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Tiny Houses Schreinerei verkauft Minihäuser über Tchibo

Die Herausforderung liegt darin, ein komplett bewohnbares Holzhaus zu bauen, das nur maximal 3,5 Tonnen wiegt. Tiny Houses sind Trend. Eine Schreinerei aus Hamm hat das erkannt und verkauft sie derzeit im Rahmen einer Sonderaktion sogar bei Tchibo.

Ein Eigenheim auf rund 15 Quadratmetern mit Schlaf- und Wohnzimmer, mit Küche, Bad und zumindest so viel Platz, dass man zu zweit darin wohnen kann: Tiny Houses liegen im Trend. Das sind kleine, mobile Häuser, zum Großteil aus Holz und mit fahrbarem Untergestell, die in Zeiten von steigenden Mieten, von fast unbezahlbaren Grundstückspreise in den größeren Städten und von einer Arbeitswelt, die eine hohe Flexibilität fordert, eine steigende Nachfrage erleben.

Diesen Trend hat auch der Kaffeeanbieter Tchibo entdeckt, der mittlerweile auch zu einem großen Online-Händler unter anderem von Haushaltswaren und Kleidung geworden ist. Mehrmals schon hat Tchibo schon mit ungewöhnlichen Verkaufsaktionen auf sich aufmerksam gemacht – etwa im Jahr 2014, als er Hausboote in das Sortiment aufnahm. 2018 sind es dagegen drei verschiedene Versionen von Tiny Houses. Seit Mitte Mai und noch bis zum 26. Juni kann man sie über den Kaffeeröster bestellen.

Tiny House aus Hamm: Vor zwei Jahren noch ein Prototyp

Tiny House

Gebaut werden sie in Hamm bei der Schreinerei Diekmann, die sich schon seit längerem mit dem Bau der Minihäuser beschäftigt. "Vor zwei Jahren haben wir den ersten Prototypen gebaut, mittlerweile machen die Tiny Houses ein Drittel unserer Arbeit aus", sagt Stefan Diekmann, der Geschäftsführer des 35-Mann-Handwerksbetriebs. Rund 20 der kleinen fahrbaren Häuser hat die Firma schon im meist individuellen Kundenauftrag gebaut und verkauft.

Durch die Tchibo-Aktion und die damit verbundene Medienpräsenz steigt das Interesse am Thema zwar spürbar und Diekmann bekommt entsprechend viele Anfragen. Da jedoch vor dem Kauf eines Tiny House auch Fragen rund um den Stellplatz und die Nutzung geklärt werden müssen – soll es an einem festen Ort stehen und eine Baugenehmigung dafür beantragt werden oder wie ein Wohnmobil im Einsatz sein ohne eigenen Grund und Boden – kann der Schreinerei-Leiter keine Angaben zu den Verkaufszahlen im Rahmen der Aktion machen. Bei vielen Interessenten beginnt nun erst ein Denkprozess und es wird klar, wie man mit einem Tiny House vielleicht auch sein ganzes Leben verändert. Stefan Diekmann kennt sich mittlerweile auch mit vielen rechtlichen und organisatorischen Fragen rund um die Nutzung eines Tiny House aus und gibt seinen Kunden Tipps dazu.

Doch der Kern seiner Beratung liegt in der Planung des individuellen Minihauses. Zwar sind Kunden dankbar, wenn sie sich fertige Modelle – wie auch die drei Tiny House Varianten, die die Schreinerei im Rahmen der Tchibo-Aktion anbietet – anschauen können. Zudem kann man in einem der Prototypen auch Probewohnen. Dennoch haben viele dann auch ganz eigene Wünsche und Bedürfnisse, die sich in der Planung wiederspiegeln sollen. Stefan Diekmann nennt deshalb auch den Ansatz, möglichst viel Wohnkomfort und nutzbaren Raum auf den begrenzenden Vorgaben von höchstens 3,5 Tonnen Gesamtgewicht unterzubringen, die größte Herausforderung. "100 Prozent von dem, was sich die meisten vorstellen, in einem Tiny House unterzubringen, geht nicht", sagt er und betont, dass ihm auch die Qualität und Stabilität wichtig ist. Um Gewicht zu sparen, nur sehr dünnes Holz zu verbauen oder aus rein optischen Gründen bei der Inneneinrichtung nicht auf die Gewichtsverteilung auf den Achsen zu achten, könne sich schnell als Fehler herausstellen.

Tiny Houses und Minimalismus: Neuer Lebensstil

Der Bau eines komplett individuell geplanten Tiny House kann dann auch schon mal bis zu 1,5 Jahren dauern. Andere Häuser, die sich an den Prototypen oder auch den drei extra entworfenen Tchibo-Modellen orientieren, können auch in rund acht Monaten komplett gebaut werden. Im Schnitt zehn Mitarbeiter arbeiten bei der Schreinerei Diekmann ausschließlich an den Minihäusern. Diese kosten zwischen 40.000 und 60.000 Euro.

Auch wenn die Tchibo-Verkaufsaktion schon am 26. Juni wieder endet, rechnet Stefan Diekmann nicht damit, dass das Interesse an dem Thema schnell wieder rückläufig ist. In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Kleinbetriebe, die einen Markt für Tiny Houses aufbauen – ob Häuser fast ausschließlich aus Holz wie die aus Hamm oder auch andere Varianten aus alten Schiffscontainern und ähnliches. Tiny Houses gehören zum Lebensstil der Minimalismus, der vielleicht gerade in so schnelllebigen und konsumorientierten Zeiten wie heute, großen Zuspruch erlebt. Ein Anti-Trend sozusagen.

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