Ob im Burger King, bei Starbucks oder am Frankfurter Flughafen – wer hier Platz nimmt, sitzt vielleicht auf einem Möbelstück von Enders. Der Polstereibetrieb aus Masserberg liefert seine Produkte weltweit. Geschäftsführer Florian Enders hat dabei auch kreative Ideen für Kitas und Schulen.

Florian Enders ist kein Mann großer Worte. Dabei hat er allen Grund zu erzählen, dass es nur so sprudeln könnte. Da wäre einerseits die Geschichte seiner im August 2023 gegründeten Firma "AakustikaA", die sich auf schallabsorbierende Möbel spezialisiert hat und gewissermaßen ein Ableger des in den siebziger Jahren gegründeten Polstereifamilienbetriebes ist. Eine Marktlücke, in die hineinzustoßen vielversprechend klang und es auch geworden ist. Eine sechsstellige Umsatzzahl nach dem ersten Geschäftsjahr ist dafür der beste Beweis.
Andererseits wäre da die Geschichte des Familienunternehmens "Polsterei Enders" selbst, die sich ursprünglich in einer kleinen Werkstatt am Wohnhaus der Enders in Masserberg befand und mittlerweile ein 25-köpfiges Unternehmen mit Sitz in Gießübel geworden ist, dessen Möbel in Frankreich und Italien, Dubai und New York gefragt sind.
Start Ende der siebziger Jahre
In dem Firmengebäude des Handwerksbetriebes verraten kein großer Namensschriftzug, kein elegantes Chefbüro oder hochmoderne neue Fertigungsräume, dass es sich um ein weltweit lieferndes Unternehmen handelt. Man betritt eine Werkstatt auf zwei Etagen, in der Polstermöbel in Handarbeit entstehen. Den Grundstein für die Handwerksgeschichte der Familie legte schon Florian Enders’ Opa Hans-Rainer Enders Ende der siebziger Jahre, der erst als Raumausstatter tätig war und vor allem Fußböden verlegte.
Sitzmöbel für den Frankfurter Flughafen
Tino Enders übernahm 2021 die Geschäftsführung der Polsterei, die heute zwar noch immer ganz klassisch Sofas, Sessel und Polsterstühle aus privaten Wohnzimmern aufarbeitet, aber eben auch 250 Sitzeinheiten in einer Woche für bekannte Ladenketten wie Burger King oder Starbucks baut. Auch Raststätten statten die Enders mit ihren Polsterbänken aus. Zuletzt verließen die Sitzmöbel für den gesamten Frankfurter Flughafen die Polsterwerkstatt. Diese Aufträge für Ladeneinrichtungen machen inzwischen das Hauptgeschäft aus. Einzig der Gestellbau wird derweil von einem externen Betrieb übernommen, der im nur wenige Kilometer entfernten Sachsenbrunn arbeitet.
Manufakturcharakter
Früher lag auch das in der Hand der Enders, genauer bei Florian Enders, der als gelernter Schweißer für den Metallbau im Betrieb zuständig war, jetzt aber mit "AakustikaA" alle Hände voll zu tun hat und diesen Arbeitsschritt auslagern musste. Der Manufakturcharakter darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass in dem Handwerksbetrieb auch neueste Technik Einzug gehalten hat. Eine automatische CNC-Zuschnittmaschine zeugt ebenso davon wie der überdimensionale Drucker, der Platten von sechs Metern am Stück bedrucken kann und den es nur sieben Mal in ganz Europa gibt, betont Florian Enders.
