Auswirkungen der Corona-Krise auf Handwerksbranchen Saubere Arbeit in Pandemiezeiten

Gebäudereiniger, Textilreiniger und Kälte- und Klimatechniker sorgen für hygienische Oberflächen, saubere Textilien und reine Luft. Eine Schlüsselrolle in der Pandemie spielen trotzdem nur wenige Betriebe. Warum das so ist.

Barbara Oberst

Schon vor der Corona-Pandemie galten strenge Hygienerichtlinien im Umgang mit Wäsche aus Krankenhäusern. – © Weiss-Tex

Mit der Textilreinigung um die Ecke hat Weiss Tex im unterfränkischen Miltenberg nicht viel zu tun. Zu den Kunden des 270-Mann-Betriebs zählen Kliniken und Pflegeeinrichtungen, die wahlweise ihre Wäsche von dem großen Handwerksbetrieb waschen und reinigen lassen oder gleich eine textile Vollversorgung buchen: „In dem Bereich sind wir ein Dienstleister, der vom Einkauf der Wäsche bis zum Einräumen der gereinigten Textilien vor Ort im Klinikum alle Schritte abdeckt“, erläutert Albrecht Ball, Geschäftsführer von Weiss Tex. Mit dieser Spezialisierung konnte der Textildienstleister die Corona-Krise bisher weitgehend ohne wirtschaftliche Blessuren durchstehen.

Im von der Krise massiv betroffenen Textilreinigerhandwerk stellt der Betrieb damit die absolute Ausnahme dar. Abhängig davon, auf welche Kundengruppe sie spezialisiert sind, haben die Unternehmen Umsatzeinbrüche von 10 bis 95 Prozent, informriert der Deutsche Textilreinigungsverband (DTV).

Das Privatkundensegment ist um 80 Prozent eingebrochen, der Hotel-, Gaststätten- und Cateringsektor praktisch vollständig, und selbst auf das Gesundheitswesen spezialisierte Wäschereien erleben herausfordernde Zeiten. Krankenhäuser sollten für Covid-Patienten Betten freihalten, Stationen wurden umgebaut, der Bedarf an Wäsche schwankte ständig und sank tendenziell.

Kliniken auf Textilreiniger angewiesen

Gleichzeitig gingen den Kliniken gerade zu Beginn der Krise wichtige Einwegmaterialien aus. „Die Klinikleiter riefen uns verzweifelt an. Die hätten wirklich alles genommen, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können“, berichtet Ball von zahllosen Anrufen. Diese Erfahrung habe in manchen Kliniken auch zu einem Umdenken geführt, beobachtet Ball. Sie stellten auf textile Mehrwegprodukte um, weil sie so unabhängiger von Lieferketten sind. Doch es gebe auch gegenläufige Tendenzen, beobachtet der DTV. Gerade bei Tischwäsche oder Handtüchern im öffentlichen Raum griffen Auftraggeber jetzt vermehrt zu Einwegartikeln.

Albrecht Ball

Dabei ist die sichere Reinigung selbst infektiöser Textilien für spezialisierte Betriebe ein Heimspiel. „Wir haben hier Reinraumtechnik“, erklärt Ball. Die Zonen, in denen die Schmutzwäsche angeliefert wird, sind räumlich getrennt von den Bereichen mit sauberer Wäsche.

Die Lüftungsanlagen in den kritischen Bereichen entsprechen denen in OP-Sälen. Textilien, die mit Corona-Patienten Kontakt hatten, kommen in hochdichten, gelben Wäschesäcken ins Haus und durchlaufen vor dem eigentlichen Aufbereitungsprozess eine Desinfektion. „Diese Säcke werden auch nicht einfach aufgerissen, sie öffnen sich erst innerhalb der Waschmaschinen“, erklärt Ball. Die Mitarbeiter seien entsprechend geschult.

Arbeitsschutz in Corona-Zeiten eine Herausforderung

Dennoch sei der Arbeitsschutz eine Herausforderung in den vergangenen Monaten gewesen. „Wir hatten zum Glück noch einen Pandemieplan aus den Zeiten der Schweinegrippe“, sagt Ball. Steril eingesetzte textile Medizinprodukte wie OP-Wäsche fielen unter das Medizinprodukterecht, das fordere zugelassene, validierte Prozesse und ein konsequentes Risikomanagement. Folglich waren Fiebermessgeräte, Desinfektionsmittel und Masken schon zu Beginn der Krise im Haus.

