Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober 2023 Selbstständige blicken mit Sorgen aufs Weihnachtsgeschäft

2023 war bisher für viele Soloselbstständige und Kleinstunternehmen kein gutes Jahr. Hoffnung liegt auf dem Weihnachtsgeschäft. Katrin Demmelhuber vom ifo Institut über die aktuelle Lage und Prognosen für die Zukunft.

Weihnachtsgeschäft
Wie wird das Weihnachtsgeschäft für kleine Betriebe? Sie schauen mit Hoffen und Bangen darauf. - © Meow Creations - stock.adobe.com

Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex wurde geschaffen, um das Geschäftsklima der Unternehmen zu erfassen, die meist aufgrund ihrer geringen Größe und Mitarbeiterzahl durch jedes Statistikraster rutschen. Rund 1.500 Soloselbstständige und Kleinstunternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern befragen die Wirtschaftsforscher des ifo Instituts seit Dezember 2021 im Auftrag des Internetdienstleisters Jimdo. Sie erfragen jeden Monat gesondert die aktuelle Geschäftslage, stellen Fragen zu den künftigen Geschäftserwartungen und auch danach, was sie zum jeweiligen Zeitpunkt besonders belastet und das Geschäftsklima beeinflusst.

Beinahe das gesamte Jahr 2023 war geprägt von einer sehr pessimistischen Stimmung und absteigenden Erwartungen an die Auftragslage. Im September zeigte der Index dann immerhin einen kleinen Lichtblick. Nun geht es schon wieder abwärts. Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober 2023 bringt wieder deutlich schlechtere Werte – zur aktuellen Lage genauso wie zu den Erwartungen. Der Index liegt bei -16,2 Punkten und damit fast zwei Punkte tiefer als im vergangenen Monat. In der Gesamtwirtschaft hellte sich der Index hingegen leicht auf.

Ungewisse Aussichten auf das Weihnachtsgeschäft: Öffnen die Verbraucher das Portemonnaie?

Die Aussichten auf das Weihnachtsgeschäft sind ebenfalls vage in den Branchen, die sonst eigentlich jedes Jahr davon profitieren. Ein Problem ist die Kaufzurückhaltung der Verbraucher, die sich schon das gesamte Jahr zeigt. Die kleinen Firmen sind außerdem abhängig von der Entwicklung der Gesamtwirtschaft. Zwar ist die Stimmung dort etwas besser als bei den kleinen Firmen, aber auch die Gesamtwirtschaft zeigt Werte im Minusbereich. Aufträge für Selbstständige und Kleinstunternehmen kommen im vielfach auch von den großen Firmen – und deren Zurückhaltung hat Folgen. Bezogen auf verschiedene Branchen ist es das Baugewerbe, das derzeit am weitesten entfernt von einem Aufschwung ist. Im verarbeitenden Gewerbe ist die Stimmung noch am besten – im Vergleich zum Einzelhandel und auch dem Dienstleistungssektor (siehe Grafik).

Über diese Folgen, Prognosen für die Zukunft und das anstehende Weihnachtsgeschäft hat die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) mit Katrin Demmelhuber vom ifo Institut gesprochen. Sie wirkt jeden Monat an der Erstellung des Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindexes mit.

Statt auf das Weihnachtsgeschäft auf den Aufschwung der Gesamtwirtschaft hoffen

Aktuell fehlen den Selbstständigen und kleinen Betrieben vielfach die Aufträge der größeren Firmen. Zudem spürt die gesamte Wirtschaft eine Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Wird das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr eher mau für die Kleinen ausfallen?

Katrin Demmelhuber: Die im September sichtbare Verbesserung des Geschäftsklimas konnte sich im Oktober nicht bestätigen. Die Verschlechterung lag in erster Linie daran, dass die Selbständigen ihre Bewertungen der aktuellen Lage nach unten korrigierten. Dabei spielte die angespannte Auftragslage eine Rolle. Jeder sechste befragte Selbstständige sieht sich aktuell in seiner wirtschaftlichen Existenz bedroht. Damit liegt der Anteil mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtwirtschaft.

