Flüssig bleiben – darauf kommt es nicht nur im Volksmund an, sondern auch in der Unternehmenswelt. Marcus Betz berät dazu Firmen jeder Größe. Der Direktor für Unternehmens- und Firmenkunden bei der Stadtsparkasse München erklärt im Interview, wie Unternehmen ihre finanzielle Stabilität sichern können.

Herr Betz, beginnen wir mit den Zinsen. Die sinken gerade, das dürfte also das geringere Problem sein.
Marcus Betz: Dass die Zinsen zurückgehen, trifft zu, aber ganz so einfach ist es leider nicht: Tatsächlich sind die Zinsen seit dem hohen Niveau nach der Pandemie wieder zurückgegangen. Es wäre jedoch leichtsinnig, darauf zu hoffen, dass wir wieder zu den Tiefständen der langen Niedrigzinsphase zurückkehren könnten. Ich halte das für unwahrscheinlich, weder, was die Höhe des Zinsniveaus angeht, noch, was seine Dauer betrifft. Die Inflation erweist sich in einigen Bereichen als hartnäckiger als von vielen vermutet. Gleichzeitig sehen wir eine schwache Konjunktur, der eigentlich niedrigere Zinsen guttäten, um wieder etwas in Schwung zu kommen. In diesem Spannungsfeld kann die EZB die Zinsen nur behutsam senken. Für Handwerksunternehmen bedeutet dies, dass sie die Zinsen stärker im Blick behalten müssen. Sich Liquidität zu beschaffen, kostet jedoch Geld, was ebenfalls eingeplant werden muss. Vorausschauendes Handeln ist daher gefragt, um sich gegebenenfalls günstige Konditionen zu sichern.
Welche Rolle spielen Finanzierungen beim Sichern der Liquidität?
Finanzierungen spielen eine ausgesprochen wichtige Rolle. Gerade wenn es darum geht, teure Maschinen anzuschaffen, ist es oft viel sinnvoller, diese nicht einfach zu kaufen, sondern sich stattdessen die Liquidität zu erhalten und Finanzierungs- oder Leasingmodelle zu nutzen. Natürlich müssen die dann fälligen Raten auch wiederum eingeplant und bei den Zahlungsströmen berücksichtigt werden. Dazu gehört auch, sich auf ein Szenario vorzubereiten, in dem die Finanzierungsraten schon abgebucht wurden, aber die Zahlungen noch nicht eingegangen sind. So wie in jeder guten Haushaltskasse sollte daher auch eine Betriebsmittellinie in ausreichender und angemessener Höhe vorgesehen sein. Der Betrieb muss schließlich liquide bleiben.
Finanzierung, Mahnwesen – das ist doch ein ziemlicher Aufwand für einen Handwerker?
Es gibt leider nicht "die eine" Lösung, sondern es geht um das Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen. Ich halte daher eine digitale Buchhaltung für eine wichtige Voraussetzung, eigentlich für ein Muss. Ja, das ist ein gewisser Aufwand, sie anzuschaffen, einzurichten und sich damit vertraut zu machen. Der Aufwand lohnt sich jedoch mehrfach, denn Sie minimieren damit zahlreiche Fehlerquellen, die in jeder händischen Datenübertragung automatisch vorhanden sind. Daher müssen natürlich gerade die Mitarbeiter im Vertrieb auf die Bonität und Zahlungsmoral der Kunden achten.

Was beobachten Sie in puncto Zahlungsmoral?
Viele mittelständische Unternehmen beobachten, dass ihre Kunden die Rechnungen nicht mehr so zügig bezahlen, wie sie es von ihnen gewohnt waren. Wenn der Handwerker laufende Ausgaben hat, die Einnahmen jedoch ausbleiben oder erst zeitversetzt kommen, dann kann dies zu Engpässen führen. Denn jeder Handwerker muss stets die Möglichkeit haben, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. Dies kann zum Beispiel eine defekte Maschine sein, die ersetzt werden muss. Wer also die Zahlungsflüsse unter Kontrolle hat und das Zinsrisiko vorausschauend im Griff hat, der hat schon einmal zwei entscheidende Stellschrauben im Griff.
Was empfehlen Sie den Unternehmern, um all diese genannten Punkte im Griff zu haben?
Ich empfehle zum Beispiel, Zahlungsziele zu setzen. Das machen leider nicht alle. Außerdem braucht man ein funktionierendes Mahnwesen mit automatischer Erinnerung. Das wiederum setzt voraus, dass jeder Auftrag nach Fertigstellung möglichst unverzüglich abgerechnet wird. Ein weiteres Beispiel: Manche Betriebe müssen für Material in Vorleistung gehen. Für sie würde es sich anbieten, Vorkasse oder Anzahlungen zu verhandeln. Empfehlenswert sind auch Skonti, die man den Kunden als Anreiz gewährt, wenn sie sehr kurzfristig bezahlen.
Wie unterstützen Sie Ihre Kunden beim Liquiditätsmanagement?
Ich empfehle allen Unternehmen, die diesbezüglich noch am Anfang stehen, einen engen Kontakt zur Bank zu halten. Wir beraten und begleiten sehr gerne. Es gibt genügend externe Faktoren, auf die ein Unternehmen wenig Einfluss hat, wie etwa die Konjunktur, die Zinsen oder die Zahlungsmoral der Kunden. Liquidität lässt sich jedoch steuern und managen. Wer sich diesbezüglich gut aufstellt, wird zukunftssicherer. Daher mein abschließender Rat an alle Handwerksunternehmerinnern und Handwerksunternehmer: Beziehen Sie Ihre Hausbank immer mit ein und tauschen Sie sich eng mit ihr aus – gerade wenn es um Ihre Liquidität geht.
Für eine individuelle Beratung steht Marcus Betz, Direktor Unternehmens- und Firmenkunden der Stadtsparkasse München, unter Telefon: 089/2167-12700 oder per Mail willkommen@sskm.de zur Verfügung