Mundschutz, der vorher nur in bestimmten Bereichen verlangt war, trage jetzt die gesamte Belegschaft. Um Sicherheitsabstände besser einhalten zu können, führte der Betrieb eine Wegeführung ein und erweiterte die Arbeitszeiten. Zeitversetzt betreten immer nur kleine Gruppen das Gebäude oder Pausenräume, dazwischen wird gelüftet. Obwohl die regelmäßige Händedesinfektion zum Standardhygieneprogramm des Betriebs gehöre, sei der Verbrauch an Händedesinfektionsmittel deutlich gestiegen. „Allein für zusätzliche Schutzmaterialien haben wir 2020 70.000 Euro ausgegeben. Aber das war gut investiertes Geld.“

Gebäudereiniger leiden unter Folgen des Shut-Downs

Wie bei den Textilreinigern wirkt sich auch bei den Gebäudereinigern die Corona-Krise unterschiedlich aus. Im Vergleich zum Vorjahr registrierte der Bundesinnungsverband der Gebäudedienstleister (BIV) deutliche Umsatzrückgänge, im zweiten Quartal beispielsweise um 6,2 Prozent. „Wo nicht gearbeitet wird, wird auch nicht gereinigt. Wenn ganze Wirtschaftspfeiler wie Gastgewerbe, Tourismus, Veranstaltungswirtschaft und Handel wegbrechen, der Industriemotor stottert und die Home-Office-Regeln Büros leerfegen, trifft all das unser Handwerk in seinem Tätigkeitskern“, so Bundesinnungsmeister Thomas Dietrich.

Auch die Richter Gebäudedienste in Niestetal bei Kassel bekamen das zu spüren. Aufträge von Kunden wie Hotels und Schwimmbädern brachen weg. Dafür buchten andere Kunden zusätzliche Leistungen oder höhere Reinigungsintervalle. „Nüchtern die Zahlen betrachtet hat sich das Jahr 2020 ganz gut entwickelt“, zieht Geschäftsführer Christian Schmitt ein Fazit – aber das Unternehmen sei dafür an seine Grenzen gegangen.

Christian Schmitt

Rund 700 Mitarbeiter hat der Betrieb, größtenteils Teilzeitkräfte oder Minijober. „Ein Großteil unserer Reinigungskräfte ist in seiner Mobilität und Arbeitsflexibilität eingeschränkt und dadurch häufig an einen festen Einsatzort gebunden“, erläutert Schmitt. Am konkreten Beispiel bedeutet das: Wenn eine Arbeitskraft vor dem Lockdown jeden Nachmittag eine Schule gereinigt hat, kann sie nicht stattdessen im eineinhalb Stunden entfernten Kassel zur Krankenhausreinigung eingeplant werden. Es sei sehr schwierig, solche Beweglichkeit einzufordern, wenn das Verhältnis von Fahrzeiten – oftmals auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln – und Arbeitszeit nicht passe. „Das hat dazu geführt, dass wir die ganze Bandbreite im Betrieb haben, von Kurzarbeit, über Mehrarbeit bis zu Neueinstellungen, alles gleichzeitig.“

Reinigung von Kliniken nach intensiver Schulung

Aus fachlicher Sicht sei für den Betrieb durch die Corona-Krise aber wenig Neues hinzugekommen. Die Mitarbeiter, die auf Covid-Stationen in Krankenhäusern arbeiten, wurden von den Kliniken selbst eingearbeitet und im Anlegen von Schutzkleidung geschult.

Auch sonst hätten insbesondere größere Auftraggeber sehr schnell in ihren internen Corona Task Forces konkrete Reinigungs- und Hygieneanforderungen entwickelt. „Wir haben da leider nicht immer die Rolle des Erklärers, selbst wenn manche Anweisung wenig sinnvoll scheint“, kommentiert Schmitt. So habe sich zwar schnell gezeigt, dass Schmierinfektionen eine untergeordnete Rolle beim Infektionsgeschehen mit Corona spielen. Trotzdem hätten viele Auftraggeber das häufige Desinfizieren beibehalten, wohl, um den Kunden oder Mitarbeitern zu signalisieren: Wir machen hier etwas.

