Ausbildungsserie Schluss mit Chaos: So führen Sie einen Azubi-Versetzungsplan ein

Fehlt ein Versetzungsplan, droht Chaos bei den Azubis. Kolumnist Peter Braune erklärt an einem fiktiven Beispiel, wie eine neue Ausbilderin die Organisation verbessert.

Frau lacht und steht vor Clipboard
Mit Engagement und Weitblick: Eine Teamleiterin setzt sich für klare Strukturen und eine zukunftssichere Ausbildungsorganisation ein. - © Daniel Laflor/peopleimages.com - stock.adobe.com

Ein Handwerksbetrieb bildet jährlich drei Kaufleute für Büromanagement aus. Durch eine Kooperation mit einer nahegelegenen Schule und die Bereitstellung regelmäßiger Praktikumsplätze sichert sich der Betrieb zuverlässig Bewerbungen. Zusätzlich stellt er jährlich zwei Ausbildungsplätze über einen regionalen Ausbildungsverbund bereit. Die Ausbildung wird von Ausbildungsbeauftragten in den Fachbereichen unterstützt. Mit dem Ruhestand der langjährigen Ausbilderin wird eine neue Fachkraft eingestellt.

Chaos ohne klaren Fahrplan

Schon kurz nach ihrer Probezeit stellt die neue Ausbilderin fest, dass trotz strukturierter individueller Ausbildungspläne ein übergreifender Versetzungsplan für die Lehrlinge fehlt. Sie sieht sich mit einer Vielzahl kurzfristiger und teils unvorhersehbarer Aufgaben konfrontiert, die den Ablauf stören:

  • Ein Lehrling für Buchführung fällt wegen einer Sportverletzung aus.
  • Kurzfristige Praktika im Lager, Marketing oder Personalbereich müssen organisiert werden.
  • Ausbildungspläne müssen wegen Urlaub angepasst werden.
  • Ein Lehrling wird zur vorzeitigen Prüfung angemeldet, ein anderer bricht ab.
  • Fünf technische Lehrlinge sollen zusätzlich Einblicke in die Verwaltung erhalten.

Im Monatsgespräch mit dem Meister betont die Ausbilderin die Dringlichkeit eines strukturierten Versetzungsplans. Dieser würde es ermöglichen, Lernorte und -abläufe gezielter sowie flexibler zu organisieren, was sie als wichtigen Beitrag zu qualitätsorientiertem Lernen sieht.

Herausforderungen und Vorteile der Planung

Die neue Ausbilderin erkennt, dass die Erstellung eines solchen Plans Herausforderungen mit sich bringt. Dazu zählen:

  • Unterschiedliche Anforderungen und Bedürfnisse der Beteiligten.
  • Verfügbarkeit von Ausbildungsplätzen und -personal.
  • Unvorhersehbare Ereignisse, die regelmäßige Anpassungen notwendig machen.

Ein gut durchdachter Versetzungsplan schaffe jedoch Klarheit für alle Beteiligten und ermögliche eine effizientere sowie besser abgestimmte Gestaltung der Ausbildungsabschnitte.

Was ein Versetzungsplan regeln muss

Der Plan soll auf dem betrieblichen Ausbildungsplan basieren und festlegen, wann Bereichswechsel stattfinden. Berücksichtigt werden sollen unter anderem:

  • Persönliche Daten der Lehrlinge.
  • Ausbildungsdauer und verfügbare Lernorte.
  • Kompetenzen, Interessen und Verfügbarkeiten aller Beteiligten.
  • Berufsschulzeiten, externe Maßnahmen, gesetzliche Vorgaben.
  • Urlaubs- und Krankheitszeiten.
  • Prüfungs- und Entwicklungsphasen.
  • Nutzung digitaler Plattformen.

Die Ausbilderin plant, den Versetzungsplan regelmäßig zu überprüfen, Feedbackgespräche mit dem Meister und den Lehrlingen zu führen und Lernfortschritte kontinuierlich zu beobachten, um bedarfsgerechte Anpassungen vorzunehmen.

Technische Umsetzung und Zuständigkeiten

Die Pflege und Änderung des Versetzungsplans soll ausschließlich der neuen Ausbilderin obliegen. Zugriff erhalten nur autorisierte Personen, darunter die betroffenen Lehrlinge, Praktikanten und Teilnehmer des Ausbildungsverbunds. Änderungen sollen automatisch per E-Mail kommuniziert werden.

Eine detaillierte Anforderungsliste für ein entsprechendes Programm hat die Ausbilderin dem Meister bereits übergeben. Diese umfasst die Verwaltung von:

  • Persönlichen Daten und Verfügbarkeiten.
  • Ausbildungszielen und Inhalten.
  • Zeitplanung und Abwesenheiten.
  • Gesetzlichen Rahmenbedingungen.
  • Möglichkeiten zur Weiterentwicklung.

Der Meister zeigt sich überzeugt und hat umgehend einen Programmierer mit der Umsetzung beauftragt.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.