"Elite-Panel" zeigt große Unzufriedenheit - Merkel verliert stark an Glaubwürdigkeit Schwarz-Gelb enttäuscht Führungskräfte

Deutsche Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft attestieren der Bundesregierung mehrheitlich schlechte Arbeit. 77 Prozent sind unzufrieden mit dem, was Schwarz-Gelb seit der Bundestagswahl getan hat, 78 Prozent halten die Regierung für schwach. Das sind zentrale Ergebnisse des "Elite-Panels" der Zeitschrift "Capital", die am Dienstag vorgestellt wurden.

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Schwarz-Gelb enttäuscht Führungskräfte

Berlin (dapd). Deutsche Spitzenkräfte aus Politik und Wirtschaft attestieren der Bundesregierung mehrheitlich schlechte Arbeit. 77 Prozent sind unzufrieden mit dem, was Schwarz-Gelb seit der Bundestagswahl getan hat, 78 Prozent halten die Regierung für schwach. Das sind zentrale Ergebnisse des "Elite-Panels" der Zeitschrift "Capital", die am Dienstag vorgestellt wurden. Auch die Bundeskanzlerin persönlich schneidet in der Umfrage schlecht ab: 58 Prozent der Befragten finden, Angela Merkel sei eine schwache Regierungschefin.

Vor allem die Glaubwürdigkeit der CDU-Chefin hat gelitten. 2010 fanden sie noch 49 Prozent der Befragten glaubwürdig, jetzt sind es lediglich 18 Prozent. "Merkel ist im ungünstigsten Moment ihrer Kanzlerschaft", sagte die Chefin des Instituts für Demoskopie Allensbach, Renate Köcher, bei der Vorstellung der Umfrage in Berlin. Dass die Kanzlerin und ihr Team trotz verbesserter Wirtschaftslage so negativ beurteilt würden, sei ungewöhnlich. Normalerweise sorge eine gute Konjunktur für bessere Bewertungen.

Politisches Fingerspitzengefühl attestieren der Regierungschefin derzeit noch 29 Prozent der Befragten (2010: 53 Prozent), und dass sie über großes Verhandlungsgeschick verfüge, meinen 39 Prozent (2010: 60 Prozent). Nicht verändert hat sich dagegen der Wert für das Durchsetzungsvermögen (51 Prozent).

Zuletzt hatte Merkel etwa bei der Energiewende ihre Vorstellungen gegen Widerstände in der Koalition größtenteils durchgesetzt. Doch gerade dieses Thema sorgt bei den Führungsspitzen für Unbehagen. 79 Prozent sind der Meinung, dass der Richtungswechsel in der Energiepolitik die Glaubwürdigkeit der Regierung beschädigt hat. FDP-Anhänger sind sogar zu 90 Prozent dieser Ansicht.

Einen möglichst schnellen Atomausstieg finden 46 Prozent der Befragten richtig, 52 Prozent jedoch falsch. 56 Prozent finden, dass die sofortige Stilllegung alter Kernkraftwerke nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima überhastet war. Hier sind sich allerdings politische und wirtschaftliche Führungskräfte nicht einig. Vertreter der Politik sehen den Atomausstieg positiver. "Die Wirtschaftselite bleibt bei ihrer kernenergiefreundlichen Einstellung", sagte Köcher.

Außerdem haben 83 Prozent der Befragten den Eindruck, dass die Regierung für den Atomausstieg kein überzeugendes Konzept hat. "Durch das ganze Untersuchungsmaterial zieht sich der Eindruck der unzureichenden Handlungsfähigkeit der Regierung", sagte Köcher. Das gelte sowohl innen- als auch außenpolitisch.

Zudem sieht eine deutliche Mehrheit weiterhin die FDP in der Krise. 72 Prozent haben Zweifel, dass es den Liberalen dank der jüngsten Personalrotationen gelingt, an Popularität zu gewinnen. Bei den Anhängern der FDP glaubt nur eine knappe Mehrheit von 51 Prozent daran, dass die Partei wieder beliebter wird.

Für das "Elite-Panel" befragte das Institut für Demoskopie Allensbach vom 25. Mai bis 14. Juni 519 Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, darunter Vorstände und Geschäftsführer von großen Konzernen, Ministerpräsidenten und Minister sowie Behördenleiter.

dapd