Jakob Schöffel führt das Familienunternehmen Schöffel jetzt in der 8. Generation. Welche Schwerpunkte er setzen will und wo die Zukunft der Sparte Berufskleidung liegt, erläutert er im DHZ-Doppelinterview mit Thomas Bräutigam, Geschäftsführer von Schöffel Pro.

Herr Schöffel, sind Sie in Ihrer neuen Position angekommen?
Jakob Schöffel: Soweit ja. Es war kein Sprung ins kalte Wasser. Ich habe zum 1. April 2024 bei Schöffel in der Leitung unserer Group Services angefangen. Das ist der zentrale Verwaltungsbereich für alle drei Markteinheiten Schöffel Sport, Tec und Pro. Schrittweise kam dann mehr Verantwortung dazu, so dass die Übernahme der Geschäftsleitung zum 1. Februar nur noch ein logischer Schritt war.
War für Sie immer klar, dass Sie in Ihr Familienunternehmen einsteigen möchten?
Jakob Schöffel: Es war nicht immer klar. Meinen ersten Job hatte ich bei Schöffel 2004, als ich bei unserem 200-jährigen Firmenjubiläum die Kinder-Skikollektion präsentieren durfte (im Alter von 5 Jahren, Anm. d. Red.). Später habe ich dann Ferienjobs oder Projektarbeiten gemacht. Ich wollte eigentlich Physik studieren, aber weil ich mit dem Unternehmen aufgewachsen bin und es mich immer sehr interessiert hat, habe ich mich dann doch für Betriebswirtschaft entschieden. Während meines Studiums in St. Gallen habe ich immer wieder Einblick ins Unternehmen bekommen. Insbesondere über unseren Beirat, wo ich langfristige Entscheidungen begleiten durfte. Schöffel Pro lag mir da schon immer am Herzen.
Was übernehmen Sie als Chef des Unternehmens von Ihrem Vater?
Jakob Schöffel: Schöffel steht auf soliden Werten: Kundenorientierung, Qualität, Passform, Zuverlässigkeit und emotionale Werte. Diese Werte anzufassen, wäre nicht richtig. Schließlich sind wir damit seit über 200 Jahren erfolgreich. Ich möchte aber das eine oder andere modernisieren und den Touch der nächsten Generation einbringen. Das zeigt sich in Prozessen, Digitalisierung, Systemen, Kultur und Führungsstil.
Was unterscheidet Ihren Führungsstil von dem Ihres Vaters?
Jakob Schöffel: Wir haben ganz andere Ausgangsbedingungen. Mein Vater ist 35 Jahre in der Textilbranche erfolgreich gewesen, hat die Entwicklung der Branche, so wie sie heute ist, miterlebt und mitgestaltet. Diese Erfahrung bringe ich nicht mit. Mein Vorteil ist allerdings, dass ich unvoreingenommen auf alles schauen und Dinge hinterfragen kann. Mein Stil ist eher, kollaborativ zu führen.
In welche Bereiche wollen Sie den Touch der neuen Generation einbringen, wie Sie sagen?
Jakob Schöffel: Ich komme aus der digitalen Generation und die Digitalisierung begleitet uns kontinuierlich weiter. Hier investieren wir gerade viel. Als Unternehmen müssen wir sicherlich auch einen kulturellen Wandel vollziehen. Die Textilbranche war immer stabil und hat in ähnlichen Zügen funktioniert. Heute ist die Welt aber viel schnelllebiger. Wir müssen lernen, adaptionsfähig zu werden und Wandel zügig umzusetzen. Aber ich will mit der Diversifikationsstrategie, die wir bei Schöffel Pro, Sport und Tec fahren, auch Sicherheit schaffen.
Wo werden Sie digitaler im Unternehmen?
Jakob Schöffel: Am Ende ist das Ziel immer, die Kundenorientierung zu erhöhen. Um das nach außen zu verbessern, arbeiten wir gerade insbesondere an internen Prozessen. Beispielsweise führen wir ein neues Product Lifecycle Management-System ein und integrieren die Software Salesforce im ganzen Unternehmen. Zusammen mit unserem ERP-System [Software zur Ressourcenplanung] ist das Ziel, intern Prozesse schneller zu verarbeiten und Kapazitäten frei zu schaffen, um kreativ zu sein und mit den Kunden in Kontakt treten zu können.
