Versorgungsinfrastruktur Schlechtes Netz hemmt alternative Antriebe

Die Bundesregierung möchte mehr E-Autos auf Deutschlands Straßen bringen. Doch ohne besser zugängliche Lademöglichkeiten wird das kaum gelingen. Probleme im Versorgungsnetz gibt es auch bei anderen alternativen Antrieben – und Fortschritte.

Alternativen zu Benzin und Diesel: Das Netz mit Autogas-Tankstellen ist vergleichweise gut ausgebaut. - © Foto: Petra Beerhalter/Fotolia

Am Montag meldete der Hamburger Energie-Informationsdienst (EID), dass das Tankstellennetz in Deutschland schrumpft. Gegenwärtig versorgen hierzulande 14.622 Tankstellen Autofahrer mit Benzin und Diesel. Das sind 56 weniger als noch vor einem Jahr.

Doch im Vergleich zu den Lade- und Tankmöglichkeiten anderer Antriebsarten zeigt sich die Infrastruktur für herkömmliche Verbrennungsmotoren weiterhin stabil. Niemand muss fürchten, dass der Sprit nicht mehr bis zur nächsten Zapfsäule reicht. Selbst wenn auf Reserve gefahren wird und die Tanknadel schon im roten Bereich ist, genügt die verbleibende Reichweite in den allermeisten Fällen bis zur nächsten Tankmöglichkeit.

Wasserstoff tanken: mehr Reichweite

Probleme gibt es dagegen bei den Elektroautos. Zwar fördert der Staat den Kauf von E-Fahrzeugen bzw. befreit sie in den ersten Jahren von der Kfz-Steuer und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt hat erst kürzlich angekündigt, den Fahrern von Elektroautos Privilegien im Straßenverkehr zuzusichern. Ohne ausreichend Lademöglichkeiten bringen diese Initiativen den Ausbau der Elektromobilität aber schwer voran. Am Ziel, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen zu bringen, hält die Bundesregierung fest.

So bremst die mangelnde Infrastruktur die Verbreitung von Elektroautos. Wer nicht zu Hause über eine Garage oder zumindest eine Einfahrt mit Steckdose verfügt, für den dürfte die Anschaffung eines E-Autos bislang wenig sinnvoll erscheinen. Denn die Anzahl der öffentlichen Ladepunkte in Deutschland ist derzeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Rund 4.400 öffentlich zugängliche Ladepunkte ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Oktober 2013 bei einer Umfrage unter seinen Mitgliedern. Das klingt nach viel angesichts der lediglich gut 10.000 Autos mit E-Antrieb, die sich mittlerweile auf deutschen Straßen bewegen.

Doch ist dabei noch nicht berücksichtigt, dass ein Stromladevorgang im besten Fall 20 Minuten dauert, meist aber mehrere Stunden. Hinzu kommt: Die Ladepunkte befinden sich selten in Wohngebieten, wo Autos bequem über Nacht laden könnten. Außerdem erreichen E-Autos mit einer Batterieladung einen Aktionsradius von oft nicht mehr als 100 bis 150 Kilometern.

In Sachen Reichweite könnten E-Autos, die Wasserstoff tanken, eine Lösung sein. Asiatische Hersteller bewegen Autos, die ihren Strom mittels Brennstoffzelle an Bord selbst erzeugen, gerade in die Startlöcher. Die Krux liegt aber wieder in der Infrastruktur: Derzeit gibt es bundesweit etwas mehr als 30 Wasserstofftankstellen, so der Deutsche Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Verband (DWV). Laut der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (Now) sind davon auch nur 15 öffentlich zugänglich.

Innerhalb der kommenden Jahre könnten es allerdings deutlich mehr werden. Bis 2015 werden es nach Angaben von Now 50 H2-Tankstellen sein. Dabei würden vorrangig die Metropolregionen versorgt, aber auch sogenannte Korridore mit entsprechenden Zapfsäulen entlang von Autobahnen geschaffen.

Das Wasserstoffauto hat einen Vorteil und einen Nachteil: Einmal tanken dauert rund drei Minuten. Doch sind die Autos mit Brennstoffzelle an Bord noch einmal deutlich teurer als batteriebetriebene Stromer.

Tankstellen: Autogas besser als Erdgas

Schon besser ausgebaut ist dagegen das Versorgungsnetz mit Autogas-Tankstellen. Bundesweit gibt es mehr als 6.700 Tankstellen, die das verflüssigte Autogas LPG (Liquefied Petroleum Gas) im Angebot haben, informiert der Deutsche Verband Flüssiggas (DVFG).

Dadurch sollten Fahrer von LPG-Autos mit gängigen Reichweiten im reinen Gasbetrieb von 400 bis 700 Kilometern kein Problem mit dem Nachtanken haben. Denn LPG-Autos sind – so wie auch Erdgas-Fahrzeuge – in aller Regel bivalent ausgelegt: Sie können sowohl mit Gas als auch mit Benzin betrieben werden. Der Betrieb mit Gas ist in beiden Fällen wirtschaftlicher.

Mehr Planung erfordert die lange Fahrt mit einem Erdgas-Auto dennoch – zumindest, wenn der Fahrer möglichst wenig auf das teurere Benzin im zweiten Tank zurückgreifen möchte. Das Versorgungsnetz für Erdgas umfasst laut der Initiative erdgas mobil 919 Tankstellen, es ist also nicht so gut ausgebaut wie das für LPG.

Um möglichst nicht an der letzten Erdgas-Zapfsäule vorbeizurauschen, bevor das restliche Gas verbrannt ist, empfehlen sich spezielle Routenplaner, die Erdgas-Tankstellen ausweisen. Die Initiative erdgas mobil hat zum Beispiel eine App namens "A-Z Erdgastankstellen" im Angebot. Meist können geeignete Routen auch über werksseitig festverbaute Navigationsgeräte geplant werden. dhz/dpa