Elektrofahrräder: Schlechte Bremsen und Lenkerbrüche Schlechter Pedelec-Test: Praktiker nicht verwundert

Schlechte Bremsen und Lenkerbrüche – ein Test von Pedelecs kommt zu erschreckenden Ergebnissen. Ein Teil der Elektromotoren strahlt so stark, dass die Räder eigentlich nicht auf die Straße dürften. Oliver Legrand, Zweiradmechanikermeister und Ausbilder, wundert das Ergebnis nicht.

Alarmierend: Bei drei Modellen brach im aktuellen Pedelec-Test der Lenker. - © Foto: Stiftung Warentest

Mehr als die Hälfte der Elektrofahrräder ist bei einem Test von ADAC und Stiftung Warentest durchgefallen. Das gab die Stiftung Warentest am Dienstag in Berlin bekannt. Neun Fahrräder erhielten die Note "mangelhaft". Rahmen- und Lenkerbrüche, unzureichende Bremsen und eine erhöhte Strahlungsemission der Elektromotoren hätten im Test zu den schlechten Ergebnissen geführt. Zwei Räder erhielten die Note "gut", drei bewerteten die Tester mit "befriedigend" und zwei mit "ausreichend".

Insgesamt wurden 16 Pedelecs geprüft. "Das Ergebnis ist noch einmal schlechter als das des Tests vor zwei Jahren", sagte Holger Brackemann von der Stiftung Warentest. Damals erhielten von zwölf getesteten Elektrofahrrädern zwei die Note "mangelhaft", drei "ausreichend", vier "befriedigend" und drei "gut".

Strahlentest: Vier Modelle überschreiten die gesetzlichen Grenzwerte. - © Foto: Stiftung Warentest
9 von 16 Pedelecs fallen im Test durch

Zweirad-Industrie-Verband ist alarmiert

Im aktuellen Test brach bei zwei Modellen der Rahmen, bei drei anderen der Lenker. "Beide Schäden können in der Praxis mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass der Radler verunfallt", erklärte Brackemann. Die mechanischen Mängel hätten sich bei den Bremsen fortgesetzt. Drei Fahrräder mussten die Prüfer aufgrund unzureichender Bremsen abwerten.

Die schlechten Ergebnisse sind auch für den Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) alarmierend. Geschäftsführer Siegfried Neuberger sagte, man müsse nun aber erst einmal analysieren, woher die Mängel kommen. Bisher sei ihm nicht bekannt, dass solche Mängel in der Praxis verbreitet seien. "Mein Eindruck war eher der, dass die Unternehmen sehr viel investiert haben, um die Räder zu verbessern."

Logische Konsequenz aus der Fahrrad-Bauweise

Oliver Legrand, Zweiradmechanikermeister und Ausbilder an der Gewerbe Akademie Freiburg, kann das nicht bestätigen. Ganz im Gegenteil – ihn wundert das Test-Ergebnis nicht. Die Ergebnisse sind für ihn nur die logische Konsequenz aus der Bauweise der Pedelecs und der Verwendung von für den Zweck ungeeigneten Bauteilen. Die hochfrequenten Schwingungen beispielsweise würden die Schweißnähte an Rahmen und Steuerrohr schwächen, wenn die verwendeten Teile nicht dafür ausgelegt seien.

Auch die schwache Bremswirkung lasse sich erklären. Durch das höhere Gewicht des Rads und die durchschnittlich höhere Geschwindigkeit der Pedelecs müsse auch die Leistung der Bremsen wachsen. Die Pedelecs seien jedoch vielfach nicht mit den dafür notwendigen Scheibenbremsen ausgestattet.

Seite 2: Was die hohe Nachfrage nach Elektrofahrrädern für deren Entwicklung bedeutet.

Kaum Zeit für Pedelec-Entwicklung

Reichweitentest: Hier wird geprüft, wie lange der Akku hält. - © Foto: Stiftung Warentest
9 von 16 Pedelecs fallen im Test durch

Für Legrand ist das Testergebnis auch die Folge eines schnell wachsenden Marktes, auf dem die Hersteller gerade viel Geld verdienen können. "Es bleibt kaum Zeit für Entwicklung", sagt Legrand, der beim Bundesinnungsverband im Arbeitskreis Elektromobilität engagiert ist. Die Elektrofahrräder seien zum Teil das Ergebnis eines Spagats – zwischen einem möglichst leichten Fahrrad mit hoher Leistungsfähigkeit auf der einen Seite für immer größere und schwerere Menschen, die möglichst wenig Geld ausgeben möchten, auf der anderen Seite. Ein gutes Pedelec mit der entsprechenden Ausstattung muss nach Legrands Auffassung jedoch mindestens 2.500 Euro kosten. Wobei die getesteten Fahrräder aus dem höheren Preissegment stammen. Der Großteil kostet zwischen 2.200 und 2.700 Euro.

Elektrofahrräder sind zunehmend gefragt: Mittlerweile sei jedes zehnte in Deutschland verkaufte Fahrrad ein Elektrorad, sagte Anita Stocker, Chefredakteurin der Zeitschrift "Test". Nach Angaben des ZIV wurden 2012 etwa 380.000 Stück verkauft – rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Insgesamt seien über 1,3 Millionen Elektroräder auf deutschen Straßen unterwegs. Damit gehöre Deutschland gemeinsam mit den Niederlanden zu den größten Märkten in Europa.

Komfort-Pedelecs am meisten verkauft

Pedelecs sind Fahrräder, bei denen ein Elektromotor den Radler unterstützt, solange er in die Pedale tritt. Solche Modelle mit einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h sind nicht versicherungspflichtig. Der Motor kann das Treten nicht ersetzen – im Gegensatz zu den schnelleren E-Bikes. Die Tester prüften sogenannte Komfort-Pedelecs, das sind Räder mit tiefem Durchstieg. Sie machen den Großteil der verkauften Modelle aus. dpa/fm