Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger Schwarzbuch Börse prangert Unternehmen an

Trotz des überwiegend positiven Börsenjahrs 2007 hat es nach Auffassung von Aktionärsschützern auch im vergangenen Jahr zahlreiche Missstände gegeben. In ihrem 104 Seiten dicken Schwarzbuch Börse listet die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) wieder zahlreiche Unternehmen auf, die Kapital und das Vertrauen der Anleger vernichtet haben.

Schwarzbuch Börse prangert Unternehmen an

SdK-Chef Klaus Schneider kritisierte bei der Vorstellung des Schwarzbuchs unter anderem die von der US-Hypothekenkrise stark betroffenen Banken Hypo Real Estate und WestLB. Hier bemängelte Schneider insbesondere, dass die Landesbank sich 2007 gleich doppelt verspekuliert habe. Neben Verlusten von rund zwei Milliarden Euro am US-Hypothekenmarkt habe sich das Institut auch enorm im Eigenhandel mit Vorzugsaktien verzockt, betonte er. Viele Händler der WestLB seien "massiv über ihre Limits" gegangen. Aus "purer Geldgier" seien alle bestehenden Schranken ausgehebelt worden.

Industrie-Perle erstickt im Korruptionssumpf

Als "sehr trauriges Ereignis" bezeichnete der Aktionärsschützer, dass Siemens auch 2007 nicht aus den negativen Schlagzeilen gekommen sei. Es sei unglaublich, dass "eine Perle der deutschen Industrie" so tief im Korruptionssumpf stecke, sagte Schneider mit Blick auf Schwarzgeld in Höhe von 1,3 Milliarden Euro, das insgesamt in dubiose Kanäle floss. In diesem Zusammenhang nannte er die Einführung eines Unternehmensstrafgesetzes auch in Deutschland sinnvoll. Im Gegensatz etwa zu den USA seien hierzulande nur die Manager haftbar, nicht aber das Unternehmen selbst.

Die "IPO-Zitrone" für den schlechtesten Konsortialführer 2007 hat sich die Deutsche Bank nach Ansicht der SdK durch die wenig überzeugenden Börsengänge von alstra office, Versatel, Wacker Construction Equipment und Tognum verdient. Am Ende des vergangenen Jahres habe der durchschnittliche Kursverlust bei den vier Börsenneulingen rund 25 Prozent betragen. Von den insgesamt etwa 3,5 Milliarden Euro Emissionsvolumen seien damit rund 900 Millionen Euro vernichtet worden. Die "IPO-Zitrone" wird von der SdK gemeinsam mit dem "Going Public"-Magazine seit 1999 vergeben.

Das Gegenstück, die "IPO-Melone", ging für die erfolgreichen Börsengänge des Rußpartikelfilterherstellers TwinTec und des Bohrausrüstungsspezialisten Daldrup & Söhne an den Frankfurter Small-Cap-Spezialisten equinet.

Besonderes Augenmerk legte die Schutzgemeinschaft erneut auf den Zertifikatehandel. Mit inzwischen rund 300.000 angebotenen Derivaten, also Optionsscheinen und Anlagezertifikaten, werde der Markt immer intransparenter, sagte SdK-Vize Markus Straub. Er kritisierte, dass die Emissionsbanken auf dem heimischen Zertifikatemarkt nahezu unbehelligt von staatlicher Aufsicht agieren könnten.

Der sich derzeit in Gründung befindliche Deutsche Derivate Verband (DDV) wies die Kritik des SdK zurück. Das Schwarzbuch verunsichere "die Anleger in unzulässiger Weise und trägt zum Anlegerschutz nur wenig bei", sagte der designierte geschäftsführende DDV-Vorstand Hartmut Knüppel.

Die SdK wurde 1959 als Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre gegründet, 2004 folgte die Umbenennung in Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Der Verein hat eigenen Angaben zufolge rund 12.000 Mitglieder.

Joachim Vonderthann/ddp