Verheiratet sein und gemeinsam ein Unternehmen aufbauen: Das kann sehr schön sein, aber auch zu Streit führen. Wie hält man die Liebe am Leben und bleibt gleichzeitig beruflich erfolgreich? Zwei langjährig verheiratete Unternehmerpaare aus dem Handwerk verraten ihr Liebesgeheimnis.

Als sie sich kennenlernen, ist sie gerade einmal 14, er 16 Jahre alt. "Wir waren beide in der Landjugend. Schon dort fing es mit unserer Liebe an", erinnert sich Claudia Beil. Mittlerweile sind Claudia und ihr Ehemann Jürgen Beil seit 42 Jahren ein Paar, haben gemeinsam ein Haus gebaut und zwei Kinder bekommen. Die beiden teilen aber nicht nur ihr privates, sondern auch ihr berufliches Leben: Gemeinsam führen sie einen Malerbetrieb im oberbayerischen Erding. Dass sie einander stets Rückhalt geben, sei auch das Geheimnis ihres beruflichen Erfolgs, erklärt Maler- und Lackierermeister Jürgen Beil: "Bei uns war immer sehr viel los. Aber wir haben immer einander gehabt."
Im Handwerk gibt es viele Unternehmerpaare
Unternehmerpaare wie Claudia und Jürgen Beil sind keine Seltenheit in der Branche. Laut Angaben des Bundesverbands UnternehmerFrauen im Handwerk (UFH) werden circa 75 Prozent aller Handwerksunternehmen als Familienbetrieb gemeinsam von Mann und Frau geleitet. Als Paar ein Unternehmen zu führen, kann etwas sehr Erfüllendes sein, weiß Wirtschaftspsychologin Birgit Fiedler. "Das Unternehmen ist so etwas wie das eigene Baby. Gemeinsam kreiert man etwas Wundervolles. Aber es gibt natürlich auch schwierige Zeiten. Das kann dazu führen, dass beide Partner viele Sorgen mit nach Hause nehmen. Passiert das, wird aus der Liebesbeziehung schnell eine Geschäftsbeziehung." Fiedler weiß, wovon sie spricht. Sie coacht Unternehmerpaare, bei denen es kriselt, weil das Geschäftliche zu viel Raum einnimmt.
Auch in turbulenten Zeiten füreinander da
Auch für das Unternehmerpaar Beil waren die Zeiten nicht immer leicht. Vor allem die Anfangsphase der Selbstständigkeit sei schwer gewesen. Mit gerade einmal 46 Jahren stirbt Jürgen Beils Vater an Krebs. Der Familie hinterlässt er den kleinen Familienbetrieb. Für Jürgen Beil steht schnell fest: Er wird das Unternehmen übernehmen, das damals übergangsweise seine Mutter leitet.
Mit gerade einmal 22 Jahren schließt Jürgen Beil die Meisterschule ab. Er sei damals der jüngste Malermeister des Landkreises gewesen, berichtet das Unternehmerpaar. In dieser turbulenten Zeit immer an seiner Seite: Seine künftige Ehefrau Claudia. Sie, die gelernte Metzgerei-Verkäuferin ist, zögert nicht lange und lässt sich zur Betriebswirtin umschulen. Irgendwann steigt sie voll in den Betrieb ihres Mannes ein. Noch heute ist Jürgen Beil seiner Frau sehr dankbar. "Für mich war es immer wichtig, dass ich privat keine Probleme habe. Denn Probleme mit der Firma hatte ich ja genügend. Und da braucht man einfach einen Rückzugsort, jemanden, auf den man sich immer verlassen kann. Das ist meine Frau für mich", erklärt er.
Freiräume sind für Unternehmerpaare wichtig
Zwangsläufig macht das Unternehmerpaar Beil vieles gemeinsam. Ihnen ist es aber genauso wichtig, sich Freiräume zu nehmen. Das sei ein weiteres großes Geheimnis ihrer harmonischen Unternehmerehe, erklären die beiden. Laut eigener Aussagen haben sie in über 40 Jahren Ehe nur einen einzigen großen Streit gehabt. Beide unterstützen sich zum Beispiel in ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten. Claudia Beil ist Landesvorsitzende der UnternehmerFrauen Bayern, Jürgen Beil engagiert sich kommunalpolitisch als Stadtrat und ist Obermeister der Maler- und Lackiererinnung Freising-Erding. "Wir sind beide mehrere Tage in der Woche unterwegs und lassen uns diese Freiräume. Gleichzeitig wissen wir, wir sind immer füreinander da, wenn mal wieder Not am Mann ist", sagt Jürgen Beil.
Sich Zeit für sich selbst nehmen. Das ist auch ein Tipp, den Trainerin Birgit Fiedler Unternehmerpaaren gibt, bei denen es mal schwierig wird. Zwangsläufig verbrächten Unternehmerpaare viel Zeit miteinander, das Risiko aneinander zu geraten sei dadurch umso höher. "Deshalb ist der erste Schritt, dass jeder wieder auf sich selbst schaut und sich fragt: Wie komme ich wieder in Balance?" Zwischen der Firma und dem Privatleben als Paar bliebe oft keine Zeit mehr für sich selbst; für Dinge wie Sport, Freunde treffen oder andere Hobbys. Das sei aber wichtig, denn: "Erst wenn sich zwei ausgeglichene Menschen zu Hause treffen, ist das ein Fundament dafür, dass es wieder besser werden kann", ist Fiedler überzeugt.

