Hunderttausende Mängel festgestellt So heizt Deutschland

Die Wärmewende in Deutschland kommt nur schleppend voran. Die neuesten Zahlen des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks zeigen, dass fossile Anlagen dominieren und viele Heizungen veraltet sind. Die Details.

Gasheizung im Heizungskeller
In Deutschland waren 2024 rund 15 Millionen Gasfeuerungsanlagen im Einsatz. - © lettas - stock.adobe.com

Die jährlichen Erhebungen des ZIV zeigen den Zustand der Heizungsanlagen in deutschen Gebäuden. Sie dienen auch als Indikator für die Wirkung politischer Maßnahmen wie der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes (GEG). Die Zahlen für 2024 zeigen wenig Bewegung beim Austausch alter Heizungen.

Fossile Brennstoffe dominieren

In Deutschland gibt es fast 33 Millionen Wärmeerzeuger in privaten und gewerblichen Immobilien, darunter Heizungen, Öfen und Warmwasserbereiter, aber ohne Wärmepumpen. Davon heizen rund 19,9 Millionen Anlagen mit fossilen Brennstoffen. Das ist mehr als die Hälfte des Bestands.

Die Zahl der fossilen Anlagen ist im Vergleich zu 2023 leicht zurückgegangen, um 0,7 Prozent. Dieser Rückgang hat sich im Jahr 2024 im Vergleich zu den Vorjahren verlangsamt; von 2022 auf 2023 sank die Zahl noch um ein Prozent.

Bei den wichtigsten fossilen Energieträgern Gas und Heizöl zeigen sich unterschiedliche Trends. Die Zahl der Ölheizkessel nahm weiter ab, um rund 2,3 Prozent auf etwas mehr als 4,8 Millionen Anlagen. Die Zahl der Gasheizungen blieb dagegen fast konstant. Das Schornsteinfegerhandwerk erfasste rund 15 Millionen Gasfeuerungsanlagen, nur 0,17 Prozent weniger als im Vorjahr.

Effizienz steigt, viele Anlagen aber veraltet

Positiv entwickelt sich die Effizienz der installierten Geräte. Mehr als die Hälfte der Gasheizungen nutzt inzwischen Brennwerttechnik. Der Anteil der Gas-Brennwertgeräte stieg um rund 4,3 Prozent. Bei Ölheizungen nahm der Anteil der Brennwertgeräte sogar um rund 9,8 Prozent zu, liegt aber mit nur einer von fünf Ölheizungen, die auf Brennwertbasis heizen, noch deutlich niedriger.

Gleichzeitig ist das hohe Alter vieler Öl- und Gasheizungen auffällig. 85 Prozent der Ölheizungen mit alter Heizwerttechnik waren 2024 älter als 20 Jahre. Sie gelten laut ZIV als technisch veraltet. Bei Gasheizungen mit Heizwerttechnik waren etwa zwei Drittel (66 Prozent) älter als 20 Jahre. Der ZIV sieht hier ein erhebliches Potenzial, Energie einzusparen – für Handwerksbetriebe eine Chance zur Beratung und Umsetzung.

So heizt Deutschland 2024
© Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks

Unsicherheit bremst Modernisierung

Verbandspräsident Alexis Gula sieht die Ursache für die Zurückhaltung beim Energiewechsel in den öffentlichen Diskussionen um das Gebäudeenergiegesetz. "Die Bevölkerung reagierte verunsichert und stellte Modernisierungsentscheidungen zunächst zurück", sagte Gula. Viele warteten auf die kommunale Wärmeplanung, um zu entscheiden, welcher Energieträger und welche Technologie für sie bezahlbar seien. "Jetzt blicken alle auf die neue Bundesregierung", so Gula.

Diese Zurückhaltung spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen der Heizungsindustrie wider. Nach Informationen, die dem ZIV vorliegen, brach der Verkauf von Wärmepumpen im Jahr 2024 um 46 Prozent ein.

Biomasse legt leicht zu

Die Zahl der Biomasseheizungen veränderte sich ebenfalls nur wenig. Bei den Zentralheizungen für feste Brennstoffe (wie Pellets, Hackschnitzel oder Scheitholz) verzeichneten die Erhebungen 2024 einen leichten Anstieg auf fast 1,16 Millionen Anlagen. Die Zahl der Einzelraumfeuerungsanlagen (Kamin-, Kachelöfen) blieb mit 11,73 Millionen nahezu konstant. Das aktuelle GEG zählt bestimmte Biomasseanlagen als Option für erneuerbare Energien. Sie könnten laut ZIV besonders im ländlichen Raum, auch als Hybridlösungen, eine Rolle spielen.

ZIV: Schornsteinfeger sollten alle Wärmeerzeuger dokumentieren

Der ZIV erfasst in seinen Erhebungen aktuell nur Heizungen und Feuerstätten für Öl, Gas oder feste Brennstoffe. Wärmepumpen, strombasierte Lösungen oder Fernwärmeanschlüsse werden nicht erfasst. Der Verband setzt sich dafür ein, dass Schornsteinfeger alle Wärmeerzeuger dokumentieren. Präsident Gula argumentiert, Schornsteinfeger seien deutschlandweit im Einsatz, kämen in praktisch jeden Haushalt und könnten eine flächendeckende Datenerfassung übernehmen. Das wäre ein wertvolles Instrument für die kommunale Wärmeplanung.

Hohe Zahl an Mängeln festgestellt

Bei ihren gesetzlichen Aufgaben fanden Schornsteinfeger im Jahr 2024 eine hohe Zahl an Mängeln an Heizungs- und Lüftungsanlagen. Bei der Feuerstättenschau und den Kehr- und Überprüfungsarbeiten stellten sie über 830.000 Mängel an bestehenden Feuerungsanlagen fest – darunter Mängel an Feuerstätten, Verbindungsstücken, Schornsteinen und Lüftungseinrichtungen. An neu errichteten oder wesentlich geänderten Feuerungsanlagen wurden im Rahmen der Prüfungen über 106.000 Mängel festgestellt, die die Tauglichkeit oder sichere Benutzbarkeit beeinträchtigten. Zudem gab es rund 51.000 Mängel an Lüftungsanlagen. Der ZIV weist darauf hin, dass die tatsächliche Zahl der Mängel noch höher liegen könnte, da nicht alle geringfügigen Mängel erfasst werden.