Beschichtung zerstört mit Licht Viren

Unsichtbar sei dagegen ein neues Verfahren, auf das ebenfalls einige Kunden umgestiegen sind: eine Beschichtung (Coating) auf häufigen Kontaktflächen wie beispielsweise Türklinken, die in Verbindung mit Licht Keime abtötet. Die ungiftige Substanz hält zwölf Monate, nachdem sie von den Gebäudereinigern aufgebracht wird, ist allerdings in der Anschaffung etwas teurer.

Wie sich die Pandemie auf lange Sicht auf das Gebäudereinigerhandwerk auswirkt, ist unklar. „Die Frage ist: Wie entwickelt sich das Thema Home Office, welche und wie viele Arbeitsplätze werden durch die Pandemie womöglich wegfallen? Wo keine Arbeitsplätze vor Ort sind, muss auch nichts gereinigt werden“, sagt Christian Schmitt. „Andererseits ist das Bewusstsein für Sauberkeit und Hygiene durch die Krise deutlich gestiegen.“

Überraschungen im Kälteanlagenbauerhandwerk

Auch für die Kälteanlagenbauer hielt das Jahr 2020 einige Überraschungen bereit: „Weil die Menschen nicht in den Urlaub fahren konnten und zu Hause im Home Office saßen, bekamen wir auffallend viele Anfragen nach Klimaanlagen„, berichtet Frank Heuberger. Der Kältetechniker in dritter Generation aus Bayreuth freute sich über diese unerwartete Nachfrage von Privatkunden.

Öffentliche und gewerbliche Auftraggeber dagegen stellten kaum Anfragen an den Kältetechniker – auch nicht, als im Zusammenhang mit den Covid-Fällen bei Tönnies die Sorge von Ansteckung durch Lüftungsanlagen ein Thema war.

Frank Heuberger

In der Industrie hat dies aber sehr wohl zu erhöhten Anfragen geführt. Vor allem Sanierungen von Lüftungstechnik und Luftreiniger seien gefordert, berichtet der Fachverband Gebäude-Klima. Und auch der Zentralverband Sanitär Heizung Klima bestätigt ein höheres Interesse an Luftraumhygiene.

Home-Office statt mobile Luftreiniger

Bei den Kältefachbetrieben ist der Trend jedoch nicht angekommen: „Wir haben einige wenige mobile Luftreiniger an Firmen ausgeliefert. Die haben aber für ihre zehn, 20 Büros jeweils nur ein Gerät zum Testen genommen – und letztlich ihre Mitarbeiter ins Home Office geschickt“, berichtet Heuberger. Auch auf seine Information für rund 60 Schulen in der Region zu Luftreinigern und Lüftungsanlagen habe er kein Feedback bekommen.

Ihn überrasche dieses Desinteresse nicht, sagt Heribert Baumeister, Bundesinnungsmeister im Bundesinnungsverband der Kälteanlagenbauer. „So ein Umbau einer Lüftungsanlage ist nicht einfach. Zusätzliche Filter erhöhen den Widerstand, also müssten auch stärkere Ventilatoren eingebaut werden.“ Viele Kunden hätten wohl lediglich den Frischluftanteil in ihren Anlagen erhöht und ansonsten auf Fensterlüftung oder mobile Luftreiniger gesetzt.

Nierenzentren nachts gewartet

Eine stabile Säule in Heubergers Geschäft sind derzeit zumindest Supermärkte, aber auch gesundheitliche Einrichtungen wie Nierenzentren. Diese dürfen ihre Klimaanlagen nur betreiben, wenn sie regelmäßig gewartet werden und den Hygieneanforderungen entsprechen. Hier sei der Organisationsaufwand aufgrund der Corona-Pandemie für sie enorm gestiegen, berichtet Heuberger. „Wir machen jetzt ganz viele Wartungsarbeiten nachts, damit unsere Handwerker keinen direkten Kontakt mit den Patienten haben.“

Für das Jahr 2020 seien die Schwankungen in der Auftragslage kein Problem gewesen, zumal die Branche zuletzt immer zu 150 Prozent ausgelastet war. „Aber die Investitionen in Gastronomie, Catering und bei Messen sind komplett gestorben. Im Bereich Gemeinschaftsverpflegung, Klimatisierung von Hotels oder Bürogebäuden ist logischerweise auch keine Investitionsbereitschaft vorhanden“, zählt Heuberger auf. Dies wirke sich wiederum auf Großhändler aus, die ebenfalls eine wichtige Kundengruppe der Kältetechniker sind. „Für die kommenden Jahre stimmt das schon bedenklich.“