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Seit 70 Jahren bekannt für Modeschmuck Schmuck aus Neugablonz: Filigrane Tradition

Neugablonz bei Kaufbeuren ist seit 70 Jahren ein Zentrum für Schmuck und Glaskunst. Die Staatliche Berufsfachschule bildet den Nachwuchs in Vollzeit aus.

Gablonz in Nordböhmen war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Zentrum der Glas- und Schmuckindustrie. Bekannt für die Glasdrücktechnik. Als die Deutschen vertrieben wurden, blieben die "Gablonzer" als Gruppe zusammen, um ihre Lebensgrundlage zu erhalten. So kam es, dass sich in Neugablonz bei Kaufbeuren ein neues Zentrum für Schmuck und Glaskunst ansiedelte.

Heute, 70 Jahre später, gehören rund 75 Betriebe mit 1.500 Mitarbeitern dem Bundesverband der Gablonzer Industrie an, auch Handwerksbetriebe wie C. Hübner Kunststoffspritzguss und Kunststoffgalvanik. Das Unternehmen ist heute hauptsächlich als Hersteller von Sanitärprodukten und Zulieferer für die Automobilindustrie tätig. "Modeschmuck spielt bei uns leider nur noch eine kleine Rolle", sagt Geschäftsführer Thomas Hübner.

Ein Einkaufsshop und die "Erlebnisausstellung" befinden sich im Haus der Gablonzer Industrie, aber "typischerweise wird der Schmuck auftragsbezogen und in Handarbeit gefertigt", sagt Thomas Nölle, Geschäftsstellenleiter des Bundesverbandes Gablonzer Industrie. Beispielsweise für Dior.

Wickeln von Glasperlen

Um Fachkräfte anzulernen, wurde 1947 die Staatliche Berufsfachschule für Glas und Schmuck in Neugablonz gegründet. Drei Jahre dauert hier die Berufsausbildung in Vollzeit. Vier Berufe, Glas- und Porzellanmaler, Goldschmied, Graveur und Silberschmied, können erlernt werden. Der Abschluss etwa zum staatlich geprüften Goldschmied ist dem Gesellenbrief gleichgestellt. "Wir legen Wert auf eine solide handwerkliche Ausbildung", sagt Norman Weber, kommissarischer Schulleiter.

In der Tradition der Gablonzer Industrie lernt heute noch jeder Schüler im ersten Lehrjahr das Wickeln von Glasperlen am offenen Lampenfeuer. Auf der handwerklichen Basis öffnet sich die Berufsfachschule aber auch additiven Verfahren und nimmt digitale Fertigungstechniken in die Ausbildung auf. Stahlgraveurin Anne Menzel war die beste Absolventin ihres Jahrgangs 2013. "Wir haben in der Ausbildung fast ausschließlich nach Eigenentwürfen gearbeitet, das hat mir besonders gut gefallen", sagt Anne Menzel. In ihrem Atelier im Haus des Bundesverbandes designt sie Schmuck aus Glas und Porzellan. "Meine große Leidenschaft ist der Schmuck." Jedes Stück ist ein Unikat aus ihrer Hand.

Informationen

Mehr über die Geschichte des Schmucks in Neugablonz:

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