Für eine ruhige Raumatmosphäre
Ohne diese Hightech-Geräte wäre das Geschäftsmodell von "AakustikaA" nicht aufgegangen. Florian Enders tat vor knapp zwei Jahren das, was man heutzutage angesichts der derzeit wirtschaftlich schwierigen Lage als waghalsig beschreiben könnte. Er gründete ein neues Unternehmen, das sich auf Möbel für Kindergärten, Schulen, Universitäten und Bibliotheken spezialisiert hat. Das Besondere: Die Lesesofas mit Loungecharakter, die stapelbaren Kinderbettchen und Spielhäuser bestehen aus so genanntem Akustikmaterial, das wie fester Schaumstoff aussieht und dank der speziellen Maschinen beliebig bedruckt und zugeschnitten werden kann. Es absorbiert den Schall und ist somit für Kinder- und Bildungseinrichtungen, in denen Lärm gedämpft und eine möglichst ruhige Raumatmosphäre herrschen soll, optimal. Und da Nachahmer bei solchen neuen Ideen nicht weit sind, will sich Florian Enders so schnell wie möglich um den Gebrauchsmusterschutz kümmern.
"Anders als die Anderen"
Selbst im Firmennamen hat Florian Enders seinen Anspruch, in der Polstermöbelfertigung neue Wege zu gehen, verankert. Die beiden A am Anfang und Ende von "AakustikaA" stehen als Abkürzung für "Anders als alle anderen". Dass er mit diesem Slogan bislang Recht behalten hat, zeigen die vielen Auftragsanfragen, die ihm in diesem Jahr noch kein freies Wochenende beschert haben. Schlimm findet Enders das nicht. Er geht in seiner Firmenidee auf. Wichtig sei ihm eine gute Qualität, denn besonders bei Kindermöbeln gelten besonders strenge Kriterien für die verwendeten Materialien. An dieser Stelle setzt Florian Enders auf Nachhaltigkeit: Die Akustikplatten kommen von einem Lieferanten aus Bayern, der diese aus recyceltem PET-Material herstellt.
Kundenkontakte dank Spielwarenmesse
Bei der Frage, wie diese Idee eigentlich geboren sei, muss der junge Firmengründer nicht lange nach der Antwort suchen: "Wenn man aus der Technik und der Konstruktion kommt, war das nicht schwer." Mit einem eigenen Außendienst, um die Möbel möglichst direkt an den Mann zu bringen, fing die Firmengeschichte von "AakustikaA" an. "Das war aber ineffektiv", beurteilt Florian Enders das aus heutiger Sicht. Für ihn aber kein gravierender Rückschlag sondern eher ein Fall von "trial and error", der beim Gründen eines Unternehmens kaum zu vermeiden ist. Vor allem die Spielwarenmesse in Nürnberg brachte die entscheidenden Kontakte zu Kunden, die bei der Polsterei im kleinen Gießübel zwischen Schleusegrund und Masserberg künftig ihre Kindermöbel entwerfen und herstellen lassen wollen.
Beratung mit Kunden
Florian Enders sitzt dann mit Vater Tino und Grafiker Stefan Porsch zusammen und tüftelt an neuen Designs, die in einer späteren Phase im gesamten 25-köpfigen Polstereiteam zur Diskussion gestellt werden. Anschließend folgt der Musterbau. Es gibt auch Kunden, die nach Gießübel kommen und direkt mit dem Firmenchef am Beratungstisch sitzen, spezielle Wünsche umgesetzt sehen möchten oder nach Problemlösungen und Produktneuerungen suchen. Dabei kann das Brainstorming auch schon mal bis in die späte Nacht hinein dauern, beschreibt Florian Enders den Kreativprozess.
Mitarbeiter entscheidend
Die Nachfrage ist schon jetzt groß und der Firmenchef schätzt die Möglichkeiten für Raumgestaltung und Möbeldesigns mit Akustikmaterial als schier unendlich ein. Letztlich ist es jedoch entscheidend, gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben, um die wachsende Nachfrage auch bedienen zu können. Momentan beschäftigt der Betrieb fünf Polsterer, darunter einen Auszubildenden, und sechs Näherinnen. Auch unter ihnen ist eine Auszubildende. Besonders stolz ist der "AakustikaA"-Chef darauf, die 2021 deutschlandweit beste Auszubildende im Beruf der Näherin bei sich im Team zu haben.
