichtung für ein Auslandspraktikum. "Man sollte nur mit Betrieb und Berufsschule die optimale Variante absprechen", sagt Gorn. Da der Ausbildungsvertrag während dem Auslandsaufenthalt nicht unterbrochen wird, verlängert sich auch die Ausbildung nicht.
Wer im Ausland ein Praktikum in einem Mitgliedstaat der EU gemacht hat, bekommt den Europass, um bei künftigen Bewerbungen den Auslandsaufenthalt nachweisen zu können. Wer herausfinden möchte, welches Programm am besten für seine Situation passt, kann sich an die Mobilitätsberater der Handwerkskammern wenden. Interessierte Azubis können außerdem Erfahrungsberichte von Jugendlichen, die bereits im Ausland waren, nachlesen.
Ansprechpartner bei der Handwerkskammer für München und Oberbayern ist Pawel Gorn.