Der 17. Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Schnee, Eis und Konfetti in der BayArena

Ein vermeintliches Schnäppchen, eine rüstige Jubilarin und ein Rekordabsteiger auf der Jagd nach einer neuen Bestmarke. Der Ligakommentar von Stefan Galler

Schnee, Eis und Konfetti in der BayArena

Meisterbetrieb: Exzessive Fete im Schnee

Bei Eis und Schnee wurde ein paar Tage vor Weihnachten der Bundesliga-Herbstmeister gekrönt: Es ist Bayer Leverkusen, zum zweiten Mal in der Klubhistorie übrigens. Meister war die Werkself bekanntlich noch nie, dabei ist in 66 Prozent der Fälle der Winterchampion auch am Ende der Saison oben gestanden. Vielleicht klappt es ja diesmal, vorsichtshalber haben die Leverkusener aber schon nach dem 3:2-Erfolg gegen Mönchengladbach am Samstag gefeiert, als wäre die Saison schon ganz durch. Konfetti regnete durch die BayArena, die Spieler ließen es richtig krachen und schrien ihre Freude heraus.

Zumindest diese Sause kann den Rheinländern keiner mehr nehmen, auch wenn am Ende der Spielzeit wieder keiner ins Möbelhaus fahren muss, um einen Trophäenschrank zu kaufen. Vor allem Toni Kroos wurde nach seinem ersten Bundesliga-Doppelpack gegen die Gladbacher geherzt ohne Ende. Allerdings bleibt aus Bayer-Sicht weiterhin zu befürchten, dass er im Sommer wieder nach München abberufen wird.

Doch das trübte die gute Laune bei den weiterhin ungeschlagenen Leverkusenern am Samstag ebenso wenig wie ein Fehlalarm der Brandmeldeanlage im Stadion während der Herbstmeisterfeier. Da mussten dann alle Fans das Stadion verlassen und durften nach 21 Minuten wieder rein. Nur gut, dass Leverkusen nicht so viele Anhänger und ein kleines Stadion hat, bei Dortmund oder Bayern wäre das logistisch dann doch ein bisschen schwieriger geworden. Aber dort feiert man ja auch keine Herbstmeisterschaften.

Gesellenstück: Auf das Kleingedruckte achten!

Mit der Herbstmeisterschaft ist es zwar nichts mehr geworden, aber die Stimmung bei den Bayern ist pünktlich zum Fest der Liebe auf dem Siedepunkt. 5:2 gegen die ligaweit als Schlachtopfer gern gesehene Berliner Hertha, macht nach dem 4:1 in Turin und dem 5:1 in Bochum eine satte Quote von 14:4 Toren und drei Siegen in den letzten drei Spielen. Da kann man schon mal eine Runde Würstel ausgeben, wie das Neu-Präsident Uli Hoeneß vor dem Spiel in der Arena gemacht hat.

Die Fans waren begeistert, die Kioskbetreiber im Stadion vermutlich weniger. Kommt gottseidank nicht alle Tage vor, dass ihnen ausgerechnet der sonst in Wirtschaftsfragen so findige Ex-Manager deftige Umsatzeinbrüche beschert. Apropos Bescherung: Eine solche wollen die Bayern auch einem schnell entschlossenen Verein bereiten, der sich mit einem groß gewachsenen italienischen Stürmer verstärken möchte. Luca Toni sei zum Nulltarif zu haben, ließ Hoeneß am Wochenende verlauten. Klingt nach Schnäppchen, aber wie so oft muss man auch das Kleingedruckte lesen, um den Durchblick zu bekommen.

Als da wäre: 1) Der Spieler T. wechselt zu keinem Verein, der von einem Niederländer trainiert wird. 2) Der Spieler T. wechselt nur in Metropolen, von denen aus er mit seinem 450-PS-Sportwagen in weniger als fünf Stunden zu Hause bei Mamma in Modena sein kann. 3) Der Spieler T. wechselt nur in Metropolen mit exzessivem Nachtleben. Und 5) Das Gehalt des Spielers T. ist von seinem neuen Verein zu bezahlen und beträgt ca. 10 Millionen Euro per Annum. Spätestens nach der Lektüre von 5) dürfte der Kreis der Interessenten ganz schnell schrumpfen.

