Saubere Chancen zum Sparen

Vier Schlüsselfaktoren für die wirtschaftliche Betriebsreinigung

Von Wilhelm Pfeuffer

Saubere Chancen zum Sparen

Die Betriebsreinigung gilt als Rationalisierungskandidat mit Zukunft. Wie lassen sich steigende Sauberkeitsansprüche qualitätssicher und effizient einlösen?, lautet die Gretchenfrage. Mit Blick auf die Großflächenpflege erläutert die nachstehende Merkliste die vier zentralen Erfolgsfaktoren zur Realisierung preiswerter Topsauberkeit.

Schlüsselfaktor 1:
Instruktive Kalkulation

Grundvoraussetzung zielsicherer Kostensteuerung ist ein modernes Kalkulationssystem, das die Verbrauchsstruktur detailliert abbildet. Anhand der Funktionskostenstelle „Betriebsreinigung“ sind die relevanten Aufwendungen separat nachzuweisen. Der zweckdienliche Kontenrahmen differenziert nach

- Personaleinsatz (Hilfslöhne, Fremdentgelte),

- Reinigungs-, Pflege-, Desinfektionsmittel,

- Zubehör- und Kleinmaterialverschleiß,

- (Heiß-)Wasser einschließlich Abwassergebühr,

- Energie (Strom- und Spritverbrauch, Batterien),

- spezielle Schmutzentsorgung/-aufbereitung,

- Instandhaltung des technischen Equipments,

- Abnutzung von Handgeräten und Maschinen,

- kalkulierte Verzinsung auf Ausrüstung und Magazin,

- belastete Umlagen (Pauschale für Putzraum etc.).

Die Weiterverarbeitung dieser Primärdaten liefert Kostenaussagen über einzelne Reinigungsmaßnahmen, Bedarfsstellen (Gebäude, Areale, Inventarstücke etc.), Kostenplätze (zum Beispiel Aufsitzscheuersauger, Nasszelle), Hilfseinrichtungen (Putzkammer, Wasseraufbereitungsanlage etc.) und Verfahren (Hochdruckreinigung, Kehrsaugen etc.). Anhand eines derart transparenten Kalkulationsbilds verfügt das Management über wertvolle Orientierungshilfen zur Verfahrens- und Geräteevaluierung, für Rationalisierungs- und Investitionsmaßnahmen sowie zur Budgetierung und für zwischenbetriebliche Vergleiche im Rahmen von Erfahrungskreisen.

Schlüsselfaktor 2:
Straffe Zeitwirtschaft

Da generell über 80 Prozent der Reinigungskosten auf Hilfslöhne entfallen, hat der sparsame Umgang mit dem Inputfaktor Arbeitszeit höchste Priorität. Nachdrücklich empfiehlt sich ein detaillierter Personalzeitnachweis, der auf folgende Items abstellt:

- Ausführungszeit (Abarbeitung der Reinigungsfläche),

- Rüstzeiten (zum Beispiel In- und Außerbetriebnahme des Equipments),

- Wegezeiten (Hin- und Rücktransfer von Gerät und Material),

- Beräumungszeiten (zum Beispiel Versetzen von Inventar oder Lagergut),

- Magazinzeiten (zum Beispiel Gerätewartung, Materialbestandspflege),

- Instruktionszeiten (zum Beispiel Einsatzbesprechungen, Schulungen),

- Bürozeiten (administrative Funktionen für den Reinigungsdienst),

- sonstige Zeiten (zum Beispiel Besorgungsfahrten, Fachmessebesuche).

Anhand der vier erstgenannten Zeitarten optimiert man einzelne Reinigungsmaßnahmen, während man über die vier letzteren die - als Kostenfaktoren oft sträflich unterschätzten - Sekundärfunktionen im Griff behält. Die Analyse der Ursachen und Einflussgrößen des Zeitverbrauchs zeigt Ersparnispotenziale auf und liefert den Orientierungsrahmen für organisatorische, personelle und technische Verbesserungen, die oftmals investitonsneutral zu realisieren sind. Für die aufwendigsten und hochfrequenten Reinigungsarbeiten sollte man Vorgabezeiten ermitteln, die bei regelmäßigen Audits auf Einhaltung geprüft werden.

Schlüsselfaktor 3:
Schlanke Technologie

Um Sauberkeit rationell zu erzeugen, müssen Equipment und Verfahren präzise der Verschmutzungssiutation angepasst werden. Im Falle maschinell unterstützter Reinigungsprozesse beginnt das Finetuning mit der Investitionsprüfung. Bei der Anschaffung von Kehr- und Scheuermaschinen, den Standardhelfern zur Großflächenpflege, sind sowohl quantitativ fassbare Prozess- und Finanzgrößen als auch qualitative Indikatoren zu berücksichtigen:

- Reinigungsqualität auf allen relevanten Bodenbelägen,

- Arbeitsbreite, Fahrtempo und Manövrierfähigkeit,

- Größe des Kehrgut- bzw. Waschflottenbehälters,

- Kraftstofftankvolumen bzw. Akku-Kapazität,

- Zubehör-, Betriebsmittel- und Energieverbrauch,

- Bedienungs-, Rüst- und Wartungseigenschaften,

- örtliche Ersatzteil- und Serviceverfügbarkeit,

- Kosten von Ersatzteilen und Servicestunden,

- Kaufpreis, Finanzierungs- und Leasingkonditionen.

Anhand einer technischen Evaluierung, die sich auf Inspektion und Probeeinsatz stützt, wird der Eignungsgrad der Kandidaten festgestellt. Für die Umsetzung des maschinellen Leistungspotenzials hat die Prozessplanung zu sorgen, die beispielsweise beim Scheuersaugen auf Bürstenmaterial, Anpressdruck, Reinigungsmittel und Waschflottendosierung abstellt. Das definierte Prozessprofil geht in Arbeitsbeschreibungen ein und wird den Reinigungskräften vermittelt.

Schlüsselfaktor 4:
Kompetentes Team

Der starke Einfluss von Reinigungskräften auf Kosten und Qualität der Betriebshygiene weist dem Personalmanagement eine Schlüsselrolle zu. Als zentraler Erfolgsfaktor bestätigt sich die systematische Einweisung von Neulingen. Zunächst sollten alle Reinigungsobjekte (Areale, Inventarstücke) gründlich erläutert sowie die Sauberkeitsstandards eingehend begründet werden. Darauf folgt die praktische Unterweisung nach dem bewährten Muster „Vorführen, Erklären, Nachmachen, Korrigieren“. Besonders geht es hierbei um

- Erkennen des Verschmutzungszustands,

- einsatzweise von Equipment und Chemikalien,

- Rüst-, Entsorgungs- und Wartungsfunktionen,

- Vorgehen bei kritischen Verschmutzungsfällen,

- Selbsthilfe bei technischen Problemen,

- Handhabung des Berichts- und Meldewesens.

Verstärkt gilt es auch die Dispositionsfähigkeit von Reinigungskräften zu entwickeln. Dies trifft besonders für den Fall der Präsenzreinigung zu: Sind die Areale vorübergehend durch Produktionsvorgänge belegt, muss der Mitarbeiter nach Dringlichkeit und arbeitstechnischer Zweckmäßigkeit entscheiden, wo er momentan tätig wird. Ähnlich steht es beim Übergang vom hergebrachten Intervallsystem (Reinigung in festen Zeitabständen) zum bedarfsorientierten Inspektionssystem: Der Mitarbeiter hat eigenständig den Verschmutzungsgrad festzustellen und seine Leistung entsprechend zu disponieren.