Fleischer: Wachsende Konkurrenz durch SB-Ware und das Nachfolgeproblem bereiten der Branche Kopfzerbrechen
Von Frank Muck

Schwund vor und hinter der Theke
Das Fleischer-Handwerk hat ein Nachfolgeproblem, doch die Zahl der Filialen steigt dagegen weiterhin an. Mit diesen Rahmendaten der Branche setzte sich der Fleischer-Verbandstag Mitte Oktober in Hannover auseinander.
Nach Auskunft des Deutschen Fleischer-Verbandes (DFV) ist die Anzahl der Filialen im Jahr 2007 gewachsen. Ende des vergangenen Jahres gab es 10.796 fleischerhandwerkliche Filialen und somit 63 mehr als Ende 2006. Im ersten Halbjahr dieses Jahres hat sich die Entwicklung forgesetzt. Bis Juni sind weitere 146 Filialen hinzugekommen, so dass die Gesamtzahl jetzt 10.942 beträgt. Die Zunahme, so der Verband, kompensiere wenigstens teilweise den Rückgang an Betrieben insgesamt. 205 ehemalige Filialen seien immerhin als eigenständige Unternehmen neu gegründet worden.
Der Saldo aus Gründungen und Stilllegungen ist allerdings negativ. 1.474 Betriebsstilllegungen standen im vergangenen Jahr 1.097 Gründungen gegenüber, darunter 580 echte Neugründungen und 517 Unternehmerwechsel bei bestehenden Betrieben. Damit sei dieZahl der selbstständigen Betriebe per saldo um 377 zurückgegangen. Hauptgrund des Unternehmensschwundes ist laut DFV das Nachfolgeproblem. Meist seien es kleinere, umsatzschwache Betriebe ohne Nachfolger aus Familie oder Belegschaft. Hinzu komme, dass eine Stilllegung oft langfristig geplant werde, so dass die Inhaber nötige Investitionen vermeiden. Eine mögliche Übernahme scheitere dann an der Überalterung der Ausrüstung und einem zu hohen Modernisierungsaufwand.
Weiterhin stärkster Anbieter
Im Gegensatz dazu stellte der DFV bei den am Markt bestehenden Unternehmen einen Trend zu größeren und leistungsfähigeren Einheiten fest. Wachstum ergebe sich bei diesen Geschäften aus der Filialisierung einerseits und einer Spezialisierung etwa auf das Liefergeschäft, Partyservice oder Imbiss. Ein zunehmend beliebtes Geschäftsmodell ist außerdem Franchising.
Mit 27.557 Verkausstellen – 16.761 eigenständige Meisterbetriebe und 10.796 Verkaufsstellen – ist das Fleischerhandwerk laut Verband dennoch weiterhin die zahlenmäßig stärkste Anbietergruppe von Fleisch und selbstproduzierten Fleischerzeugnissen.
Trotz eines leicht gestiegenen Umsatzes von knapp einem Prozent im ersten Halbjahr 2008 leiden diese Unternehmen unter zwei Marktfaktoren, auf die sie nur schwer Einfluss nehmen können. Das sind zum einen der rückläufige Konsum einerseits sowie die steigenden Material- und Energiekosten andererseits. Die Nachfrage nach Fleisch ist im ersten Halbjahr dieses Jahres um 2,9 Prozent gesunken, die Nachfrage nach Schweinefleisch sogar um 3,8 Prozent. Das Betriebsergebnis eines Fleischer-Fachgeschäftes mit durchschnittlich 500.000 bis 750.000 Euro Jahresumsatz sei demnach um 0,8 Prozentpunkte gesunken. Der Materialeinsatz ist im Gegensatz dazu von 43,8 auf 44,8 Prozent angestiegen. Leider bestehe im Moment keine Aussicht auf Besserung, da der Konsum nach zwei verhältnismäßig guten Jahren wieder abnehme.
Die Konkurrenzsituation auf dem Markt für Fleisch und Fleischerzeugnisse habe sich insgesamt wieder verschärft. Die Fleischskandale der letzten Jahre seien vergessen, so dass viele Kunden wieder auf vorverpackte Ware im SB-Markt oder beim Discounter zurückgreifen, so der DFV. Höhere Nahrungsmittelpreise insgesamt und steigende Energiekosten für die Verbraucher verschärfen die Nachfragesituation zusätzlich.