Das ist viel Verantwortung, denn dabei kann ja einiges schief gehen, was Kapazitäten und Kosten angeht.
Jakob Schöffel: So ist es. Wir legen sehr viel Wert auf Vorbereitung. An die beiden großen Systemumstellungen sind wir mit Weitblick herangegangen, mit mehr Vorbereitungs- als Einführungszeit. Die Umstellung zweier so zentraler Systeme birgt auch die Chance, die Art und Weise, wie man arbeitet, umzustellen. Und die wollen wir auf jeden Fall nutzen.
Schöffel Pro wurde 2022 gegründet. Sind Sie, Herr Bräutigam, als Geschäftsführer mit der Entwicklung zufrieden?
Thomas Bräutigam: Wir befinden uns weiterhin in der Aufbauphase und wir fühlen uns sehr wohl. Als junges Unternehmen haben wir den Vorteil, dass wir Kunden gewinnen und nicht verteidigen müssen. Natürlich müssen wir die Herausforderungen meistern: das Team aufbauen, uns um Sales-Power kümmern, ins Marketing investieren und nicht zuletzt brauchen wir die passende Produktpalette. Wir sind jetzt knapp 50 Leute, die für Schöffel Pro arbeiten.
Arbeiten Sie in der Produktentwicklung weiterhin mit Handwerkern zusammen?
Thomas Bräutigam: Ja, insbesondere Neuprodukte werden von Handwerkern auf Herz und Nieren geprüft – von der Passform über die Benutzerfreundlichkeit hin zu den Funktionen, die eine Arbeitshose bieten muss. Diese Betriebe sind schon von der ersten Minute an dabei. Wir arbeiten aber auch mit unabhängigen Instituten zusammen, wenn es um Materialtests geht.
Was melden Kunden Ihnen zurück?
Thomas Bräutigam: Die Basics müssen natürlich stimmen. Das Feedback unserer Kunden macht sich dann eigentlich immer an drei Punkten fest: Tragekomfort, Optik und Haltbarkeit. Die Rückmeldung der testenden Handwerker fließt innerhalb von Tagen ein und wir können ihnen beispielsweise die neue Hose sofort wieder zur Verfügung stellen und sagen, "Probiert mal, so ist es besser".
Wie schätzen Sie den Markt für Berufskleidung gerade ein?
Jakob Schöffel: Als Premium-Anbieter spüren wir natürlich, dass die Zeiten leichter sein könnten. Viele Unternehmen überdenken ihre Kosten, auch ihre Kosten für Berufskleidung. Aber die Stimmung scheint sich ja gerade zu drehen und wir haben die Hoffnung, dass es mit der Konjunktur wieder bergauf geht. Grundsätzlich sind wir mit der Entwicklung im Markt für Berufskleidung zufrieden.
Thomas Bräutigam: Und es gibt einen gegenläufigen Trend: Tragekomfort, Employer-Branding, Mitarbeiterzufriedenheit. Diese Faktoren sind konjunkturunabhängig, als Premium-Marke können wir sie aber mit beeinflussen. Unternehmen brauchen Mitarbeiter und zufriedene Mitarbeiter sind heute wertvoller denn je.
Worauf liegt Ihr Fokus bei der Berufskleidung in der Zukunft?
Thomas Bräutigam: Persönliche Schutzausrüstung PSA, Warnschutz- und UV-Schutzkleidung sind relevante Segmente. Und alles rund um die Baubranche mit all ihren Gewerken. Durch die Klimaerwärmung kann UV-Schutz zu einem Megatrend werden, wenn wir den CO2-Ausstoß nicht reduzieren. Wir müssen schon heute dafür sorgen, dass die Menschen, die beispielsweise auf dem Dach arbeiten oder eine Fassade streichen, dort in langärmliger Bekleidung stehen, die sie vor UV-Strahlen schützt.