Deutscher Musikinstrumentenpreis 2017 Schon zum zweiten Mal Deutschlands Bester

Klaus Martens baut Trompeten und Flügelhörner. Für sein Flügelhorn „Horaffia AX“ wird er mit dem Deutschen Musikinstrumentenpreis ausgezeichnet.

Stefanie Stölzle

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    © Bernd Groh
    Musik ist seine Leidenschaft: Klaus Martens.
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    Azubi mit scharfem Blick: Patrik Layher prüft, ob noch Beulen zu finden sind.
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    Fast fertig: Timon Arny verleiht dem ­Flügelhorn den letzten Schliff.
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    Glänzende Präsentation: Trompeten werden im Verkaufsraum ausgestellt.
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    © Peter Hahn
    Gewinner des deutschen Musikinstrumentenpreises: das Flügelhorn Martens – Modell „Horaffia AX“.

Klaus Martens lacht und sagt: "Unsere Instrumente sind halt einfach die Besten". Augenzwinkernd antwortet er auf die Frage, was an seinen Instrumenten besonders ist. Offensichtlich ist nicht nur der Metallblasinstrumentenmachermeister selbst der Ansicht, denn anlässlich der Musikmesse Frankfurt wird ihm der deutsche Musikinstrumentenpreis 2017 verliehen. Dies ist die höchste Auszeichnung, die ein Instrumentenbauer in Deutschland erhalten kann. Ausgezeichnet wird er für das Flügelhorn Modell "Horaffia AX". Klaus Martens baut Flügelhörner und Trompeten und verkauft Handelsware für Blasmusiker. Seine Instrumente sind bei Musikern in ganz Europa gefragt.

Seine Werkstatt ist ein Paradies für jeden Musiker

Am Rand des Städtchens Schrozberg mit freiem Blick auf Felder, Wiesen und Wälder liegt unscheinbar am Ende eines Wohngebietes die Meisterwerkstatt Martens. Durch den Raum dringen sanfte Trompetentöne. In jeder Ecke des kleinen Verkaufsraums stehen Blasinstrumente, Noten oder Zubehör. Ein Paradies für jeden Musiker. Von der Decke hängen alte Trompeten, Flügelhörner, Posaunen und Saxophone. An den Wänden sind Instrumente ausgestellt, die das Licht des großen Fensters in den Raum reflektieren. Es riecht nach Metall, ein paar Schritte weiter erinnert der Geruch an eine Bücherei. Das liegt an den vielen Notenheften und -büchern, die hier zu finden sind. An der Wand sind große Urkunden aufgereiht. "Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks", "Bundessieger" ist darauf zu lesen. Eine Ehrung für den besten Auszubildenden in Deutschland, die schon viele Lehrlinge von Martens erhalten haben. Ganz nach dem Vorbild ihres Ausbilders, der seinerzeit auch der beste Absolvent war. Daneben die Ehrung des deutschen Musikinstrumentenpreises aus dem Jahr 1997. Damals war Martens auch schon für ein Flügelhorn ausgezeichnet worden. Für den neuen Preis, den Martens am 7. April erhält, scheint gar kein Platz mehr zu sein. Hinter der Theke nimmt Susanne, Martens’ Frau, gerade ein Telefongespräch entgegen. Sie kümmert sich um die Buchhaltung, die Betreuung der Kunden und "alles Drumherum". "Ohne sie klappt hier alles zusammen", betont Martens.

Direkt neben dem Verkaufsraum liegt die Meisterwerkstatt. Gleich hinter der Tür steht eine Drückbank. Darauf kreiert Martens die Form des Schallstücks, wenn er ein neues Instrument entwickelt. Länge und Durchmesser bestimmen maßgeblich den Ton. Wichtig ist ihm auch die Meinung von Musikern, wenn er ein neues Modell gestaltet. Wenn die richtige Form für das neue Schallstück gefunden ist, stellt Martens einen Prototyp aus Stahl her. Dieser dient als Vorlage für die Schallstücke aus Messingblech. Um die richtige Form für das Flügelhorn zu erhalten, muss Martens das Schallstück zurechtbiegen. Damit das Metallrohr dabei nicht knickt, gießt er es mit Blei aus. Blei hat einen geringeren Schmelzpunkt als das Messingblech. Deshalb kann er es nach dem Biegen einfach wieder schmelzen und abgießen. Da das Biegen reine Handarbeit ist, sind unterschiedliche Krümmungen möglich. So kann Martens das Instrument auf jede einzelne Person anpassen, wenn diese zum Beispiel besonders große oder kleine Hände hat. Möchte sich ein Musiker ein Martens-Instrument kaufen, kommt er zuerst nach Schrozberg, um die verschiedenen Modelle zu testen. Wenn er sich für ein Modell entschieden hat, fertigen die Instrumentenbauer dieses extra für diesen Kunden. Deshalb können sie es schon beim Bau individuell anpassen. Das ist bei der industriellen Produktion nicht möglich, da hier mit festen Formen gearbeitet wird. Neben solchen kleinen Änderungen an den Serieninstrumenten stellt Martens auch Sonderanfertigungen her. Instrumente für Linkshänder oder für Musiker mit Behinderung sind für Martens mühelos machbar.

