Die Ergebnisse des nationalen Schultests heizen die Debatte über die krassen Unterschiede im Bildungsniveau an deutschen Schulen wieder an. Der Ländervergleich habe gezeigt, dass konkrete Verbesserungen im Bildungssystem der entscheidende Schlüssel für gute Leistung seien, sagte Ressortchefin Annette Schavan.
Schulvergleich: Debatte um Bildungsniveaus neu entfacht
Die CDU-Politikern warnte die Finanzminister deshalb vor Einschnitten bei der Bildung. "Die Landtagswahlen der letzten Jahre zeigen, dass die Bürger sehr genau darauf schauen, welchen Stellenwert die Bildungspolitik in ihrer Landesregierung hat", sagte Schavan. Bund und Länder hätten sich darauf geeinigt, zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Bildung und Forschung auszugeben. "Das Ziel verbietet den Zugriff der Länderfinanzminister auf die Bildungsbudgets."
Während Investitionen ins Bildungssystem in den Gewinnerländern der Studie letztlich zu guter Leistung geführt hätten, werde andernorts nur diskutiert. "Schulstrukturdebatten, wie sie in manchen Ländern geführt werden, helfen dagegen nicht weiter. Sie bringen zwar Unruhe in die Schulen, nicht aber mehr Qualität", sagte Schavan.
Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus, forderte die Verlierer der Vergleichsstudie auf, sich an den Siegerländern zu orientieren. Es sei lange bekannt, dass die Schüler in den südlichen Bundesländern vorne lägen. Dies habe vor allem mit einer höheren Unterrichtsdichte sowie verbindlicheren Lehrplänen zu tun, sagte Kraus. "Die Testverlierer müssten dies seit Jahrzehnten wissen, aber statt sich an den Siegerländern zu orientieren und nach der Decke zu strecken, verlieren sie sich in Schwärmereien über eine verlängerte Grundschule und Einheitsschule", monierte Kraus.
Neue Tests besser als PISA
Des Weiteren lobte der Verbandschef die Praxisnähe des neuen Tests. "Die neue Schulstudie ist stärker auf die deutschen Lehrpläne und Bildungsstandards bezogen als die PISA-Studien", sagte Kraus. Mit PISA sei allerdings ein internationaler und innerdeutscher Vergleich möglich gewesen. "Man konnte sehen, dass Länder wie Bayern nahe an vorbildliche Staaten wie Finnland heranreichen. Andere Bundesländer wie Bremen – zugespitzt gesagt – liegen eher auf dem Niveau von Brasilien oder Mexiko."
Kraus kritisierte jedoch "die angebliche soziale Schieflage des Bildungswesens in Deutschland". So sei es "absolut einseitig, den Zusammenhang zwischen Schulbesuch und sozialer Herkunft bei Fünfzehnjährigen zu ermitteln".
Berliner Bildungsforscher hatten für die Studie im Auftrag der Kultusminister bundesweit die Leistungen von Neuntklässlern aller Schularten in den Fächern Deutsch und Englisch untersucht. Fast überall lagen Bayern und Baden-Württemberg vorne, am schlechtesten schnitt Bremen ab. Die Ergebnisse zeigten auch, dass der Bildungserfolg weiterhin stark von der sozialen Herkunft abhängt. Die Studie löst die bisherigen PISA-Ländervergleiche ab.
ddp