Ausbildungsserie So bringen Lernfelder Struktur in die Ausbildung

Die Inhalte einer Berufsausbildung sind in Lehrplänen der Berufsschulen festgelegt – und sollen eng an die Praxis angepasst sein. Dazu braucht es Abstimmung und Ordnung. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, was Lernfelder sind und wie sie die Berufsausbildung strukturieren.

Lernfelder
Über Lernfelder lassen sich die Inhalte der Berufsausbildung ordnen und Theorie und Praxis miteinander verknüpfen. - © snowing12 - stock.adobe.com

Ältere werden sich noch erinnern, früher gab es im Berufsschulunterricht bestimmte Fächer, die sowohl allgemeinbildend als auch berufsbezogen waren. Neben Deutsch, Mathematik und Wirtschaftskunde gehörten dazu auch berufsbezogene Fächer wie Buchhaltung, Staats- und Wirtschaftskunde oder auch fachbezogene Inhalte. 

Berufsbezogene Inhalte hatten sich je nach Beruf unterschieden. Es gab zum Beispiel Fächer wie Metalltechnik, Holztechnik, Elektrotechnik, Chemietechnik, Buchhaltung, Rechnungswesen oder Warenwirtschaft. Je nach Handwerksberuf spezifische Fächer wie Bautechnik oder Nahrungsmitteltechnologie. Die Themen und Gewichtung konnten sich im Laufe der Zeit und je nach Bundesland unterscheiden.

Lernfelder definieren Aufgaben für die Praxis

Die Mitglieder der Kultusministerkonferenz hatten dann 1995 die Einführung des Lernfeldkonzepts für den Unterricht in der Berufsschule beschlossen. Die Lehrkräfte sollen den Unterricht stärker an der beruflichen Praxis ausrichten. Die Handlungsorientierung steht hierbei an erste Stelle.

In einem Lernfeld sind Aufgabenbündel zusammengefasst. Sie beziehen sich auf berufliche Handlungsfelder. Für den Begriff "Handlungsfelder" hat sich mittlerweile folgende Definition durchgesetzt: "Handlungsfelder sind zusammengehörige Aufgabenkomplexe mit beruflichen sowie lebens- und gesellschaftsbedeutsamen Handlungssituationen, zu deren Bewältigung befähigt werden soll. Handlungsfelder sind immer mehrdimensional, indem sie stets berufliche, gesellschaftliche und individuelle Probleme miteinander verknüpfen…" (Bader: 2004, S. 28).

Die Lernfelder werden, bei ihrer zentralen Erarbeitung, durch Lehrkräfte von Berufsschulen, aus den Berufsbildpositionen der Ausbildungsrahmenpläne abgeleitet, die den Ausbildungsordnungen als Anlage beigefügt sind.

Lernfelder bringen Struktur und verdeutlichen Zusammenhänge                   

Thematische Einheiten orientieren sich an beruflichen Arbeitsabläufen. Der Unterricht soll Handlungskompetenzen vermitteln, also die Fähigkeit, sachgerecht, durchdacht sowie individuell und sozial verantwortlich zu handeln. Vernetztes Denken und Handeln soll gefördert sowie Zusammenhänge zwischen verschiedenen Lernbereichen aufzeigt werden.                                                                                                                           

Diese Rahmenlehrpläne bauen grundsätzlich auf dem Niveau des Ersten Schulabschlusses auf. Da die Berufsschule jedoch von Jugendlichen und Erwachsenen besucht wird, die sich nach der Vorbildung, ihrem Lernvermögen, dem kulturellen Hintergrund und den Erfahrungen aus den Lehrbetrieben unterscheiden, müssen die Rahmenlehrpläne so offen gestaltet sein, dass sie eine Anpassung an die Erfordernisse des Unterrichts in den Ländern zulassen. Daher können in den Ländern Rahmenlehrpläne der Kultusministerkonferenz unmittelbar und unverändert übernommen oder in einem eigenen Lehrplan umgesetzt werden.                                                         

Die Schwierigkeiten für die Lehrkräfte besteht darin, den sehr unterschiedlichen Ausbildungsstand von Schülerinnen und Schülern einer Klasse, die in der Regel aus kleinen und mittleren Lehrbetrieben kommen, mit den Anforderungen aus den Inhalten aus Lernfeldern in Einklang zu bringen. Eine weitere Problematik ergibt sich aus den unterschiedlichen Lehrzeiten, die in den Verträgen vereinbart wurden. Hinzu kommt noch die Themen Verkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeiten sowie Unterbrechungen der Lehrzeiten.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.