Beim Bundeskongress des Maßschneiderhandwerks in Dortmund erhielt Sabine Mütze-Dietrich "Goldene Schere". Erstmals wurde auch die Maßschneider-Awards für Damen und Herren vergeben.
Daniela Lorenz

Mit einem wahren Feuerwerk an Modenschauen haben die Maßschneider beim Bundeskongress des Maßschneiderhandwerks in Dortmund ihrem Namen wieder alle Ehre gemacht. Ein Höhepunkt war die Verleihung der " Goldenen Schere" und des Wanderpreisbuches, den höchsten Auszeichnungen im Herren-Maßschneiderhandwerk, an Sabine Mütze-Dietrich aus Fischbach bei Dresden.
"Es ist eine ganz große Ehre für mich", freute sie sich. Für den Wettbewerb hatte sie einen Anzug mit schräg geschnittener Weste und schräg geschnittenen Knopflöchern sowie ausdrucksstarken, schwarzen Streifen gefertigt, die sehr genau verarbeitet werden mussten. "Man gibt sich immer Mühe und lebt mit jedem Stück", sagte die Preisträgerin.
Neu: die Maßschneider-Awards für Damen und Herren
Erstmals vergeben wurden die Maßschneider-Awards. Der Preis für die jeweils höchste Punktzahl unter den Goldmedaillen-Gewinnern ging im Herrenfach an Alena Bauer aus Mannheim und bei den Damen an Helena Gubajdulin aus Trier. "Ich habe mich sehr gefreut", sagte Alena Bauer , die bereits vor zwei Jahren die "Goldene Schere" gewonnen hatte, "das ist für uns der Beweis, dass wir gut sind und handwerkliche Leistung erbringen". Die 34-Jährige arbeitet rund ein halbes Jahr an einem Wettbewerbsbeitrag mit viel Mühe, Liebe zum Detail und Perfektion. Arbeit, die sich lohnt, denn "auch unsere Kunden nehmen an einem Preis Anteil und freuen sich mit uns", sagt Alena Bauer. Ihr Wettbewerbsbeitrag war ein dunkelblauer Anzug mit dezenten hellblauem Karo-Muster, Knopflöchern ebenfalls in einem Blauton und mit zweieinhalb Knöpfen genäht, wobei der oberste Knopf als Schmuck ins Revers geht. "Es ist ja modern, etwas extravagantes zu tragen."
Medaillenspiegel des Atelier-Wettbewerbs Damen
| Atelier | Gold | Silber | Bronze |
|---|---|---|---|
| Atelier Helena Gubajdulin, Trier, Helena Gubajdulin | 2 | 0 | 0 |
| Atelier Ali Thompson, Berlin, Ali Thompson | 1 | 1 | 1 |
| Atelier Julia Schlenger, Köln, Julia Schlenger | 1 | 1 | 0 |
| Atelier Sebastiana Marchionna, Moers, Sebastiana Marchionna | 1 | 1 | 0 |
| Atelier Helga Freier, Feucht, Helga Freier | 1 | 0 | 2 |
| Atelier Nicole Brandler, Hammelburg, Nicole Brandler | 1 | 0 | 0 |
| Atelier Stefan Wermter, Essen, Stefan Wermter | 1 | 0 | 0 |
| Atelier Heike Rahusen-Marsch, Bad Homburg, Heihe Rahusen-Marsch | 1 | 0 | 0 |
| Atelier Petra Wellenhofer, Sauerlach, Petra Wellenhofer | 1 | 0 | 0 |
| Atelier Kornelia Lach, Dortmund, Kornelia Lach | 0 | 1 | 0 |
| Atelier Swetlana Weigandt, Schwarmstedt, Swetlana Weigandt | 0 | 0 | 2 |
| Atelier Angelika van Neerven, Krefeld, Angelika van Neerven | 0 | 0 | 2 |
| Atelier Inge Szoltysik-Sparrer, Hagen, Inge Szoltysik-Sparrer | 0 | 0 | 1 |
| Atelier Sandra Gronemeier, Düsseldorf, Sandra Gronemeier | 0 | 0 | 1 |
Auch Helena Gubajdulin war die Freude über den erstmals vergebenen Maßschneider-Award Damen anzusehen: "Es ist eine Anerkennung für das, was man tut. Das ist ganz großartig." Sie wurde für ein raffiniertes schwarzes Kleid mit Jäckchen und silbernen Applikationen ausgezeichnet. Über ihre Arbeit sagt die Maßschneiderin aus Trier: "Ich mache es mit ganzem Herzen."
Die Arbeit hat sich gelohnt
Der Avantgardewettbewerb, an dem traditionell die Auszubildenden teilnehmen stand unter dem Motto "Fußball goes Couture". Als Reminiszenz an den Veranstaltungsort waren die Modelle in schwarz-gelb gehalten. Der erste Preis ging an Justine Masché, die gerade ihre Ausbildung am Staatstheater in Mainz beendet hat und nun Modedesign in Berlin studiert. "Mir bedeutet es viel, denn es spiegelt meine Arbeit wider. Die Arbeit, die ich reingesteckt habe, hat sich gelohnt."
Das Interesse an diesem Bundeskongress war groß. Auffallend viele junge Leute nahmen teil. So fällt auch das Fazit der Vorsitzenden des Bundesverbandes der Maßschneider positiv aus: "Es war ein rundum gelungener Kongress", sagte Inge Szoltysik-Sparrer, "es ist uns gelungen, den demografischen Wandel aufzugreifen. Der Austausch zwischen jung und alt, erfahren und unerfahren ist uns wichtig. Dafür haben wir eine gute Plattform geboten." Auch die Workshops hätten die Themen getroffen, die den Maßschneidern auf den Nägeln brennen. "Durch die Workshops sollen die Teilnehmer Ideen und Impulse bekommen, die sie dann auch sofort in die Tat umsetzen können."
Der nächste Bundeskongress findet in zwei Jahren statt.