Mit der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. ist für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ein Herzenswunsch vieler Gläubiger in Erfüllung gegangen. In seiner Predigt im Freiburger Münster sagte Zollitsch am Sonntag, noch klängen die Sprechchöre am Tag der Beisetzung des Papstes am 8. April 2005 auf dem Petersplatz mächtig im Ohr: "Santo subito - sofort heilig."
"Santo subito - sofort heilig"
Freiburg/Rom (dapd). Mit der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. ist für den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, ein Herzenswunsch vieler Gläubiger in Erfüllung gegangen. In seiner Predigt im Freiburger Münster sagte Zollitsch am Sonntag laut Redemanuskript, noch klängen die Sprechchöre am Tag der Beisetzung des Papstes am 8. April 2005 auf dem Petersplatz mächtig im Ohr: "Santo subito - sofort heilig."
Das habe er damals "als wohlgemeinte, aber höchst unrealistische Wunschvorstellung begeisterter Fans" angesehen, sagte Zollitsch. Jetzt sei es Wirklichkeit geworden. Sechs Jahre nach seinem Tod sei dieser Papst seliggesprochen worden. "Ja, Papst Johannes Paul II. ist, wie zu Beginn seines Pontifikats, so auch nach seinem Tod für Überraschungen gut."
Papst Benedikt XVI. hatte am Vormittag seinen Vorgänger Johannes Paul II. vor über einer Million Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom seliggesprochen. Tausende junge Pilger aus aller Welt hatten sich bereits am Vorabend zu einer liturgischen Nachtwache im Circus Maximus in Rom versammelt. Dort legte auch die französische Nonne Marie Simon-Pierre Zeugnis über ihre Heilung von der Parkinson-Krankheit ab, die Johannes Paul II. zugeschrieben wird. Im Januar hatte Papst Benedikt XVI. die Heilung als ein Wunder bestätigt und damit den Weg für die Seligsprechung seines Vorgängers in Rekordzeit freigemacht.
Fest im Gebet verwurzelt
Zollitsch sagte, die erste Überraschung sei Johannes Paul selbst am Abend des 16. Oktobers 1978 gewesen: "Nach über 450 Jahren war zum ersten Mal wieder ein Nichtitaliener zum Papst gewählt worden und dazu noch ein Mann aus Polen, ein Mann aus einem Land hinter dem Eisernen Vorhang." Er habe von Anfang an Welt und Kirche aufhorchen lassen und während seines ganzen Pontifikates immer wieder für Überraschungen gesorgt. "Er hat Geschichte geschrieben, wie nur wenige Päpste zuvor."
In einer Zeit gewaltiger gesellschaftlicher Umbrüche sei Johannes Paul der "markante Fels in der mitunter stürmischen Brandung des Zeitgeistes" gewesen, erklärte Zollitsch. Der Papst sei unerschrocken für die Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und die Achtung der fundamentalen Menschenrechte eingetreten. "Und (er) blieb ein entschiedener Kämpfer für eine 'Kultur des Lebens'."
Zollitsch sagte, er sei der festen Überzeugung, dass im Gebet der "Wurzelgrund für die so prophetische Gestalt unseres neuen Seligen zu finden" sei. Johannes Paul sei ein Beter gewesen, ein zutiefst mystisch empfindender Mensch, der sich zurücknehmen konnte und so in der Tiefe seiner Existenz erfahren habe, von Gott beschenkt zu werden. Aus dem Gebet habe er auch die Größe und Kraft hernehmen können, selbst den Attentäter Ali Agca, der ihm 1981 beinahe das Leben genommen hätte, im Gefängnis zu besuchen und ihm zu verzeihen.
dapd
