Bei einer Stippvisite in einem Dresdner Holzbau-Betrieb hört sich Olaf Scholz an, welche Sorgen sächsische Handwerksbetriebe und deren Mitarbeiter derzeit umtreiben. Jetzt muss der Kanzler nur noch liefern.

Es ist eine Reise des Bundeskanzlers in vermintes Gelände: Das Handwerk ist auf die Ampelkoalition im Allgemeinen und auf Olaf Scholz im Besonderen nicht unbedingt gut zu sprechen – vorsichtig formuliert. In Sachsen müssen die Sozialdemokraten um den Wiedereinzug in den Landtag bangen. In den jüngsten Umfragen rangieren sie derzeit bei rund sechs Prozent.
Scholz besucht in der Landeshauptstadt das Holzbau-Unternehmen Lepski und hört sich dort auch die Sorgen anderer Handwerksbetriebe an. Der Besuch ist eng durchgetaktet. Rundgang durch die Werkhalle, dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit Gespräch mit Mitarbeitern, anschließend Unterredung mit Obermeistern aus Bau- und Ausbaugewerken.
Scholz verspricht weniger Auflagen bei Aufstockungen
In der Halle will der Kanzler genau wissen, wie die Herstellung ganzer Holzwände funktioniert und wo sie verbaut werden. Derzeit in Kindergärten, Schulen oder bei Dachaufstockungen, erklärt Firmengründer Ralf Lepski. Der Gedanke an Aufstockungen gefällt dem Kanzler. Das sei sinnvoll, weil es Kosten spare. Dann verspricht er vor laufender Kamera: "Wir machen das jetzt noch einfacher." Künftig solle beim Aufstocken auf bestimmte Vorschriften – wie etwa die Pflicht zum Einbau eines Fahrstuhls – verzichtet werden können.
Nach Ansicht Lepskis müssten viel mehr Bauvorschriften vereinfacht und Bürokratie abgebaut werden. Außerdem wünscht er sich "klarere Rahmenbedingungen für das Handwerk". Viele Investoren seien zurückhaltend, weil sie nicht wüssten, wie es weitergehe. Auch seine Mitarbeiter treibt die wirtschaftliche Lage am Bau und ihre eigene wirtschaftliche Lage mit Blick auf die Rente um. Das machten sie im Gespräch mit dem Kanzler deutlich.
Ohne politischen Fahrplan lahmt das Unternehmenswachstum
Lepski hat seinen Betrieb 2006 in einer Garage gegründet. Mittlerweile beschäftigt er 31 Mitarbeiter. Darunter Tischler, Dachdecker, Dachklempner. Sein Unternehmen ist breit aufgestellt. Im vergangenen Jahr hat er einen Umsatz von 3,4 Millionen Euro erwirtschaftet. Seine Mannschaft baut nicht nur in Sachsen. Auch in der Hauptstadt ist sie unterwegs. In drei Jahren will er seinen Betrieb an seinen Sohn Felix übergeben.
Ob der denn seinen Meister gleich nach der Lehre gemacht hat, will Scholz vom Nachfolger wissen. "Gerade mal vier Monate lagen dazwischen", erklärt der 25-Jährige dem Kanzler. Auch der Sohn ist vom Holzbau begeistert. Er mag den nachwachsenden Rohstoff und will das Unternehmen weiter aufbauen. Doch so einfach ist das nicht. Die Baukonjunktur lahmt. Im Holzbau zwar nicht so stark wie in der ganzen Branche. Doch die ungewisse Zukunft macht auch den Lepskis Sorgen. "Wir bauen auch auf Ihre Hilfe als Bundeskanzler", sagt der Senior. Wenn es darum gehe, die nächsten Schritte des Unternehmenswachstums mit der Hausbank zu besprechen, müsse man wissen, wie es mit der Entwicklung im Land weitergehe.
Vertreter des Handwerks machen deutlich, wo es hakt
Wie schwer die Entscheidungen rund um die Unternehmensnachfolge sind, weiß Handwerkspräsident Jörg Dittrich. Auch deshalb fordert er "mehr Anschub für die Handwerkskonjunktur". Die aktuellen Zahlen zeigten nach unten. "Die momentanen Beschlüsse reichen nicht aus", sagte er nicht nur mit Blick auf die Baukonjunktur.
Auch die Obermeister nannten die Probleme beim Namen. "Ob Baukonjunktur, Energiewende, Fachkräftemangel oder Sozialabgaben, die Obermeister haben mit aller Deutlichkeit die Punkte angesprochen", berichtete Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Dresden. "Was offen bleibt, sind konkrete Schritte und ein genauer Liefertermin für die einzelnen Themen", fügt er hinzu.