Schwarzarbeit im Friseurhandwerk Schwarzarbeit: Ministerium reagiert auf Forderungen der Friseure

Schwarzarbeit ist in Friseursalons besonders stark verbreitet. Der Zentralverband des Friseurhandwerks hat dem Bundeswirtschaftsministerium deshalb Maßnahmen vorgeschlagen, diese zu bekämpfen und die ehrlich arbeitenden Salons zu unterstützen. Nun kam die Antwort des Ministeriums.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk
Um die Schwarzarbeit in Friseursalons zu bekämpfen, fordert der Zentralverband des Friseurhandwerks mehr Kontrollen und steuerliche Vorteile. - © andrey - stock.adobe.com

Kontrollen des Zolls zeigen: In jedem vierten Friseursalon sind Mitarbeiter nicht korrekt angemeldet und zahlen keine Steuern. Schwarzarbeit hat im Friseurhandwerk Hochkonjunktur. Im Januar 2024 ist der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks deshalb mit einem Fragen- und Forderungskatalog an das Bundeswirtschaftsministerium herangetreten.

Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen, um die Schwarzarbeit zu bekämpfen sowie Entlastungen für die ehrlichen Betriebe, um deren Lage zu verbessern und die illegale Beschäftigung unattraktiver zu machen. Jetzt hat der Zentralverband Antworten bekommen. Sie zeigen Fortschritte, aber leider wenig Konkretes.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk bekämpfen: Die Forderungen – und die Antworten darauf

Die Antworten kommen von Michael Kellner, dem Staatssekretär des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, der in einem Schreiben an den Verband Stellung nimmt. Der Verband selbst ist mit den Antworten an die Öffentlichkeit gegangen. Sie sollen zeigen, wie wichtig das Thema ist und auch, dass die Branche sich dagegen einsetzt.

Konkret geht es um vier zentrale Forderungen, die die Friseursalons in Deutschland entlasten sollen. So fordert der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks das BMWK auf, …

  1. …. die Mehrwertsteuer auf sieben Prozent zu reduzieren, um die Preise für die Kunden zu senken und es weniger attraktiv zu machen, zu Friseuren zu gehen, die keine Steuer verlangen. Das Problem ist nicht nur die verbreitete Schwarzarbeit in der Branche, sondern nach Angaben des Verbands auch, dass es sehr viele Betriebe bzw. Soloselbstständige gibt, die die Kleinunternehmerregelung nutzen und damit umsatzsteuerbefreit sind. Wer im Jahr weniger als 22.000 Euro Umsatz macht, kann diese Steuervereinfachung nutzen und braucht vom Kunden keine Mehrwertsteuer zu verlangen.
  2. …. dass auch für Friseurdienstleistungen eine steuerliche Absetzbarkeit gelten soll – der sogenannte Handwerkerbonus. Er besagt, dass Verbraucher die Lohnkosten, die auf einer Rechnung stehen, steuerlich absetzen können – im Jahr sind das derzeit bis zu 1.200 Euro. Auch das senkt quasi die Kosten, die für die Handwerkerleistung aufgebracht werden müssen.
  3. …. dass die Ausbildungs- und Integrationsleistung der Betriebe stärker anerkannt und auch gefördert werden sollte. Immer weniger Unternehmen in der Friseurbranche bilden aus, da die Leistungen auch einen Zeit- und Kostenaufwand für die Betriebe bedeuten.
  4. …. dass eine konsequentere Verfolgung der Schwarzarbeit erfolgen sollte. Konkret gemeint sind damit die Kontrollen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit, die häufiger und in mehr Betrieben stattfinden sollen.

Schwarzarbeit im Friseurhandwerk: Mehr Kontrollen, aber keine Steuervorteile

In der Antwort des BMWK nimmt Michael Kellner nach Aussage von Bele Graniger, der Pressesprecherin des Zentralverbands der Friseure, zwar zu allen Forderungen Stellung. Versprechen und eindeutige Zu- oder Absagen gibt es aber kaum. "Insbesondere bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung bekräftige er unsere Forderungen", sagt Graniger und fügt an, dass sich das BMWK für mehr Kontrollen durch die Finanzkontrolle Schwarzarbeit einsetzen und die Zusammenarbeit verstärken möchte.

"Darüber hinaus gibt es aber keine neuen Aussichten", erklärt sie. Bezüglich der Mehrwertsteuersenkung auf sieben Prozent gab der Staatssekretär eine klare Aussage. Bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Friseurdienstleistungen wäre zwar darüber gesprochen worden, dass diese ein "mögliches, sinnvolles Tool" sei. "Er verweist unsere Forderung jedoch an das Bundesfinanzministerium, an das wir uns nun mit dieser konkreten Forderung wenden sollen", erklärt die Verbandssprecherin.

Fortschritte erzielte der Verband leider nicht bei einer besseren Förderung der Ausbildung. Hierzu habe das BMWK kein neues spezielles Angebot gemacht. "Die hohe Priorität ist ihm bewusst, er verweist allerdings vielmehr auf die bestehenden Ansätze", sagt Graniger und nennt als Beispiele die Allianz für Aus- und Weiterbildung und etwa deren Zusatzaktion "Sommer der Berufsbildung". 

Trotz der wenig konkreten Zusagen wertet der Verband die aktuelle Auseinandersetzung mit dem BMWK als positiv und wird weiter an den Themen arbeiten. „Fest steht, die Politik nimmt die Forderungen des Friseurhandwerks durchaus ernst und die Branche ist Teil des politischen Diskurses“, heißt es in dem Schreiben des Zentralverbands zu den ersten Antworten auf die Forderungen.

Friseurhandwerk gegen aktuelle Mindestlohndiskussion

Dennoch kam in diesen Tagen gleich das nächste politische Thema auf, bei dem sich der Verband zu Wort meldet, da es die Branche belastet: die von Bundeskanzler Olaf Scholz geforderte zweistufige Anhebung des Mindestlohns auf 14 und weiter 15 Euro. Das kritisiert der Zentralverband des Friseurhandwerks stark, da auch das wiederum die Betriebe belaste, die derzeit stark zu kämpfen hätten.

Der Verband spricht von „Verunsicherung und Existenzängsten der Unternehmenden des Friseurhandwerks“ in Zeiten der hohen Inflation und einer starken Konsumzurückhaltung. Er mahnt, dass der mit der Forderung verbundene Lohnanstieg von 17,2 Prozent unabsehbare Konsequenzen für Beschäftigte wie für Unternehmende in der wirtschaftlich angeschlagenen Branche hätte. "Der Vorstoß des Kanzlers ist zu diesem Zeitpunkt nicht nachvollziehbar. Die Verhandlungen zum Mindestlohn gehören nicht in die Presse, sondern in die Mindestlohnkommission", äußert sich Manuela Härtelt-Dören, Präsidentin des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks (ZV), zum Statement des Bundeskanzlers.