Schicksalstag für Hochtief: Der spanische Baukonzern ACS wird wohl am (morgigen) Donnerstag de facto die Macht bei Deutschlands größtem Baukonzern übernehmen. Denn es gilt inzwischen auch bei Hochtief als sicher, dass die Spanier auf dem Aktionärstreffen über eine deutliche Mehrheit verfügen werden und damit ihre Pläne für die Neuwahl des Aufsichtsrates durchsetzen können.
Schicksalstag für Hochtief
Essen (dapd). Schicksalstag für Hochtief: Der spanische Baukonzern ACS wird wohl am (morgigen) Donnerstag de facto die Macht bei Deutschlands größtem Baukonzern übernehmen. Denn es gilt inzwischen auch bei Hochtief als sicher, dass die Spanier auf dem Aktionärstreffen über eine deutliche Mehrheit verfügen werden und damit ihre Pläne für die Neuwahl des Aufsichtsrates durchsetzen können. Indirekt sichert ihnen das auch deutlich mehr Einfluss auf den Vorstand als bisher.
Insgesamt werden auf der Hauptversammlung in der Essener Grugahalle wohl nur gut 70 Prozent des Aktienkapitals vertreten sein. Das zeichne sich aufgrund der Anmeldungen ab, hieß es in Hochtief-Kreisen. Für die Spanier, die bereits über mehr als 43 Prozent der Hochtief-Aktien verfügen, ist damit der Weg frei, ihre Vorstellungen durchzusetzen.
Mit Abschluss des Aktionärstreffens werden deshalb aller Wahrscheinlichkeit nach die wichtigsten Widersacher von ACS in Vorstand und Aufsichtsrat ihre Posten räumen müssen. Allen voran: Konzernchef Herbert Lütkestratkötter. Er hat bereits angekündigt, den Chefsessel für seinen von den Spaniern unterstützten Nachfolger Frank Stieler freizumachen.
Und auch die ACS-kritischen Aufsichtsratsmitglieder - der BDI-Präsident und frühere Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel, der Aufsichtsratsvorsitzende Detlev Bremkamp, Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer und der frühere E.ON-Co-Chef Wilhelm Simson - dürften ihre Plätze im Kontrollgremium aufgeben müssen.
Der noch amtierende Aufsichtsrat hatte bis zuletzt Widerstand gegen die Übernahmepläne von ACS geleistet und auch bei seiner Kandidatenliste für die Neuwahl des Kontrollgremiums den Wunsch der Spanier nach mehr Einfluss ignoriert.
ACS hatte deshalb erst vor wenigen Tagen eine eigene Kandidatenliste präsentiert, in der die Kritiker nicht mehr vertreten sind. Stattdessen sollen nach dem Willen von ACS vier Vertretern der Spanier und ein Vertreter des Großaktionärs Katar in das Kontrollgremium einziehen. Daneben sollen als "unabhängige" Aufsichtsratsmitglieder der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Eggert Voscherau, der frühere Finanzvorstand der Deutschen Börse Thomas Eichelmann und der schon jetzt im Aufsichtsrat präsente ehemalige Continental-Chef Manfred Wennemer das Gremium komplettieren.
Angesichts der sich abzeichnenden deutlichen Hauptversammlungsmehrheit von ACS gilt es inzwischen als unwahrscheinlich, dass es in der Essener Grugahalle überhaupt noch zu einer Kampfabstimmung kommt. "Es wird keinen Eklat geben", hieß es zuletzt in Unternehmenskreisen. Eine letzte Möglichkeit zu einer Einigung oder einem gesichtswahrenden Rückzug für die Alt-Aufsichtsräte bietet sich auf einer Routinesitzung des Aufsichtsrates unmittelbar vor der Hauptversammlung.
Bei der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) stießen der erbitterte Streit um die Zusammensetzung des Aufsichtsrates auf deutliche Kritik. DSW-Geschäftsführer Marc Tüngler sagte der dapd: "Ich befürchte, dass dem neuen Aufsichtsrat immer ein Makel anhaften wird, weil er mit der Brechstange durchgesetzt wird."
Wenig Hoffnung macht Tüngler den Beschäftigten von Hochtief. "Es wird eine Schamfrist geben. Dann wird ACS durchmarschieren", meinte er. "Die gehen doch diesen steinigen Weg nicht, um am Ende nur ihr Rating ein kleines bisschen zu verbessern."
dapd
