Das Saisonfinale im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de: Schwarz-blau bremst rot-weiße Party

Nichts ist es geworden mit den Triple-Bayern. Das lag ganz einfach daran, dass Gegner Inter Mailand beim Champions League-Finale in Madrid keineswegs jene Rolle übernehmen wollte, die den "Nerazzurri" von den Münchnern zugedacht war. Kolumne von Stefan Galler

Die Choreographie der Inter-Fans im Bernabeu-Stadion von Madrid. Foto: pc

Schwarz-blau bremst rot-weiße Party

Meisterbetrieb: Partybremsen in schwarz und blau

Nichts ist es geworden mit den Triple-Bayern. Und das lag nicht etwa daran, dass die Münchner ihren Konkurrenten hierzulande den vierten Champions League-Platz missgönnen würden oder gar Angst davor gehabt hätten, dass Coach van Gaal tatsächlich den Klub nach drei Titeln mangels weiterer Perspektive gleich wieder verlassen könnte. Nein, es lag ganz einfach daran, dass Gegner Inter Mailand beim Champions League-Finale in Madrid keineswegs jene Rolle übernehmen wollte, die den "Nerazzurri" von den Münchnern zugedacht war.

Der Deutsche Rekordmeister hatte sich nämlich nicht nur insgeheim diebisch darüber gefreut, dass ausgerechnet José Mourinhos Team die K.O.-Schlacht der Giganten von Achtel- bis Viertelfinale am Ende überlebt hatten. Alle Favoriten weg, aus Bayern-Sicht war alles klar für die große Sause. Doch dann entpuppten sich Mourinho und sein Torjäger Milito als Partybremsen ohne Sinn für bajuwarische Hochgefühle und entführten den Henkeltopf einfach in die Lombardei. Weshalb die Münchner am Sonntag auf dem Marienplatz ohne ihren silbernen Ehrengast feiern mussten.

Doch die Rolle, die eigentlich dem Pott zugedacht war, übernahm ganz spontan Franck Ribéry, der durch seine Vertragsverlängerung die Hoffnung nährt, dass die Bayern in den nächsten Jahren vielleicht doch noch in den Genuss eines Champions League-Triumphes kommen. Auch wenn man meinen möchte, dass es eine große Gnade ist, dass der französische Ausnahmefußballer beim FCB bleibt, sind diejenigen auf dem Holzweg, die meinen, Ribéry würde fünf weitere Freiwillige Soziale Jahre an der Säbener Straße verbringen: Immerhin zehn Millionen Euro wird der frühere Bauarbeiter im familiären Balltreter-Großbetrieb pro Saison einstreichen, da kann man einiges mit anstellen – und nicht nur Anständiges.

Und noch ein Wort zu Mourinho: Der hat dann auch noch seinen Mailänder Freunden die Laune verdorben, als er schon kurz nach dem Finale seinen Weggang zu Real ankündigte. Von Feierbiest van Gaal ist der Portugiese jedenfalls in Sachen Stimmungskanone fast so weit entfernt wie Hansa Rostock vom Weltpokal.

Gesellenstück: Fränkische Gefahrensucher

Apropos Hansa Rostock: In den finalen Wochen dieser Spielzeit gab es ja nicht nur großartige Endspiele um glänzende Trophäen, sondern auch beinharte Duelle um sportliche und wirtschaftliche Existenten. Und so wurde die Hansa-Kogge von den Ingolstädter Schanzern im Relegationsspiel um die Zweitligazugehörigkeit mit drei Volltreffern komplett versenkt. Noch nie in der Vereinsgeschichte waren die Mecklenburger drittklassig, nun droht der letzte DDR-Meister angesichts von neun Millionen Euro Schulden endgültig abzusaufen. Und während sich also in der Zweitliga-Relegation der Underdog durchsetzte, behauptete sich in den Entscheidungsspielen um den letzten freien Platz im Oberhaus der Platzhirsch.