Weiter hinten in der Werkstatt, in der an allen Ecken fertige und unvollendete Instrumente stehen, sitzt Timon Arny an der Werkbank. Er ist gerade dabei, die Ventile für das Flügelhorn zu produzieren. Für das Modell "Horaffia AX" fertigt er Drehventile. Andere Ausführungen sind mit Pumpventilen ausgestattet. Er stellt auch die Züge, den Stimmzug und das Mundrohr her. Er feilt, schleift und poliert die Rohrteile mehrmals. Durch dieses Bearbeiten der einzelnen Teile verdichtet er das Metall. Zusätzlich entsteht an der Innenseite eine Glätte, die den Luftfluss verbessert. Dies ist für Musiker ein wichtiges Argument, zu einem handgefertigten Instrument zu greifen. Sind alle Einzelteile fertiggestellt, lötet er diese zusammen. Der Instrumentenbauer spielt ein paar Töne auf dem Flügelhorn. So testet er, ob die Tonhöhe stimmt und ob gleich beim leichten Hineinblasen ein Ton entsteht. Musiker sprechen hier von der Stimmung und Ansprache. Erst ganz zum Schluss bekommt das Instrument durch die Veredelung die vom Kunden gewünschte Farbe. Circa 60 Trompeten und Flügelhörner baut Martens gemeinsam mit seinen Mitarbeitern jedes Jahr in der Meisterwerkstatt. Musiker aus ganz Europa leisten sich Martens-Instrumente zum Stückpreis von 2.000 bis 5.000 Euro. Eine Trompete oder ein Flügelhorn aus der chinesischen Billigproduktion ist schon für einen Preis von 50 Euro zu kaufen. In Deutschland gibt es laut dem Deutschen Musikinformationszentrum 106 Industrie- und Handwerksbetriebe, die Metallblasinstrumente herstellen. Viele Musiker entscheiden sich aufgrund der Qualität für ein in Deutschland gefertigtes Instrument. Die Nachfrage bei Martens ist so groß, dass die Lieferzeit für ein Instrument ein Jahr beträgt.

Zufrieden betrachtet der Auszubildende Patrik Layher die Trompete, die er gerade bearbeitet hat, von allen Seiten. Dann beginnt er wieder mit dem Ausbeulen. Er ist mit der Reparatur eines alten Instruments beschäftigt. Die Auszubildenden lernen bei Martens nicht nur das Bauen von Flügelhörnern und Trompeten, sondern auch das Reparieren und Umbauen von sämtlichen Blas­instrumenten.

Ein Traumberuf für jeden Musikfanatiker

Seit der Gründung seines Betriebs bildet Martens aus. Es befindet sich immer mindestens ein Lehrling im Betrieb. So kamen, bis auf eine Ausnahme, alle bisherigen Mitarbeiter aus eigener Ausbildung. Wichtig ist ihm dabei auch, dass er schon vier Frauen ausgebildet hat. „Beide Geschlechter können gleich gut anpacken“, bemerkt Martens. Instrumentenmacher ist deshalb aus seinen Augen schon lange kein Männerberuf mehr.

Sein Großvater und sein Vater waren bereits leidenschaftliche Musiker. Deshalb war es für ihn als Kind selbstverständlich, beim örtlichen Musikverein die Trompete zu erlernen. Instrumentenbauer war sein Traumberuf. Deshalb schrieb er nach dem Abitur 110 Bewerbungen. Seine Ausbildung und seinen Meister absolvierte er in Ludwigsburg.
1995 war er bereit, sich selbstständig zu machen. Die Region Hohenlohe als Heimat seiner Frau war dafür ideal. "Hohenlohe war ein weißer Fleck für Instrumentenmacher", verrät Martens, denn "ein Instrumentenmacher braucht Platz, um sich herum". Direkte Konkurrenz direkt an einem Ort schade sich nur. Kunden nehmen die ländliche Lage selbstverständlich in Kauf. Sie müssen aus ganz Deutschland sowieso oft eine kleine Reise zu ihrem Ins­trumentenbauer unternehmen. In Schrozberg stand eine alte Lederwarenfabrik zum Verkauf. Direkt am Stadtrand mit großem Garten. Das war wie gemacht für ihn. Er hegt und pflegt leidenschaftlich seinen Garten und schafft damit einen ruhigen Ausgleich zu seinem von Musik geprägten Alltag. Denn er ist auch Dirigent eines Musikvereins und spielt die Tuba in verschiedenen Gruppen.

Momentan kostet ihn jedoch ein weiteres Projekt sehr viel Zeit. Vor fünf Jahren hat Martens sich einen leer stehenden Bauernhof gegenüber seines Hauses gekauft. Das Gehöft wird momentan ausgebaut. Mitten auf der Baustelle erzählt Martens mit strahlenden Augen, was daraus werden soll. Im ehemaligen Wohnhaus werden Feriengäste die die Region Hohenlohe genießen können. Im ehemaligen Strohstadel entsteht ein neuer Verkaufs- und Präsentationsraum. Hier sollen Schlaginstrumente ausgestellt und von den Kunden getestet werden. Das Erdgeschoss entwickelt sich zum großen Veranstaltungsraum für Workshops und Konzerte. Den Keller hat Martens mit seiner Frau selbst ausgebaut. Das Zusammensitzen und Fachsimpeln der Musiker nach den Workshops wird im Gewölbekeller der krönende Abschluss von so manchem Workshop werden. Hier verbinden sich wieder alle Hobbys von Klaus Martens, denn es wird ein Schnaps aus Früchten aus dem eigenen Garten gereicht.