Der Augenoptikermeister und Optometrist Simon Jäkel arbeitet mit Speziallinsen, die kleine Wunder bewirken und ihn zum Ansprechpartner für Ärzte und Unikliniken gemacht haben. Wie er das geschafft hat.
Wenn Simon Jäkel seinen Kunden zum ersten Mal Sklerallinsen einsetzt, wird es oft emotional. "Ich werde umarmt, manche fangen zu Weinen an. Kürzlich sagte eine Kundin, ich hätte sie ins Leben zurückgebracht. Das nimmt mich schon mit", gibt der Augenoptikermeister und Optometrist zu. Was er da zurückbekomme, rechtfertige die Zeit, die er für seine schwierigsten Patienten investiere.
Zu Simon Jäkel kommen – neben ganz normalen fehlsichtigen Alltagskunden – auch Menschen, denen eine klassische Brille nicht mehr helfen kann, beispielsweise eine junge Ärztin. Sie hatte gerade ihr Studium und den Facharzt abgeschlossen, als eine Augenentzündung auf beiden Augen zu massiven Vernarbungen der Hornhaut führte. "Sie hat nur noch eine Sehfähigkeit von 20 Prozent. Damit kann sie nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, nicht Autofahren, einfach kein normales Leben mehr führen", beschreibt Jäkel. Mit Sklerallinsen aber kommt sie auf eine Sehfähigkeit von 70 Prozent, genügend, um normal leben und arbeiten zu können.
Sklerallinse aus Mosaikteilchen
Anders als normale Kontaktlinsen sind Sklerallinsen relativ groß – 16 bis 20 Millimeter Durchmesser, dabei aber hart. Sie werden mit einer Kochsalzlösung gefüllt, die auf dem Auge wie ein Polster zwischen der Hornhaut und der Linse wirkt. So können auch Narben und extreme Unebenheiten ausgeglichen werden, die Linse schwimmt auf dem Auge.
Statt aus einer gleichmäßigen Rundung bestehen diese Linsen aus 36 winzigen Mosaikteilchen. Mithilfe eines Augen-Computertomographen nimmt Jäkel einen digitalen Fingerabdruck des Auges, die Linse bildet dann diese Form exakt ab. Zwischen 600 und 1.200 Euro kostet eine solche Maßanfertigung. Nicht alle Krankenkassen übernähmen diese Kosten ohne Widerstand, bedauert Jäkel. "Das ist oft ein sehr mühsamer Prozess, weil es noch Neuland ist."
Vorträge an Augenkliniken über Speziallinsen
Neuland ist diese Art der optischen Versorgung auch für viele Ärzte und Kliniken, beobachtet Jäkel. Immer wieder sucht der 44-Jährige den Kontakt zu Augenkliniken und hält Vorträge über seine Arbeit. "Denn was die Ärzte da vollbringen, grenzt an Hexerei und sie kennen sich unglaublich gut aus, wie sie das Auge medizinisch behandeln", bewundert Jäkel die Leistungen. Doch mit einer Hornhauttransplantation allein – immerhin 9.000 solcher Eingriffe pro Jahr gibt es in Deutschland – können viele Patienten noch nicht wieder richtig sehen. Dass der Optometrist aus Kelheim dann helfen kann, spricht sich immer mehr herum. Ärzte aus ganz Deutschland rufen ihn mittlerweile an und fragen, ob sich für ihre Patienten der Weg nach Kelheim lohne.
Kontaktlinsen für Babys
Selbst Neugeborene versorgen Jäkel und sein Team dann. "Ganz selten kommen Kinder mit grauem Star zur Welt", erklärt Jäkel. Die Augen würden operiert, dennoch bräuchten die Babys Linsen mit einer Stärke von plus 30, um eine gute Sehqualität entwickeln zu können. "Natürlich ist ein Baby nicht begeistert davon, wenn man ihm eine Linse einsetzt", berichtet Jäkel von lautstarkem Protest. Doch ohne würden die Kinder eine viel schlechtere Sehfähigkeit entwickeln, argumentiert der Familienvater.
Anspruchsvoll ist auch die Versorgung von Patienten nach schweren Augenverletzungen. "Einer meiner Kunden ist Kfz-Mechaniker. Beim Reifenwechsel ist ihm ein Metallteil ins Auge geschossen, die Pupille wurde zerstört", berichtet Jäkel. Trotz Operation konnte das Auge nicht mehr auf Lichteinfall reagieren. Für diesen Kunden ließ Jäkel eine Irisprintlinse anfertigen: Auf die Linse ist eine Iris gemalt, die gleichzeitig das Auge vor Blendung schützt, optisch unauffällig ist und dem Handwerker ermöglicht, wieder normal zu arbeiten.
Lebenslanges Lernen in Augenoptik und Optometrie
Sein Wissen über die optische Versorgung von Patienten mit schwersten Beeinträchtigungen hat sich Jäkel über viele Jahre erarbeitet. Wie schon sein Großvater und sein Vater erlernte Simon Jäkel das Augenoptikerhandwerk und machte dann den Meister. Anschließend studierte er in Aalen und den USA Optometrie.
Bis heute hat das Lernen für ihn kein Ende. Er forscht mit einem Hersteller von Sklerallinsen über weitere Möglichkeiten der Technik. Und er investiert laufend in modernste Geräte. Als erster Augenoptiker in Deutschland habe er einen Spektralen Augen-Computertomograph gekauft. "Ein Jahr lang habe ich deswegen mit dem Hersteller verhandeln müssen", zeigte sich Jäkel zäh. Denn bis dahin seien solche Geräte Kliniken und Augenärzten vorbehalten gewesen.
Glücklich im Beruf des Augenoptikers
Die Arbeit als Optometrist betrachtet Jäkel als Zwischending zwischen Augenoptiker und Augenarzt. Bis heute sei das sein absoluter Wunschberuf. "Es ist alles dabei: Handwerk, Büro, Medizintechnik, Augenvermessung, Mode. Und am liebsten bin ich am Patienten", schwärmt Jäkel. "Ob ich nun für ein Baby oder einen 90-Jährigen die passenden Linsen suche, das macht mir einfach am meisten Freude."

