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Baufirmen prellten Staat und Branche um mehrere Millionen Euro Schwarzarbeit-Ring aufgeflogen: So tricksten die Betrüger

Spezialeinheiten von Zoll und Polizei haben ein Netzwerk mit hunderten Betrieben aus dem Baugewerbe hochgenommen. Verdacht: Organisierte Schwarzarbeit. Der Zentralverband des deutschen Baugewerbes spricht von "mafiösen Strukturen". Mit welchen Tricks die Betrüger arbeiteten.

Bereits seit 2016 waren die Ermittler von Zoll und Polizei den Betrügern auf der Spur, am Morgen des 30. Januar 2018 griffen sie schließlich zu. Mehr als 1.100 Beamte und Spezialeinheiten waren an der Großrazzia beteiligt,  insgesamt acht Verdächtige konnten nach Angaben der Ermittler festgenommen werden. Den sechs Männern und zwei Frauen im Alter von 31 bis 72 Jahren wird organisierte Schwarzarbeit am Bau vorgeworfen. Doch das dürfte erst der Anfang sein. Insgesamt sollen 450 Betriebe aus dem Baugewerbe an den kriminellen Machenschaften beteiligt gewesen sein.

Schwarzarbeit kostet Baubranche jährlich Milliarden

Schwarzarbeit ist ein bekanntes Problem auf dem Bau. Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Friedrich Schneider von der Universität Linz beziffert den Anteil der Schattenwirtschaft am Bau auf 27 Prozent. Der jährliche Gesamtschaden für Staat und Baugewerbe geht in Milliardenhöhe. Das nun ausgehebelte Schwarzarbeit-Netzwerk soll daran einen Anteil von rund 48 Millionen Euro haben.

"Die mittelständische Bauwirtschaft leidet unter illegaler Beschäftigung und ihren mafiösen Strukturen", äußerte sich Hans-Hartwig Loewenstein, Präsident des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), zu dem Einsatz. Festnahmen wie bei der nun durchgeführten Razzia sind seiner Meinung nach jedoch nicht ausreichend, um die Schattenwirtschaft zu bekämpfen. "Solange es immer noch einen gibt, der - aus welchen Gründen auch immer - auf illegale Beschäftigung setzt, solange werden wir über Schwarzarbeit und illegale Beschäftigung zu sprechen haben.", meint der ZDB-Präsident.

Die seriös arbeitende Bauwirtschaft könne das Problem seiner Meinung nach aber nicht lösen. "Das Gewaltmonopol liegt beim Staat", sagt er. Die Bundesregierung müsse daher den Zoll personell und finanziell aufrüsten, um Großbaustellen und verdächtige Firmen häufiger kontrollieren zu können.

Auch an der Vergabepraxis bei öffentlichen Aufträgen übt Loewenstein Kritik: "Es kann gerade bei öffentlichen Aufträgen nicht sein, dass das billigste Angebot zum Zuge kommt." Auf diese Weise würde die Schwarzarbeit nur weiter gefördert. "Die mittelständischen Bauunternehmen, die hier im Lande Menschen beschäftigen, Tariflöhne bezahlen sowie Steuern und Sozialabgaben entrichten, haben dann das Nachsehen", sagte der ZDB-Präsident.

Schwarzarbeit am Bau: So funktionierte das System der Betrüger

Die acht festgenommen Personen agierten über sogenannte Scheinfirmen, welche über 28 Strohmänner gesteuert wurden. Bisher konnten laut Ermittlern 14 solcher Servicefirmen aufgedeckt werden. Wie das System funktionierte:

  • Die Scheinfirmen schickten den Bauunternehmen Rechnungen für Bauleistungen. Diese wurden jedoch nie erbracht.
  • Die Bauunternehmen bezahlten daraufhin die Rechnung.
  • Anschließend zahlten die Scheinfirmen den eingegangenen Rechnungsbetrag abzüglich einer Provision von bis zu zehn Prozent in bar zurück.
  • Die Bauunternehmen verbuchten die Scheinrechnungen als Betriebsausgaben.
  • Von dem zurückgezahlten Bargeld haben die Baubetriebe anschließend Schwarzarbeiter bezahlt.

Auf diese Weise hätten die Firmen Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe hinterzogen. Die Scheinrechnungen beliefen sich nach Angaben der Ermittler teilweise auf bis zu vier Millionen Euro. Das zeige, dass nicht nur kleine Firmen beteiligt gewesen seien, sagte der Sprecher der Ermittlungskommission Heinz Michael Horst.

Schwarzarbeit am Bau: Diese Strafen drohen den Beschuldigten

Den Beschuldigten drohen vor Gericht Freiheitsstrafen von sechs Monaten bis zu zehn Jahren wegen Steuerhinterziehung im besonders schweren Fall. Zudem müssten sie mit Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe rechnen. fre

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