Klimafreundlich durch den Kehrbezirk Schornsteinfeger unterhalten Schutzwald in Panama

Die deutschen Schornsteinfeger pflegen Beziehungen nach Panama. Allerdings unterhalten sie dort keine Briefkastenfirma, sondern investieren in einen zehn Hektar großen Schutzwald.

Ulrich Steudel

Durch den ZIV-Schutzwald in Panama wird nicht nur das Klima vor schädlichen Treibhausgasen geschützt. Es entstehen auch fair bezahlte Arbeitsplätze für die einheimische Bevölkerung. - © Forest Finance

Als erster Berufsverband wollen die Schornsteinfeger die CO2-Emissionen ihrer Dienstfahrzeuge kompensieren. 30 Euro pro Jahr muss ein Betriebsinhaber zahlen, damit er klimaneutral durch seinen Kehrbezirk fahren kann.

© Forest Finance

Diese Summe hat die Forest Finance Gruppe errechnet, die für den Bundesverband der Schornsteinfeger (ZIV) das Projekt koordiniert und dafür sorgt, dass das Geld über CO2-Zertifikate in die Wiederaufforstung fließt. Demnach emittiert ein Schornsteinfegerfahrzeug bei einer Laufleistung von 10.000 Kilometer im Jahr 2.170 Kilogramm Kohlendioxid. Diese Menge des Treibhausgases soll über Klimaschutzprojekte wie in Panama, aber auch in Äthiopien oder Bolivien, ausgeglichen werden.

Aufforstungsprojekt von Forest Finance

Der ZIV-Schutzwald nimmt rund zehn Prozent der Finca Santa Cruz II mit einer Gesamtfläche von knapp 93 Hektar im Westen Panamas ein. Dort betreibt Forest Finance seit 1995 ein ökologisches Aufforstungsprojekt. In dem Gebiet nahe der Grenze zu Costa Rica liegt auch Panamas wichtigstes Kaffeeanbaugebiet sowie der höchste Berg des Landes, der 3.477 Meter hohe Vulkan Baru.

Noch sind nicht alle Schornsteinfeger bei der Initiative des Verbandes mit an Bord. Im vergangenen Jahr wurde die Klimaschutzpauschale für knapp 2.000 Fahrzeuge gezahlt. Damit konnten mehr als 4.000 Tonnen CO2 kompensiert werden. Einen Teil der Beiträge hat Citroën übernommen, denn der französische Automobilkonzern liefert jeden Berlingo mit Schornsteinfegerausbau gleich mit der Klimaschutzvignette aus, die für das erste Jahr nach der Zulassung gilt. Danach muss der jeweilige Fahrzeuginhaber den Beitrag für den Klimaausgleich selbst zahlen.

Die Vignette kennzeichnet den Kleintransporter als klimafreundlich, was auch bei den Kunden gut ankommt. Außerdem dürfen die teilnehmenden Schornsteinfeger das CO2OL-Logo auch auf Briefpapier, Visitenkarten oder ihrer Firmen-Website verwenden. Vom positiven Image, das mit dem klimaneutralen Fahren verbunden ist, wollen immer mehr Schornsteinfeger profitieren.

Landesverband Sachsen-Anhalt komplett dabei

Seit diesem Jahr steht mit den Schornsteinfegern aus Sachsen-Anhalt erstmals ein ganzer Landesverband geschlossen hinter der Aktion. Der Beitrag wurde für alle 243 Mitgliedsbetriebe aus der Innungskasse beglichen.

Seit Jahren kooperiert der Bundesverband der Schornsteinfeger mit Citroën. Auch bei der Klimaschutzabgabe zieht der französische Autobauer mit. - © Marius Bauschen/Cewebe AG

„Umweltschutz gehört zu unseren wirtschaftlichen Standbeinen. Da ist es logisch und sinnvoll, dass wir bei einem solchen Projekt alle mitmachen“, sagt der stellvertretende Landesinnungsmeister Daniel Börner aus Köthen. Da der Organisationsgrad in der Innung in Sachsen-Anhalt noch über dem Bundesdurchschnitt von 97 Prozent liegt, geht Börner davon aus, dass lediglich zwei bis drei Betriebe nicht klimaneutral unterwegs sind.

Das Engagement für den Klimaschutz ist Teil einer Imagekampagne, mit der die Schornsteinfeger von Sachsen-Anhalt über Werbespots im Rundfunk und mit Zeitungsanzeigen für ihr Gewerk werben wollen. Dabei wollen sie sich auch als Berufsverband mit einem ökologischen Selbstverständnis darstellen.

Dass eine ganze Berufsgruppe sich so vehement für den Ausgleich ihrer CO2-Emissionen engagiert, ist laut Patrick Fortyr von Forest Finance bisher einmalig. „Leider ist das Bewusstsein für den eigenen CO2-Fußabdruck in der Bevölkerung noch nicht sehr ausgeprägt. Die Schornsteinfeger leisten hier absolute Pionierarbeit“, sagt der Umweltexperte. Aber damit noch nicht genug: Langfristig wollen die Schornsteinfeger nicht nur die Fahrten, sondern ihre gesamte Arbeit klimaneutral stellen.