Noch schlagen die hohen Energiepreise nicht überall durch. Doch schon gehen Investitionen zurück, wie eine KfW-Umfrage zeigt.

Mittelständische Unternehmen sehen sich nach einer Erholung im vergangenen Jahr durch die aktuelle Energiekrise neuen Unsicherheiten ausgesetzt. "Es ist eine sehr schwierige Situation", sagt KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib bei der Vorstellung des aktuellen Mittelstandspanels der staatlichen KfW-Förderbank. Dies gelte umso mehr, da höheren Energiepreise noch nicht vollständig auf die Unternehmen durchgeschlagen hätten, aber schon jetzt ein Teil der Betriebe finanziell überfordert sei. Eine Entlastung dieser besonders betroffenen Unternehmen sei daher notwendig.
KfW sieht hohe Belastungen im verarbeitenden Gewerbe
Mit Blick auf die Entlastungen befürwortet Köhler-Geib eine Kombination mit Anreizen für die Transformation zu Klimaneutralität. Dies gelte umso mehr, da die Preise für Gas zwar mittelfristig zurückgingen, sich aber oberhalb des Niveaus vor der Krise einpendeln würden. Besonders hoch sei die aktuelle Belastung durch die hohen Energiepreise für energieintensive Unternehmen des mittelständischen verarbeitenden Gewerbes, fügte sie hinzu.
Teile des Mittelstands kommen mit hohen Energiepreisen zurecht
Insgesamt gehen nach der Umfrage rund 13 Prozent der befragten Mittelständler davon aus, dass sie die hohen Energiekosten auf Dauer finanziell überfordern werden. Gut die Hälfte rechnet dagegen damit, auch mittelfristig mit höheren Energiepreisen zurechtzukommen. Bei weiteren 13 Prozent fallen die Preise kaum ins Gewicht. Wo die Preise weniger ins Gewicht fallen, hängt es nach den Angaben der KfW auch damit zusammen, dass die höheren Preise an die Kunden weitergegeben werden können.
Stimmung im Mittelstand insgesamt gedämpfter
Neben hohen Energiepreisen dämpfen auch andauernde Lieferengpässe, rückläufige Wachstumsperspektiven sowie eine anhaltend hohe Inflation und steigende Zinsen die Stimmung in den knapp 3,8 Millionen kleineren und mittleren Unternehmen. Dabei hatten die Unternehmen die Umsatzverluste aus dem ersten Pandemiejahr 2021 gerade mal wettgemacht. Sie legten mit einem Plus von 242 Milliarden Euro auf insgesamt 4,58 Billionen im vergangenen Jahr zu.
Unternehmen revidieren Investitionspläne
Wie Köhler-Geib weiter sagte, zeige sich die aktuelle Unsicherheit der Unternehmen auch bei außergewöhnlich hohen Revisionen der Investitionsvorhaben. Nur noch knapp die Hälfte gibt Anfang September an, ihre Investitionsvorhaben für dieses Jahr wie geplant umsetzen zu wollen. Knapp ein Fünftel will sogar alle Vorhaben aufgeben. Rund 59 Milliarden Euro an Investitionen könnten der Volkswirtschaft für 2022 verloren gehen.
Finanzierungsbedingungen für Mittelständler verschlechtert
Mit fortschreitendem Krieg und dessen Belastungen ist auch der Ausblick für die Eigenkapitalquote düsterer als im Frühjahr. Verschlechtert haben sich laut Umfrage auch die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen. Zum einen würden die Kredite durch die höheren Zinsen teurer. Zum anderen würden die Banken bei der Kreditvergabe vorsichtiger.
Mit Blick auf die Beschäftigung von 32,2 Millionen Menschen haben mittelständische Unternehmen den Rückgang während der Corona-Pandemie nach Angaben der KfW wieder aufgeholt. Insgesamt hat der Anteil mittelständischer Unternehmen an der gesamten Erwerbstätigkeit mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro mit knapp 72 Prozent einen Höchststand erreicht.