Erstes Lehrjahr: Neuer Titel für den Motivationsguru

Die rüstige Jubilarin zeigt sich derzeit trotz ihrer 100 Jahre sexy wie lange nicht mehr: Borussia Dortmund überwintert auf Tabellenplatz fünf – vor Pokalsieger Bremen, Meister Wolfsburg und anderen Ligagrößen. Das ist natürlich auch das Verdienst von Trainer Jürgen Klopp, diesem umtriebigen Motivationsguru, der sich für die letzten Wochen vor der Winterpause wieder mal etwas ganz Spezielles einfallen hatte lassen: "Vor sieben Spielen habe ich der Mannschaft gesagt: Wir wollen Meister dieser sieben Spiele werden. Das ist uns gelungen“, sagte Kloppo nach dem 1:0-Sieg am Samstag gegen Freiburg.

Da werden sich die Freunde aus Schalke freuen: Sie selbst sind ja seit 2001 Meister der Herzen, der BVB trägt nun den Titel "Meister der letzten sieben Spiele vor Weihnachten 2009“. Da sind noch einige Ehren zu vergeben: Wie wäre es mit "Meister der ersten acht Minuten eines Spieltags“ oder auch "Meister der spätesten gelben Karten einer Partie“. Merkwürdiges Völkchen, diese Schwarz-Gelben. Das hat man dann auch gesehen, als die Feierlichkeiten zum Klubjubiläum in der Nacht zum Sonntag im totalen Chaos endeten: 200 betrunkene Randalierer nahmen die halbe Stadt auseinander und zündeten einen Polizeiwagen an. So benimmt man sich wahrlich nicht auf der Geburtstagsfeier einer Seniorin. Da mag die noch so rüstig sein.

Zwei linke Hände: Der Fahrstuhl nimmt Fahrt auf

Wem selbst die unsagbar schwache Offensive des 1. FC Köln drei Tore einschenkt – und das auf einem dick gefrorenen Schneeboden, der hat in Liga eins eigentlich nicht viel verloren. Und so nimmt der Fahrstuhl wieder ordentlich Fahrt auf. Drin sitzt – wie fast jedes Jahr – der 1. FC Nürnberg. Nach dem Aufstieg im Sommer geht es nun zur Abwechslung wieder mal nach unten. Zuletzt mussten die Clubberer ihren Titel "Rekordabsteiger“ ja mit Arminia Bielefeld teilen, doch nun zeichnet sich ab, dass die Franken demnächst zum achten Mal den Gang in die Zweitklassigkeit antreten könnten und dann diese Wertung wieder alleine anführen würden.

Denn das Schöne dabei ist, dass die Arminia in diesem Jahr keine Chance hat, es den Nürnbergern gleichzutun, sie sind nämlich erst letzte Saison abgestiegen. Da man beim FCN offenbar der Meinung ist, dass "Rekordabsteiger“ keine tolle Bezeichnung ist, versuchen die Verantwortlichen mit aller Macht, das Ruder noch herumzureißen. Trainer Michael Oenning dürfte nach der Präsidiumssitzung am Montag seinen Job los sein, auch wenn Präsident Franz Schäfer lieber zehn bis 12 "nicht bundesligataugliche“ Profis rausschmeißen würde.

Sportdirektor Martin Bader soll auch schon mit einem potentiellen Nachfolger im Dialog stehen. Schön ist doch, dass ausgerechnet in dieser veritablen Krise auch der im Juni abgetretene Ex-Präsident Michael A. Roth noch ein paar Breitseiten abfeuert. In einem Interview sagte er über die neue Klubführung: "Wie gut oder schlecht sie arbeiten, kann man ja an der Tabelle ablesen.“ Schäfers Antwort kam prompt: Er attestierte Roth "Altersdemenz“ und erinnerte daran, dass ihm der Teppichhändler die Geschicke der Nürnberger nebst 5,8 Millionen Euro Schulden übergeben hatte. Jeder gegen jeden – nichts wirklich Neues bei den Abstiegsexperten.