"Privates und Berufliches unter einen Hut zu bringen, war damals nicht einfach"
Auch das Ehepaar Nemela hält es so. Nach der gemeinsamen Arbeit verbringen sie gerne Zeit in ihrem Garten. Manuela und Gerhard Nemela gehen aber auch mal ohne den Partner auf Reisen. Gerhard Nemela war bis 2022 bei der Landshuter Feuerwehr aktiv. Und wie Claudia Beil engagiert sich auch Manuela Nemela beim Bundesverband UFH, wo sie sich mit Frauen austauscht, die ebenfalls Unternehmerehen führen: "Das stärkt ungemein", sagt die Vorsitzende der Unternehmerfrauen im Handwerk Arbeitskreis Landshut und stellvertretende Schatzmeisterin im Landesverband Bayern.
Die Nemelas führen seit mehr als 25 Jahren einen Fachbetrieb für Heizung, Sanitär und Solar im bayerischen Landshut. Gerhard Nemela ist Gas- und Wasserinstallateurmeister. Das Unternehmen hat er 1997 von seinem damaligen Arbeitgeber übernommen, kurz nachdem er die Meisterschule abgeschlossen hatte. Von Vornherein war klar, dass auch seine Frau voll und ganz in die Selbstständigkeit einsteigen wird. "Wir wussten, dass es bei einem kleinen familiären Handwerksbetrieb nur so funktionieren kann", sagt Manuela Nemela. Dafür waren aber auch einige Veränderungen nötig. Nemela ist gelernte Damenschneiderin und ließ sich damals zur Betriebswirtin umschulen. "Ich war aber schon immer so, dass ich gerne Neues ausprobiert habe", erzählt sie.
Auch für das Unternehmerpaar Nemela, das nur zwei Jahre vor der Betriebsübernahme geheiratet hatte, war der Anfang der Selbstständigkeit nicht einfach. "Es gab zwar einen Kundenstamm, aber alles andere war veraltet. In den ersten Monaten habe ich viel gezweifelt, ob es die richtige Entscheidung war. In dieser Zeit sind viele Tränen geflossen. Privates und Berufliches unter einen Hut zu bringen, war damals nicht einfach", erinnert sich Manuela Nemela.
Unternehmerpaare sollten immer wieder offen miteinander kommunizieren
Trotzdem machte das Unternehmerpaar weiter. Heute betrachten sie diese schwierige Zeit als großen Lernprozess – auch für ihre Beziehung. Eine offene Kommunikation, genaue Absprachen und eine gute Struktur im Unternehmen sieht Manuela Nemela als Voraussetzung dafür, dass es sowohl privat als auch beruflich gut klappen kann. Auch hätten beide verstanden, wie wichtig es ist, Privates und Berufliches zu trennen. "Klar kommt es im Beruflichen mal zu Streitigkeiten. Aber sobald man das Büro verlässt, sollte es wieder gut sein. Spannungen sollten nicht ins Private mitgenommen werden", so Nemela.
Fiedler stimmt dem zu. "Realistisch ist aber auch, dass das nicht immer klappt." Sie rät in diesen Fällen: "Schaffen Sie sich auch Zuhause einen Platz, an dem Sie sich über berufliche Sorgen austauschen können. Bleiben Sie nicht auf dem Sofa sitzen, sondern setzen Sie sich bewusst an einen Tisch oder wechseln Sie an einen anderen Ort."
Nehmen hingegen berufliche Themen im Privatleben Überhand, empfiehlt Fiedler, sich bewusst Zeit als Paar zu nehmen und auf emotionaler Ebene zu kommunizieren. Das könne dabei helfen, sich wieder als Liebespaar zu sehen und nicht nur als berufliche Einheit. "Setzen Sie sich in Ihren Kalendern explizit Gesprächstermine als Paar. Fragen Sie sich, wer sind wir als Paar? Welche Werte und Visionen teilen wir, wo wollen wir gemeinsam hin? Welche Ziele haben wir als Paar erreicht? Was hat in der letzten Woche gut geklappt, was nicht?"
Ein Unternehmerpaar sein: Das hat viele Vorteile
Bei all dem Konfliktpotenzial in einer Unternehmerehe gibt es aber auch viele Vorteile, die ein klassisches Arbeitsverhältnis nicht bietet. Für Manuela Nemela ist es das tiefe Vertrauen zu ihrem Ehemann. "Wenn es Konflikte mit Kunden gab, konnte ich auch mal tränenüberströmt am Schreibtisch sitzen oder laut werden. Ein Chef hätte dafür wahrscheinlich nicht so viel Verständnis. Da reagiert der eigene Mann viel sensibler", sagt sie.
Das Unternehmerehepaar Beil schätzt, dass es sich in jeder Lebenslage aufeinander verlassen kann. "Er ist mein Fels in der Brandung", sagt Claudia Beil über ihren Mann. Was auch helfe, um die Liebe am Leben zu erhalten: "Zwischendrin mal kuscheln. Wir umarmen uns mindestens fünfmal am Tag", sagt Claudia Beil lachend. Und was schätzt die Unternehmerin Manuela Nemela besonders an der Arbeit mit ihrem Ehemann? "Es war von Anfang an so, dass wir auf Augenhöhe waren."