Schottenrock, Dudelsack und starke Männer

Ein Besuch in Schottland beim Ungeheuer von Loch Ness, der Isle of Skye und den Highland Games.

Rocco Thiede

Dudelsackspieler sorgen für das nötige Rahmenprogramm. - © Rocco Thiede

Schottenrock, Dudelsack und starke Männer

"Dort ist es!" Der achtjährige Junge in seinen kurzen, grünen Hosen rennt eilig zu seinen Geschwistern. "Kommt schnell", ruft er ihnen entgegen. "Schaut, schaut – da vorn ist es, da, dort – das Ungeheuer von Loch Ness!" Alle eilen zum Strand und schauen angespannt auf die sich im Sonnenschein kräuselnden Wellen von Schottlands berühmtestem See. "Wo? Ja wo denn nur ist Nessie?", fragt seine Schwester mit großen Augen und gezückter Kamera. Erst jetzt bemerken die Kinder, die kleinen Fontänen, die sich beim Einwerfen von Steinen in das Wasser bilden. Sie drehen sich um. Hinter ihnen – versteckt im Gebüsch – steht ihr Vater. Von dort wirft er regelmäßig faustgroße Schottersteine in das klare Wasser. Wer nur flüchtig schaut, meint tatsächlich, da sei gerade ein Tier untergetaucht.

Das "Monster von Loch Ness"

Das Mysterium um das "Monster von Loch Ness" zieht alle Jahre tausende Urlauber nach Schottland. Viele Reisebusse fahren in den Sommermonaten zwischen Inverness und Fort Augustus das Nordufer des eiszeitlichen Gletschersees entlang. Hier bestaunen die Urlauber die Schönheiten von Schottlands tiefsten und zweitgrößten Süßwassersee. Und alle sind natürlich auch interessiert, "Nessie" zu entdecken, das Seeungeheuer, das seit Jahrhunderten Menschen anzieht. Doch an tragfähigen Beweisen, wenn man von den dürftigen, unscharfen und teils Jahrzehnte alten Fotos absieht, mangelt es bis heute. Dennoch ist der Glaube ungebrochen, so lange es immer wieder Augenzeugen gibt, die sich ganz sicher sind, das riesige Unterwassertier mit seinem langen Schwanz gesehen zu haben.

Neben Schottenrock, Dudelsack und Malt-Whisky ist Loch Ness zur touristischen Marke für den um seine Unabhängigkeit bemühten Teil Großbritanniens geworden. Doch eine Reise lohnt sich nicht nur wegen der Naturschönheiten, sondern auch wegen der Hauptstadt Edinburgh, mit dem historischen Zentrum oder der alten Handwerker- und Arbeiterstadt Glasgow. Beide Städte bieten Kultur- und Kunstfreunden hervorragende Angebote.

Seit kurzem ist die Isle of Skye an der Nordwestküste Schottlands über eine moderne Brücke zu erreichen. Ob ihrer Lage mit mondlandschaftlichen nicht bewachsenen Bergen und Steilküsten mit weitem Blick über den Atlantik ist die 80 Kilometer lang gestreckte Insel eine ausgesprochene Naturschönheit. Autofahrer müssen sich hier schnell an die engen Straßen gewöhnen. Die Single Track Roads erlauben es nur einem Fahrzeug seine Fahrt fortzusetzen. Doch genügend Buchten und eine für britische Verhältnisse ungewohnte Rücksichtnahme machen die Panoramafahrt rund um die Insel selbst für Busse oder große Wohnmobile möglich.

Höhepunkt: Highland Games

Ein Höhepunkt jeder Schottland-Reise sind die jährlich stattfindenden Highland Games. Auf der Isle of Skye fanden sie dieses Jahr zum 134. Mal statt. Austragungsort war Portree, die Hauptstadt der "Insel des Nebels", wo es ein von der Natur geschaffenes Amphitheater mit Blick auf das weite Meer gibt. In der Gemeindehalle wird am Nachmittag und frühen Abend der Wettbewerb der Dudelsackspieler (Piping) ausgetragen. Die – ohne Noten – vorgetragenen Stücke basieren auf teils jahrhundertealten Vorlagen und sind für das ungeübte Ohr gewöhnungsbedürftig.

"Ich bin hier nicht das erste Mal", sagt Markus (26) aus dem Ruhrgebiet. Der muskelbepackte Hüne mit seinen fast zwei Metern gehört zu den starken Männern, die den Hammer schleudern, die Kugel stoßen, 25 Kilo schwere Gewichte über ihre Köpfe in die Höhe werfen oder am Ende der Highland Games riesige Baumstämme balancierend um sich selbst hochstemmen.

Schiedsrichter in Gefahr

"Viele leben mittlerweile von den Preisgeldern bei den Highland Games", erzählt Markus und so verwundert es nicht, dass unter den Nominierten auch Teilnehmer aus Übersee antreten. Wie zum Beispiel David aus New York und – was selbst einige Einheimische mit Verwunderung erfüllte – Sue aus Ohio/ USA. Als einzige Frau erhielt sie regelmäßig Szenenapplaus. Nur mit einem Schrecken kam der Schiedsrichter des "Dancing" davon, als Sue beim zweiten Versuch die Kontrolle über ihren schweren Hammer verlor. "Das hätte böse ausgehen können", kommentierte ihr Landsmann David das Versehen. Nur mit einem kühnen Satz nach vorn konnte sich der Schiedsrichter mit seinem Schottenrock und in karierter Krawatte aus dem grauen Leinwandzelt retten, auf den der Hammer niederging.

Den Zuschauern wird während der Highland Games nie langweilig. Für regionales Trinken und Essen – natürlich auch Fish und Chips – ist reichlich gesorgt. In ihren bunten, karierten Kostümen spielen die Musiker marschierend in den Pausenzeiten auf. Das teils monotone Surren und Summen des Dudelsacks von den Wettbewerbern der „Piping Competitions“ liegt über dem Festplatz. Wir nehmen seine einprägsame Melodie und im Kopf die beeindruckenden Bilder von den Highland Games mit nach Hause.

Informationen zu Schottland

Anreise: Mit dem Flugzeug von allen deutschen Flughäfen nach Edinburgh.

Unterkünfte: Hotels, Cottages und Bed-&-Breakfast-Pensionen sind in allen Preiskategorien buchbar.

Beste Reisezeit: Von April/Mai bis September/Oktober.

Weitere Informationen unter www.schottland.de.