Einbruch, Diebstahl, säumige Kunden, Betriebsausfall oder Krankheit: Wer sich als Handwerker richtig schützen will, muss das Thema Versicherungen ernst nehmen. Welche Versicherung dabei für wen die Richtige ist, entscheidet sich im Einzelfall.
Sabine Hildebrandt-Woeckel

Marcus S. traute seinen Augen nicht: Nach getaner Arbeit hatte sich der Heizungsbauer beim Kunden noch kurz verschwatzt. 20 Minuten vielleicht – doch als er dann zurück ans Auto kam, waren alle Werkzeuge und teuren Messgeräte weg. Geklaut aus dem verschlossenen Wagen.
Zuerst, erzählt er heute noch mit Ärger in der Stimme, habe er sich noch gar nicht so viel dabei gedacht. Schließlich hatte er eine Betriebsinhaltversicherung und eine Kfz-Versicherung. Doch dann wurde es bitter. Beide Versicherer winkten ab. Um weiterarbeiten zu können, musste er sich praktisch fast sein gesamtes Arbeitsmaterial noch einmal anschaffen. An dem Kredit knabberte er Jahre. "Ich hätte eine Autoinhaltsversicherung gebraucht", weiß S. heute. "Aber darüber hatte ich mir nie Gedanken gemacht."
Handwerker haben selten Zeit für Versicherungsthemen "Ärgerlich", findet auch Kurt Krüger, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Aachen, "aber keineswegs selten." In seiner Beratungspraxis erlebt Krüger immer wieder, dass Unternehmensinhaber keinen optimalen Versicherungsschutz haben.
Versicherung muss für konkrete Situation passen
Der Grund: Gerade Handwerker haben oft wenig Zeit, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Entweder sie schieben es ewig vor sich her oder sie entscheiden sich schnell und schmerzlos für Standardprodukte. Genau dies, so der Experte weiter, sei aber falsch, denn "Sicherheit gibt es nicht von der Stange. Deswegen muss ein Konzept immer ganz individuell zugeschnitten sein."
Für Heizungsbauer S. wäre die Autoinhaltsversicherung wichtig gewesen, weil er regelmäßig teures Werkzeug im Wagen transportiert. Für viele andere Handwerker dagegen ist sie vollkommen überflüssig. Auf die individuelle Situation kommt es an. Doch was gibt es überhaupt für Versicherungen, mit denen ich mich gegen Arbeitsausfälle absichern kann? Und welche brauche ich?
Grundsätzlich, erläutert Jörg Deppner, Versicherungsbetriebswirt und freier Versicherungsberater in München, gibt es zwei Schienen, die berücksichtigt werden müssen: die individuelle und die betriebliche. Betriebsinhaber müssen für den Fall vorsorgen, dass ihre eigene Arbeitskraft ausfällt, sei es durch Krankheit oder Unfall, und ebenso dafür, dass äußere Umstände einen Arbeitsausfall erzwingen, seien es ein Brand, ein Diebstahl oder auch ein säumiger Auftraggeber. Dabei bestätigt auch Deppner, dass Versicherungsschutz nur dann gut ist, wenn er genau an die konkrete Situation angepasst ist.
Manchmal sind Versicherungsbeiträge nur schwer zu finanzieren
Allenfalls einige wenige Versicherungen, darin sind sich alle Experten einig, gibt es, die grundsätzlich anzuraten sind. Dazu gehören im Privatbereich die Kranken- und Krankentagegeldversicherung und wenn möglich die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit. Wobei schon Letztere, erläutert Stefanie Kurz, zwar anzuraten ist, aber mitunter im Einzelfall gar nicht zu finanzieren wäre, etwa in Branchen mit hohem Risiko oder wenn der Versicherungsnehmer schon älter ist. Kurz arbeitet in der Arbeits- und Sozialrechtsberatung der Handwerkskammer für Mittelfranken.
