Bei Übermüdung leidet die Produktivität Schlafmangel kostet die deutsche Wirtschaft jährlich 56 Milliarden Euro

Schlafmangel und Übermüdung sind für deutsche Arbeitnehmer und -geber keine Seltenheit mehr. Eine neue Studie hat nun ergeben, dass der deutschen Wirtschaft durch übermüdetes Personal jährlich 56 Milliarden Euro verloren gehen. Doch nicht nur das: Wer im Durchschnitt weniger als sechs Stunden schläft, hat eine höhere Sterblichkeitsrate.

Wie eine aktuelle Studie zeigt, ist Schlafmangel nicht nur gesundheitsschädlich, sondern kostet die deutsche Wirtschaft auch jährlich viel Geld. - © rogerphoto/Fotolia.com

Arbeiten, einkaufen, kochen, eine Stunde Sport für die Bewegung, ein bisschen Meditation für die Gesundheit, Müll trennen, Zeit für die Familie, Nachrichten schauen, soziale Medien – Das alles in 16 Stunden zu packen, ist fast unmöglich. Um den Tag zu verlängern, wird häufig der Schlaf reduziert. Doch zu wenig Schlaf ist laut Wissenschaftlern ein echtes Gesundheitsrisiko: Wer im Durchschnitt weniger als sechs Stunden schläft, hat eine höhere Sterblichkeitsrate. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Denkfabrik Rand Europe. Dazu kommt: Der ungesunde Schlafmangel macht unproduktiver und kostet die deutsche Wirtschaft jährlich etwa 56 Milliarden Euro .

Schlafmangel führt zu Unproduktivität

Als gesunde, tägliche Schlafdauer werden s ieben bis neun Stunden Schlaf pro Nacht genannt. Eine Person, die im Schnitt weniger als sechs Stunden pro Nacht schläft, besitzt laut Studie ein 13 Prozent höheres Sterblichkeitsrisiko als jemand, der sechs bis neun Stunden schläft, erklären die Forscher. Bei Schlafzeiten zwischen sechs und sieben Stunden täglich ist die Sterblichkeitsrate noch sieben Prozent höher .

Ausreichend Schlaf ist die Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden

Dass die Schlafdauer immer weiter zurückgeht, liegt laut der Studie an den Bedingungen, die mit der modernen Gesellschaft einhergehen: Psychologischer Stress, Alkoholkonsum, Rauchen, weniger Sport und exzessives Nutzen der elektronischen Medien. Dabei ist der Schlaf für die Gesundheit, die Produktivität und das gesamte Wohlbefinden des einzelnen Menschen essentiell. Ein Mangel an Schlaf wirkt sich dementsprechend auch negativ auf die Gesundheit und den Erfolg im Arbeitsleben aus.

Andere Länder sind noch müder

Insgesamt verliert Deutschland durch übermüdetes Personal etwa 200.000 Arbeitstage pro Jahr. Zum Vergleich: Spitzenreiter ist die USA mit etwa 386 Milliarden Euro Verlust jährlich, das sind etwa 1,2 Millionen Arbeitstage. Großbritannien verliert hingegen nur 47 Milliarden Euro und 200.000 Arbeitstage. In Kanada gibt es die geringsten Verluste mit 20 Milliarden und 80.000 Arbeitstagen. Würden alle Person, die vorher weniger als sechs Stunden geschlafen hat, ab sofort zwischen sechs und sieben Stunden schlafen, könnte sie der deutschen Wirtschaft etwa 32 Milliarden hinzufügen .

Mit dem Schlaf werden Eindrücke des Tages sortiert

Für Wissenschaftler war lange ein Rätsel, wozu Schlaf überhaupt nütze ist. "Inzwischen wissen wir, dass Schlaf für das Gehirn wie eine Reinemachekraft wirkt. Dabei werden die Eindrücke des Tages sortiert und memoriert, gleichzeitig werden toxische Stoffe abgebaut, die im späteren Alter Demenz auslösen", sagt Natalie Dautovich, Professorin an der Virginia Commonwealth University, der "Welt". Dabei komme es nicht nur auf die Schlafdauer an, sondern auch auf die Qualität. "Schlaflose kommen in eine gefährliche Spirale. Je übermüdeter die Menschen sind, umso weniger nehmen sie die Übermüdung als Problem wahr."

Tipps, um den Schlafmangel abzubauen

Die Studienautoren geben auch Tipps, wie sich der Schlafmangel abbauen lässt. Demnach sollte man den Wecker möglichst immer zur gleichen Zeit stellen. Schädlich sei es, kurz vorm Zubettgehen das Handy oder den Computer zu nutzen. Das bläuliche Licht der Monitore würde den Körper in Aktivzustand bringen und das Schlafhormon Melatonin reduzieren. Außerdem könnten aufwühlende Inhalte die Schlafqualität beeinträchtigen. Dasselbe gilt für den Konsum von Koffein, Nikotin oder Alkohol am späten Abend.

Auch für Arbeitgeber haben die Autoren Tipps bereit. So sollten die Mitarbeiter möglichst nicht dazu angehalten werden, nach Feierabend noch Mails zu lesen oder andere Dokumente zu bearbeiten, denn Arbeitnehmer sollten auch mal Feierabend haben dürfen. Am besten wären festgelegte Zeiten, in denen keine Kommunikation stattfindet. Darüber hinaus sollten Arbeitsplätze heller gestaltet werden. aro