Wie Unternehmer Lungenkrankheiten verhindern Schutz vor Asbest: Lösungen gesucht

Seit 1993 darf in Deutschland und vielen anderen Ländern kein Asbest mehr verwendet werden. Dennoch sterben jährlich 1.500 Menschen an den Folgen der Wunderfaser. Bei Sanierungs- und Abrissarbeiten sind Handwerker täglich der Gefahr ausgesetzt. Jetzt werden Unternehmer gesucht, die praktische Lösungen für dieses Problem gefunden haben.

Bei Abbruch- und Sanierungsarbeiten besteht besonders große Gefahr, Asbeststäube einzuatmen. Nur mit geeigneten Schutzmaßnahmen sind solche Arbeiten möglich. - © Foto: Ecology/Fotolia.com

Die Anwendung von Asbest ist seit 1993 in Deutschland verboten. Das Mineral hat zwar hervorragende Eigenschaften, doch wer  Asbestfasern oder asbesthaltige Feinstäube einatmet, ist gesundheitlich stark gefährdet. Die Asbestose führt zu einer Fibrosierung der Lunge, eine Verhärtung, die die Lungenfunktion stark einschränkt.

Eine weitere Folge ist Lungenkrebs. Auch Kehlkopfkrebs, Lungenfellkrebs und Mesotheliome, also Bindegewe bstumore, entstehen durch den Kontakt mit Asbest.

Obwohl das Material seit über 20 Jahren in Deutschland nicht mehr verarbeitet wird, müssen Handwerker gerade am Bau wachsam sein. Vor allem bei Abriss- oder Umbauarbeiten an älteren Bauwerken können die Fasern freigesetzt werden.

Gefahrstoffschutzpreis für Vorreiterbetriebe

Jetzt hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Gefahrstoffschutzpreis ausgeschrieben. Gesucht sind Unternehmen, die eine praktische Lösung, ein innovatives Konzept oder eine gute Idee zum Schutz vor Asbest und Staub entwickelt haben. Der Preis ist mit insgesamt 10.000 Euro dotiert.

Unternehmen, Organisationen, Personengruppen und Einzelpersonen können ihre Ideen bis zum 31. Januar 2016 unter gefahrstoffschutzpreis@baua.bund.de einsenden. Die gesamte Ausschreibung sowie Beispiele guter Praxis aus den vergangenen Wettbewerben gibt es im Internet unter www.gefahrstoffschutzpreis.de .

Gefahren durch Asbest schon seit 100 Jahren bekannt

Asbest hatte lange den Ruf einer “Wunderfaser“, weil das Mineral große Festigkeit besitzt, hitze- und säurebeständig ist, hervorragend dämmt und die Asbestfasern zu Garnen versponnen und diese verwebt werden können.

Folglich setzte man Asbest nicht nur für den Schiffsbau, sondern auch für die Wärmedämmung, den Bau, die Autoreifenherstellung und für Textilien im Bereich des Arbeitsschutzes ein, mit Folgen bis heute: In vielen Gebäuden ist Asbest versteckt, zum Beispiel als Bestandteil von Estrichen, Spachtelmassen unter Wandbeschichtungen oder als Füll- und Glättspachtel von Gipskartonwänden.

Die Gesundheitsgefahren durch Asbest wurden schon Anfang des 20. Jahrhunderts erkannt. Seit 1942 ist Lungenkrebs in Verbindung mit Asbestose in Deutschland offiziell als Berufskrankheit anerkannt. M ehr als die Hälfte der Todesfälle aufgrund von Berufskrankheiten geht auf Asbest zurück. Das zeigt die Statistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) .

Praktisch, aber lebensgefährlich

Bis zu 2,5 Millionen Beschäftigte waren in der Vergangenheit in Deutschland asbestgefährdet. 2012 verstarben laut nationalem Asbest-Profil immer noch über 1.500 Berufserkrankte, weil sie asbesthaltigen Stäuben ausgesetzt waren. Die hohen Fallzahlen liegen auch an der langen Latenzzeit zwischen Asbestbelastung und Krebserkrankung, die durchschnittlich 38 Jahre beträgt. Insgesamt starben zwischen 1994 und 2012 über 26.000 Menschen an den Folgen des Minerals.

Asbestverursachte Bindegewe bstumore sind mit 34 Prozent die am häufigsten auftretenden Todesursachen bei Berufskrankheiten, gefolgt von Lungen- und Kehlkopfkrebs mit 24 Prozent. Die Kosten für medizinische Versorgung und Rentenzahlung für Asbesterkrankte und deren Angehörige lagen in den Jahren 1990 bis 2012 bei etwa 6,1 Milliarden Euro und werden voraussichtlich auf bis zu 10 Milliarden Euro ansteigen.

Versicherte haben auch Jahrzehnte, nachdem sie aufgrund ihrer Arbeit Asbest ausgesetzt waren, Anspruch auf eine arbeitsmedizinische Betreuung . So können Erkrankungen frühzeitig erkannt und entsprechend besser behandelt werden. Die Erkrankungen sind als Berufskrankheiten anerkannt .

Schutzmaßnahmen dringend nötig

Für den Umgang mit Asbest gelten heute strenge Schutzmaßnahmen. Vor allem Unternehmen, die mit Asbest belastete Gebäude, Anlagen oder Geräte sanieren oder abreißen, müssen die Schutzmaßnahmen kennen und einhalten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat einen Schutzmaßnahmenkatalog erstellt.

Die DGUV macht den Kampf gegen Asbest zum Thema eines Newsletters .

Von 2001 bis heute fielen rund vier Millionen Tonnen asbesthaltiger Müll - zumeist in Form von Bauschutt - an. Aktuell sind immer noch über 35 Millionen Tonnen asbesthaltiges Material verbaut, meist in Form von Asbestzement. Insbesondere beim Abriss oder Umbau von Gebäuden kann Asbest freigesetzt werden. Ende 2012 waren immer noch fast 89.000 Beschäftigte in Deutschland mit Asbestprodukten in Kontakt.

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat in einem nationalen Asbest Profil alle wichigen Informationen zusammengetragen. bst