Dem 1. FC Nürnberg kam dabei natürlich seine enorme Erfahrung in Krisensituationen zugute. Die Clubberer sind so etwas wie die Sprengstoffexperten im Profifußball – immer, wenn es ums nackte Überleben geht, mischen die Franken mit. Oftmals hat es sie dabei schon zerrissen, nun schaffte es der FCN schon zum zweiten Mal in Folge, die Relegation positiv zu gestalten. Der ständig auf und ab rumpelnde Fahrstuhl, in dem Nürnberg stets Stammgast war, ist zumindest für ein Jahr zum Stillstand gekommen. Ob es dabei allerdings bleibt, ist fraglich, denn richtig professionell wirkt der ehemalige Rekordmeister auch nach den beiden Siegen gegen den bayerischen Herausforderer Augsburg nicht.

Erstes Lehrjahr: Verweigerer ohne Berufung

Große Triumphe und tiefe Enttäuschung, die Emotionen schlagen in alle Richtungen aus in diesen fußballerischen Entscheidungstagen. Besonders nah lagen Freud und Leid vor einer guten Woche im Londoner Wembley-Stadion beisammen: Michael Ballack wurde mit dem FC Chelsea Pokalsieger, musste jedoch seine WM-Teilnahme abhaken, weil ihm Portsmouth-Rüpel Kevin-Prince Boateng die Bänder im Knöchel zerfetzte. Womit sich die Frage stellte, ob es vielleicht sogar zu einem Comeback von Torsten Frings in der DFB-Elf kommen würde. Zumindest Frings selbst scheint sich diese Frage gestellt zu haben, denn er erklärte gleichmal vorlaut, dass er von Jogi Löw die Schnauze voll habe sich nicht dazu herablasse, den Ballack-Vertreter zu geben. Dass er diese Aussagen kurz nach dem für ihn mehr als peinlichen Pokalfinale vom Stapel ließ, machte die Aktion nicht gerade glücklicher. Frings hatte dort beim 0:4 gegen Bayern einen sportlichen Offenbarungseid geleistet und zudem nach einer brutalen Attacke gegen Nationalspieler Schweinsteiger die Ampelkarte gesehen. In einer solchen Situation den DFB-Verweigerer zu geben, entbehrt nun wahrlich jeder Grundlage. Edmund Stoiber oder Rudolf Scharping müssen ja auch heutzutage nicht mehr betonen, dass sie als Bundeskanzler nicht zur Verfügung stünden.

Zwei linke Hände: Pechmarie im Exil

Nochmal zurück zum bösen Prinzen Kevin, jener Märchenfigur, die so stilisiert ist, dass man glauben muss, dass sich dahinter ein cleverer Vermarkter versteckt. Boateng gibt den Schurken, wie man das früher nur von Klaus Kinski kannte. Oder aus einem alten Song von den Ärzten: „Ja so muss ein Cowboy sein: dreckig, feige und gemein – das Böse siegt immer“, heißt es da. Schon zu Bundesligazeiten machte der im Berliner Ghetto aufgewachsene Bettelprinz mit wüsten Tretereien und einer nächtlichen Verwüstungstour von sich reden. Dann tauchte auch noch sein Stiefbruder Jerome auf und machte die Gut-Böse-Geschichte perfekt: Einer brav, der andere missraten – fast wie bei Frau Holle. Pechmarie Kevin entschied sich zudem noch – wie passend – zu einer Nationalmannschaftskarriere bei den "Black Stars", der Auswahl Ghanas, während sein skandalfreies Brüderchen das blütenweiße Hemd der DFB-Nationalmannschaft wählte. Und nun also die Attacke gegen den deutschen Capitano Ballack, dessen WM-Aus zu einer Art Mobilmachung der Deutschen gegen das Zigarettenbürscherl führte. Er braucht sich wohl so schnell nicht mehr in der Bundesliga blicken zu lassen, der fiese Prinz, vielmehr droht ihm bis auf weiteres die Verbannung.