Schattenwirtschaft Schwarzarbeit: Fahnder fordern mehr Kontrollen im Handwerk

Millionen Deutsche arbeiten auch mal ohne Rechnung, sagen Experten. Handwerker klagen über die illegale Konkurrenz. Die zuständigen Schwarzarbeitsfahnder dürfen, anders wie der Zoll, nur bei Verdachtsfällen ermitteln. Sie fordern nun mehr Rechte.

Das Gewerk der Maurer ist von der Schwarzarbeit besonders betroffen. Hier gehen den Betrieben viele Aufträge verloren. - © Foto: Gina Sanders/Fotolia

Die Schattenwirtschaft erreicht in Deutschland gewaltige Ausmaße. Auf 340 Milliarden Euro schätzen das Tübinger Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) und Schattenwirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Universität Linz ihr Volumen. Das sind 13,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Doch ein großer Teil davon spielt sich im Privaten ab, sei es beim Rasenmähen in Nachbars Garten, beim Babysitten oder bei Handwerkerleistungen.

"Betrug an der ganzen Branche"

Und so sitzt der Frust über Schwarzarbeiter in der Branche bei vielen Handwerkern tief. "Da bemüht man sich um seine Kunden, steckt viel Zeit in Angebote – und am Ende schnappt einem ein Schwarzarbeiter den Auftrag weg", schimpft Uwe Lorbeer von der Handwerkskammer Chemnitz. Das sei Betrug an der ganzen Branche und koste legale Arbeitsplätze.

Bei einer Fachtagung in Chemnitz haben nun Vertreter kommunaler Ordnungsämter und Handwerkskammern über das Thema beraten. Das Ergebnis  des Treffens: Die Rechte für die Kommunen bei der Bekämpfung von Schwarzarbeit sollten gestärkt werden. Hier zeigen sich große Unterschiede zwischen den Möglichkeiten der kommunalen Fahnder gegenüber denen des Zolls.

Den kommunalen Behörden müsse es so wie der Zollverwaltung auch möglich sein, in Betrieben verdachtsunabhängige Kontrollen vorzunehmen, teilten die Veranstalter mit. Während der Zoll vor allem der illegalen Beschäftigung von Arbeitnehmern nachspürt, sind die kommunalen Fahnder für die illegale Gewerbeausübung im Bereich des Handwerks zuständig und dürfen nur in begründeten Verdachtsfällen Betriebe kontrollieren.

Maler, Maurer und Dachdecker besonders betroffen

Hauptabteilungsleiter Uwe Lorbeer von der Handwerkskammer Chemnitz sprach von monatlich etwa 40 bis 45 Hinweisen und Anzeigen, die bei der Kammer eingingen. "Das ist viel." Betroffen seien vor allem Gewerke auf dem Bau wie Maler, Maurer und Dachdecker, aber auch Friseure, das Gaststättengewerbe, Transport und Logistik sowie die Kraftfahrzeugtechnik.

Die Fahnder von den Ordnungsämtern würden von Experten der Handwerkskammern unterstützt. "Es geht um gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle und um Verbraucherschutz." Bundesweite Zahlen zur illegalen Gewerbeausübungen wurden nicht genannt.

Ertappten Sündern droht den Angaben zufolge ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro sowie Gewinnabschöpfung. Die Fahnder wollten die illegal arbeitenden Betriebe aber vor allem dazu bringen, ihr Gewerbe ordnungsgemäß anzumelden, hieß es. dhz/dpa