Katrin Demmelhuber vom ifo Institut
Katrin Demmelhuber arbeitet im ifo Zentrum für Makroökonomik und Befragungen im ifo Institut in München. - © Romy Vinogradova/ifo Institut

Selbstständige mit klassischem Weihnachtsgeschäft, wie z.B. im Einzelhandel oder der Gastronomie, treibt vor allem die Hoffnung, dass die Verbraucher wieder verstärkt ihr Portemonnaie öffnen. Das ist nämlich noch die Unbekannte in den aktuellen Prognosen. Das Potenzial dazu wäre da. Selbstständige ohne klassisches Weihnachtsgeschäft blicken eher ins nächste Jahr und hoffen, dass die Wirtschaft wieder allgemein an Fahrt aufnimmt und sich ihre Auftragsbücher füllen.

Woher kommt der große Pessimismus nach der verbesserten Stimmung im September?

Die Geschäftserwartungen der Selbstständigen sind seit dem Frühjahr auf dem absteigenden Ast, es ist vermehrt Pessimismus bei den Einschätzungen zu beobachten. Gründe dafür sind unter anderem die hohe Inflation und die gesunkene Kaufkraft der privaten Haushalte. Dies wirkte sich direkt auf Selbstständige im Handel aus. Unter der Anhebung der Leitzinsen litten zum Beispiel die Konsum- und die Baukonjunktur. Aber auch der Industriekonjunktur ging weltweit die Luft aus. In Folge haben viele Unternehmen weniger Aufträge an Selbstständige vergeben.

"Wenn die gestiegenen Baupreise auf Mietpreise umgelegt werden, wird das Folgen auch für die Gesamtwirtschaft haben"

Aufgeteilt nach Wirtschaftszweigen zeigt sich besonders im Baugewerbe hinsichtlich der Auftragslage nichts Gutes. Hat das auch Einfluss auf weitere Sektoren?

Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex: Die Ergebnisse nach Branchen im Oktober 2023
Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex: Die Ergebnisse nach Branchen im Oktober 2023. - © Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober 2023

Die Krise im Wohnungsbau hat starke Auswirkungen auf vor- und nachgelagerte Branchen. Direkt betroffen von den fehlenden Aufträgen sind z.B. Baufirmen, Immobilienentwickler, Baustoffhersteller und -händler, Handwerker oder die Planungsbranche. Wenn die gestiegenen Baupreise im Wohnungsbau oder Wirtschaftsbau auf Mietpreise umgelegt werden, wird das Folgen für alle Mieter und eventuell auch für die Gesamtwirtschaft haben.

Wie können die Kleinstbetriebe und Selbstständigen denn aus dieser Lage wieder herauskommen?

Im Vergleich zu größeren Unternehmen sind Selbständige und Kleinstunternehmen agiler und flexibler und können sich bei einem Wirtschaftsabschwung schneller umstellen. So können sie zum Beispiel Ressourcen zügig umschichten, ihre Pläne anpassen und so Chancen nutzen, die sich in Zeiten des Wandels ergeben können.

Auch kann ein großer Teil der Unternehmen in Deutschland nicht auf Selbstständige als externe Experten verzichten, denn sie sind schnell verfügbar, können gezielt einen häufig zeitlich begrenzten Bedarf decken und bringen oft spezifisches Know-how mit, das den eigenen Beschäftigten fehlt.

"Selbstständige brauchen Planungssicherheit"

Und was wäre auf politischer Seite notwendig für eine Besserung?

Bezogen auf die Baubranche, gehen einige Ergebnisse des Wohnungsbaugipfels in die richtige Richtung, wie z.B. die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren, um Planungsaufwand zu reduzieren. Darüber hinaus wäre es sinnvoll, die Grunderwerbssteuer zu senken und mehr Bauland auszuweisen. Außerdem sollte der Wohnungsmarkt insgesamt beweglicher werden, um zum Beispiel aus dem Bestand mehr Wohnraum verfügbar zu machen.

Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober 2023
Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober 2023. - © Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober 2023

Was Selbstständige ebenfalls direkt betrifft, ist das Wachstumschancengesetz. Dessen Motivation besteht darin, mit dem Steuerrecht die Liquiditätssituation von Unternehmen und Selbständigen zu verbessern und Impulse für mehr Investitionen zu setzen sowie Bürokratielasten abzubauen. Chancen für Selbstständige ergeben sich zum Beispiel durch die Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten und steuerliche Vereinfachungen. Ob Selbständige tatsächlich davon profitieren können, hängt davon ab, wie unkompliziert das Gesetz in der Praxis umgesetzt wird.

Generell brauchen Selbstständige Planungssicherheit. Dabei würde zum Beispiel die Beseitigung der rechtlichen Unsicherheit durch die Gefahr einer Einstufung der Scheinselbstständigkeit helfen.