Der nach eigenen Angaben in "massiven Schwierigkeiten" steckende fränkische Automobilzulieferer Schaeffler wirbt erstmals öffentlich um Unterstützung durch die Politik bei der Bewältigung der Übernahme des dreimal so großen Hannoveraner Continental-Konzerns.
Schaeffler ruft öffentlich um Hilfe – Soll sich der Bund beteiligen?
"Es geht bei unseren Gesprächen mit der Politik um eine zeitlich begrenzte Überbrückung in einer besonderen Ausnahmesituation für ein Unternehmen, das im Kern gesund ist", heißt es in einer Stellungnahme von Maria-Elisabeth Schaeffler und ihrem Sohn Georg.
Die Schaeffler Gruppe werde Bund und Ländern ein tragfähiges Konzept vorschlagen. "Wir sind uns dabei im Klaren, dass die Tragfähigkeit dieses Konzepts durch die zuständigen öffentlichen Stellen geprüft werden wird, um sicherzustellen, dass es im Rahmen dieser zeitlich befristeten Überbrückung nicht zu einer Belastung des Steuerzahlers kommt, und dass die Schaeffler Gruppe für diese Überbrückung die gesetzlich vorgeschriebenen Zinsen und Gebühren zahlen muss", hieß es weiter. Mit der Suche nach einem Investor ist Schaeffler indes gescheitert.
"Keine Heuschrecke"
Gleichzeitig verteidigte der Konzern die Übernahme von Continental und wies Vorwürfe zurück, sich dabei übernommen zu haben. Die Verbindung folge einem "unverändert richtigen industriellen Ansatz". "Wir sind unverändert davon überzeugt, dass die nächsten Jahre beweisen werden, wie erfolgreich die Verbindung von Schaeffler mit Continental sein wird", hieß es. "Wir sind keine Hasardeure, die sich verspekuliert oder verzockt haben", betonte Schaeffler. "Wir haben Schaeffler und Continental zusammengeführt, um gemeinsam einen neuen globalen Zulieferer zu schaffen", verteidigten die Gesellschafter ihre Pläne.
Das fränkische Familienunternehmen hatte sich mitten in der Wirtschaftskrise bei der Continental-Übernahme verhoben und steht nun mit rund zehn Milliarden Euro in der Kreide. Conti selbst sitzt seit dem Kauf der einstigen Siemens-Autozuliefersparte VDO auf einem ebenso hohen Schuldenberg und ist nach dem Kurssturz der Aktie nur noch knapp ein Fünftel dessen wert, was Schaeffler bezahlt hat. Die Herzogenauracher hatten daraufhin um eine vorübergehende staatliche Hilfe gebeten.
Schaeffler ist seit dem 8. Januar mit 49,9 Prozent Großaktionär des weltweit fünftgrößten Autozulieferers. Die Franken hatten zugesichert, ihren Anteil bis 2012 auf 49,99 Prozent zu begrenzen. Um die Vereinbarung nicht zu brechen, hatte der Wälzlagerhersteller knapp 40 Prozent der ihm im Rahmen des Übernahmeangebotes angedienten Aktien an die beiden Privatbanken Sal. Oppenheim und Metzler weitergereicht.
ddp