Forderungskatalog an die Bundesregierung Schwarzarbeit im Friseurhandwerk verbreiteter denn je

Rund jeder vierte Friseursalon wirtschaftet am Finanzamt vorbei. Die Schwarzarbeit hat stark zugenommen – und wird zum Problem der Branche. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks ruft die Politik zum Handeln auf.

In Zeiten knapper Kassen erlebt die Schwarzarbeit im Friseurhandwerk einen starken Anstieg
In Zeiten knapper Kassen erlebt die Schwarzarbeit im Friseurhandwerk einen starken Anstieg. - © Microgen - stock.adobe.com

Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks spricht selbst vom "wohl am stärksten wachsenden Segment im Friseurhandwerk", wenn er von der Schwarzarbeit berichtet und den neuesten Zahlen der Branche. Schwarzarbeit ist im Friseurhandwerk besonders seit der Corona-Pandemie stark angestiegen. Und sie gefährdet die Existenzgrundlage der ehrlich arbeitenden Friseure massiv, mahnt der Zentralverband, dass dringend etwas unternommen werden muss.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk: Dunkelziffer ist hoch

Zwar stammen die neuesten Zahlen aus dem Jahr 2022, dennoch zeigen sie das, was die Branche auch aktuell prägt und belastet. Der Verband nennt sie "erschreckend". Die Zahlen stammen vom Bundesfinanzministerium und zeigen, dass jeder vierte vom Zoll kontrollierte Friseursalon keine regulären Abgaben und Löhne bezahlt. "Von insgesamt 3.919 Kontrollen wurden 979 Strafverfahren eingeleitet, darunter Beitragsvorenthaltung, Leistungsmissbrauch und Schwarzarbeit", teilt der Verband mit. Schätzungen würden zeigen, dass die Dunkelziffer von Friseurkunden, die regelmäßig Schwarzarbeit in Anspruch nehmen, bei rund 40 Prozent liegen.

Dass die Schattenwirtschaft derart präsent ist, liegt unter anderem daran, dass diese die Pandemie und ihre Folgen noch immer spürt. "Das abgewanderte Personal kehrt nicht zurück, die Betriebskosten steigen, die inflationär begrenzten Konsumausgaben der Verbraucher führen zu geringeren Umsätzen und die Schwarzarbeit floriert", beschreibt der Verband die aktuelle Entwicklung. Schwierig ist die Lage vieler Betriebe auch durch den nicht gleichberechtigten Wettbewerb, den sich die Betriebe selbst liefern, weil nur rund 70 Prozent von ihnen als reguläre umsatzsteuerpflichtige Unternehmen agieren. Die weiteren 30 Prozent sind als Kleinunternehmen angemeldet. Sie bieten ihre Dienstleistungen mehrwertsteuerfrei an, da sie selbst keine Mehrwertsteuer ans Finanzamt abführen müssen.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk: Das soll die Politik ändern

Angesichts der aktuellen Lage hat der Branchenverband Forderungen formuliert, die er an die Bundesregierung richtet – und auch am 15. Januar 2024 beim Zukunftskongress der Friseure vorstellt. Sie sollen helfen, die wirtschaftliche Lage der Betriebe zu verbessern und damit auch die Schwarzarbeit zu bekämpfen. Dazu gehört:

  • eine Umsatzsteuer-Reduktion auf 7 Prozent für einen fairen Wettbewerb,
  • die steuerliche Absetzbarkeit der Friseurdienstleistung,
  • eine bessere Förderung von Ausbildung, Quereinstieg und Integration durch fiskalische Unterstützung von Ausbildern sowie Anreizen für Azubis und
  • die Ausweitung der Kontrollen zur Bekämpfung von Schwarzarbeit.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk: Antwort auf niedrige Umsätze?

Aktuell sei in keinem anderen Handwerksberuf das Risiko des Abdriftens in die Schattenwirtschaft so groß wie bei den Friseuren. "Niedrige Umsätze und niedrige Löhne verleiten dazu, Haarschnitte außerhalb des Salons anzubieten oder finanzielle Engpässe durch illegale Praktiken zu überbrücken", heißt es beim Zentralverband der Branche. Die steuerzahlenden Friseurbetriebe leiden allerdings stark unter niedrigen Preisen und steigenden Kosten und können damit kaum wettbewerbsfähig sein. jtw

>>> Mehr zum Forderungskatalog an die Bundesregierung und den Zukunftskongress lesen Sie unter imsalon.de.