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Kreissäge kann kein Blut sehen Saw-Stop soll schwere Schnittverletzungen verhindern

Festool hat auf der Fachmesse "Bau" in München eine Kreissäge präsentiert, die keine Finger durchtrennt. Selbst eine Saitenwurst hielt dem Sägeblatt stand.

Der Witz vom Zimmermann, der in der Kneipe drei kühle Blonde für seine Kollegen bestellt, wirkt so schal wie abgestandenes Bier. Tatsache ist, dass viele Holzhandwerker nicht mit heilen Händen durch ihr Berufsleben kommen. Unfälle an Kreissägen passieren trotz aller Vorsichtsmaßnahmen immer wieder. Aber bald könnte eine neue Technik aus den USA die Fingerkuppen der Bauhandwerker schützen.

Das Zauberwort heißt Saw-Stop. Zur Fachmesse "Bau" in München führte der schwäbische Elektrowerkzeughersteller Festool vor, was sich zunächst unglaublich anhört. Sobald das rotierende Sägeblatt mit Haut statt Holz in Berührung kommt, stoppt die Säge und verschwindet mit einem gewaltigen Knall innerhalb von fünf Millisekunden unter dem Sägetisch. Mehr als ein Pflaster braucht es nicht, um die entstandene Wunde zu versorgen. Tiefe Schnittwunden könnten so in Zukunft vermieden werden, die Knochen bleiben unverletzt.

Schnell wie ein Airbag

Zur Demonstration verwendet Sascha Präuer von Festool sicherheitshalber ein Saitenwürstchen statt seiner Finger, denn bei der Kreissäge handelt es sich noch um einen Prototypen, der nicht vor 2020 marktreif sein soll. Das Erstaunen bei den Zuschauern ist trotzdem groß. Alles funktioniert wie zuvor beschrieben. Der winzige Riss in der Wursthaut wird erst beim Betrachten aus nächster Nähe überhaupt sichtbar. Was ist passiert?

Unter dem Tisch verbirgt sich ein massiver Keil aus Aluminium, der in das Sägeblatt gerammt wird und dieses abrupt stoppt. Die kinetische Energie des Bremsvorgangs sorgt dafür, dass sich das Sägeblatt absenkt. Eingeleitet wird der Vorgang durch einen elektrischen Impuls. Weil am Sägeblatt ein leichter Strom anliegt, kann es leitende von nicht leitenden Materialien unterscheiden. Bei Holz läuft die Säge weiter, während eine leitende Flüssigkeit eine kleine Explosion auslöst und eine starke Feder den Alukeil ins Sägeblatt katapultiert. Und das alles in einer Geschwindigkeit, die man vom Airbag im Auto kennt.

Bosch Powertools entwickelt ähnliche Technik

Entwickelt wurde Saw-Stop im gleichnamigen Unternehmen in Tualatin, Oregon. Vor anderthalb Jahren wurde die amerikanische Firma mit mehr als 60 Mitarbeitern und rund 40 Millionen US-Dollar Umsatz von der TTS-Gruppe übernommen, der Muttergesellschaft von Festool in Wendlingen. Seither arbeitet Festool daran, die Saw-Stop-Technik an die eigenen Tischkreissägen anzupassen.

An einer ähnlichen Technik zum Schutz der Hände an Kreissägen tüfteln auch die Entwickler von Bosch Powertools. Der Marktstart in Europa sei schon geplant, nähere Angaben zum Termin wollte das Unternehmen allerdings nicht machen. Holzhandwerker dürfen aber davon ausgehen, dass es in Zukunft Tischkreissägen geben wird, die beim ersten Tropfen Blut eine Vollbremsung einlegen.

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