Ist es nicht möglich, eine BU abzuschließen, erklärt Kurz, gelte es auch hier, genau auf die spezifische Situation des Betroffenen zu schauen. Ist er noch in der Handwerkerpflichtversicherung der gesetzlichen Rentenversicherung, hat er zumindest einen Schutz bei Erwerbsunfähigkeit. Ansonsten kann Erwerbsfähigkeit auch privat abgesichert und/oder eine Unfallversicherung abgeschlossen werden. Beides sind zwar keine hundertprozentigen Alternativen, "aber im Zweifel besser als nichts". Immer gilt. "Genau hinsehen, genau abwägen."
Regelmäßig Versicherung prüfen und Geld sparen
Im betrieblichen Bereich, ergänzt Klaus Pfattheicher, ebenfalls von der Handwerkskammer Mittelfranken, ist die Betriebshaftpflicht unabdingbar. Gerade die Haftpflicht werde zwar oft gar nicht mit der Ausfallabsicherung in Verbindung gebracht, weiß der Experte, tatsächlich aber könne gerade hier ein fehlender Schutz dazu führen, dass der gesamte Betrieb und damit die eigene Existenz gefährdet sind.
Gerade im Handwerk, beim Schweißen oder beim Arbeiten mit Gas und Wasser beispielsweise, können schnell Schäden entstehen, die in die Millionen gehen. "Welche weiteren Versicherungen dann noch benötigt werden", stimmt auch Pfattheicher seinem Aachener Kammerkollegen Krüger zu, "hängt stark davon ab, in welcher Situation sich jemand befindet." Ist der Betrieb groß oder klein? Arbeitet der Inhaber selbst an einer Schlüsselposition? Sind die Maschinen teuer? Ist ein eigenes Gebäude vorhanden?
Im letzten Fall beispielsweise ist die Gebäudeversicherung ein Muss. Geht es dagegen um ein Handwerk mit teuren Maschinen, wie beispielsweise bei Tischlern oder Bäckern, ist eine Betriebsinhaltversicherung unabdingbar. Ist der Betrieb dann auch noch personalintensiv wie es ebenfalls im Bäckerhandwerk der Fall sein kann, so Krüger, kann zudem eine Betriebsunterbrechungsversicherung sinnvoll sein. Sie springt ein, wenn der Betrieb stillsteht, beispielsweise nach einem Hochwasserschaden oder weil eine wichtige Maschine kaputt ist, aber Löhne, Pacht und Zinsen weiterlaufen.
Im Bau wiederum gehört eine Forderungsausfallversicherung zu den empfohlenen Policen. Denn zahlt ein großer Kunde nicht, kann das schnell die Existenz bedrohen. Bei Friseuren oder Kfz-Mechanikern ist dies eher selten der Fall.
Nur der Betroffene weiß, was abgesichert werden muss
Gerade weil es jedoch keine allgemein verbindlichen Regeln gibt, so auch Timo Voss vom Bund der Versicherten, ist es umso wichtiger, dass sich die Betroffenen selbst mit der Versicherungssituation auseinandersetzen. Nur sie wissen, was wirklich abgesichert werden muss – und vor allem auch wer. Gibt es beispielsweise eine Familie, so sein Rat, gehören aus seiner Sicht immer auch zwei Risikolebensversicherungen ins Portfolio. Eine direkt für die Familie, eine zweite als Restschuldversicherung für das Unternehmen.
Und noch einen Rat gibt Voss Betriebsinhabern mit auf den Weg: Einmal die Versicherungssituation zu überprüfen und auf den richtigen Stand zu bringen ist schön und gut. Ausreichend aber ist dies noch lange nicht. Alle zwei bis drei Jahre, so auch Berater Deppner, sollte eine Überprüfung stattfinden. Gibt es neue Maschinen, mehr Mitarbeiter, andere Risiken? "Das dauert nicht lange", weiß Deppner, "aber es kann viel Geld sparen".