Materialknappheit SHK-Handwerk: Lieferengpässe schaden Ansehen der Branche

Materialien zur Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung sind knapp. Dies berichten immer mehr SHK-Betriebe. Umsätze brechen weg und es komme zu immer mehr Kundenbeschwerden. Vor allem in den Flutgebieten arbeiten die Handwerker am Limit, weil Inbetriebnahmen viel länger dauern als notwendig.

Heizungsbauer
Im SHK-Handwerk fehlen Materialen, weshalb Aufträge nur verzögert ausgeführt werden können. Das führt zu Unmut bei vielen Kunden. - © SkyLine - stock.adobe.com

Lieferengpässe und Materialknappheit bereiten dem SHK-Handwerk derzeit große Schwierigkeiten. Dies meldet aktuell der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK). Der Umsätz bräche weg und auf Kundenseite komme es zunehmend zu Beschwerden, weil die gewünschten Produkte und Fabrikate nicht zur Verfügung stehen.

Lieferketten reißen und Termine platzen

Lieferketten seien überdehnt und würden auch schon einmal reißen. So zeige der jüngster Branchen-Konjunkturbericht aus dem Herbst 2021 umsatzbeeinträchtigende Auswirkungen im SHK Handwerk: 92,3 Prozent der Betriebe berichten über Lieferprobleme von Seiten des Großhandels oder der Hersteller. Im März 2020, zu Beginn der Coronakrise, waren es laut ZVSHK nur 31,4 Prozent.

Außerdem hätten die Betriebe in zunehmendem Maße sogar mit geplatzten Lieferterminzusagen zu kämpfen und müssten für Einzelprodukte mitunter sogar auf Baumärkte ausweichen. "Wenn das so weitergeht, wird diese Problematik nicht nur durchschlagen auf die politisch forcierten Klimaschutzpläne, sondern auf Produktivität und Ansehen der Branche insgesamt", warnt Michael Hilpert, Präsident des ZVSHK. Er fordert daher alle Markt- und Branchenpartner, aber auch die Politik, auf, "die Liefer- und Materialproblematik in gemeinschaftlicher Verantwortung anzugehen."

Vor allem die Situation in den Flutgebieten sei brenzlig. Obwohl die Betriebe mit Hochdruck daran arbeiten, die Menschen in ihren Häusern wieder mit Strom, Wasser, Wärme zu versorgen, müssten sie sich von Politikern teils anhören, sie würden zu wenig tun.

"Das führt zu Frust und Unmut! Denn kein Vorwurf ist ungerechtfertigter und ungerechter", sagt Hilpert, "Die Betriebe vor Ort arbeiten am Anschlag." Dabei sei das Problem, dass dringend benötigtes Material fehle. Installationen und Inbetriebnahmen dauern viel länger als eigentlich notwendig.

Marktpartner und Politik gefragt

Die Mitglieder des Verbands fordern die Branchen- und Marktpartner auf, sich solidarisch zu zeigen. Das verfügbare Material solle zielgerichtet und bevorzugt an das SHK-Handwerk geliefert werden – gerade auch in den Flutgebieten. So könnten die Partner dabei helfen, die Branche in diesen Krisenzeiten gegenüber Öffentlichkeit und Politik als einen einvernehmlich und verantwortungsbewusst agierenden Wirtschaftsfaktor zu positionieren.

Auch die Politiker müssten handeln. "Die Flutkatastrophe hat deutlich gezeigt, wie bestehende Überregulierung und Bürokratie in Deutschland schnelle Hilfe ausbremst", sagt Hilpert. Beispiele seien Antragsumfang und lange Prüfzeiten bis zur Gewährung zugesagter staatlicher Fördermittel. Aber auch bürokratische Hürden verhinderten, dass von Vereinen eingesammelte Spendenmittel schnell Betroffenen zugeleitet werden können. Dies habe der ZVSHK bei der von ihm über sein Berufsförderungswerk initiierten Spendenaktion selbst erfahren müssen.

Hinzu komme, dass die Öffentliche Hand kaum auf Lieferengpässe, Materialverknappung und die dadurch bedingten zeitlichen und finanziellen Unwägbarkeiten bei der Auftragsabwicklung reagiere. Weil angemessene Preisgleitklauseln fehlten, würden viele SHK-Unternehmen davor zurückschrecken, sich an Ausschreibungen für öffentliche Bauvorhaben zu beteiligen. "Es ist dringend erforderlich, hier umzusteuern, Risiken nicht einfach weiterzureichen und stattdessen solidarischer zu handeln", sagt Hilpert. jes