Sarrazins Rede an die Nation

zu „Der Provokateur“, Ausgabe 17, 10. September

Sarrazins Rede an die Nation

Am einfachsten ist es, „Sarrazin muss weg“ zu grölen. Man solle das Bundesbankgesetz ändern, um ihn loszuwerden. Womit Sarrazins Feststellung eindrucksvoll bestätigt ist, „dass es in verantwortlicher politischer Position zwar nicht unmöglich, aber sehr schwierig und auch nicht üblich ist, in unserem Lande die Wahrheiten auszusprechen“.

Diese Weichenstellung des Jahres 1813 kam nicht von ungefähr, sie war von Männern wie Johann Gottlieb Fichte gedanklich vorbereitet worden. Thilo Sarrazins Buch ist eine „Rede an die deutsche Nation“. Er möchte, dass seine Nachfahren „auch in 100 Jahren noch in einem Deutschland leben, in dem die Verkehrssprache Deutsch ist und die Menschen sich als Deutsche fühlen, in einem Land, das seine kulturelle und geistige Leistungsfähigkeit bewahrt und weiterentwickelt hat, in einem Land, das eingebettet ist in einem Europa der Vaterländer“. Über die demokratischen Wege dahin wird debattiert werden; Sarrazins Verdienst ist es, dieses legitime Ziel hörbar formuliert zu haben.

Hans Peter Müller, Lörrach-Brombach