Zwei Hamburger Journalisten setzen auf die "Lust am Kleben". Seit zwei Jahren bescheren sie Städten von Hamburg bis München Sammelalben, in denen Lokalgrößen, Bauwerke und alles, auf was eine Stadt sonst noch stolz sein kann, enthalten sind. Nach den Erfolgen mit den Stadtausgaben haben sie sich jetzt an das ganze Land in einem Album herangewagt – "Deutschland sammelt Deutschland".
"Tausche Angela Merkel und den Kölner Dom gegen Eisbär Knut und Udo Lindenberg" – das ist die Idee von ‚Deutschland sammelt Deutschland’, sagt Oliver Wurm. Zusammen mit seinem Kompagnon Alexander Böker sitzt der Journalist in einem kleinen Büro im Hamburger Schanzenviertel, vor sich eine dampfende Tasse Kaffee, und erzählt von der "Lust am Kleben".
Schöne Schnapsidee
Am Anfang war da diese "Schnapsidee", sagt Böker. Und ein Brief an Altbundeskanzler Helmut Schmidt. "Wir wollten ein Panini-Album für unsere Heimatstadt Hamburg gestalten", erklärt Wurm. Panini-Alben kennt man von den Fußball-Weltmeisterschaften, in deren Vorfeld sie erscheinen. In das Hamburg-Album der beiden sollte man aber nicht nur die besten Kicker der Stadt einkleben können, sondern auch alle Persönlichkeiten, Stars und Bauwerke. Und natürlich im Falle Hamburg muss Helmut Schmidt dabei sein, der in der Hansestadt so beliebt ist wie kaum ein anderer.
Das Schwierigste an dem Projekt war nicht die Produktion, sondern die Kärrnerarbeit am Telefon. "Wir müssen natürlich jeden fragen, ob wir ein Panini-Bild aus ihm oder ihr machen dürfen – als eines Tages ein Antwortschreiben aus dem Büro von Helmut Schmidt im Kasten lag, haben wir uns erst gar nicht getraut, es zu öffnen," erinnert sich Böker. Aber die Furcht vor einer Absage war unbegründet, der Altkanzler hatte seine Zustimmung erteilt.
"Da war der Knoten geplatzt", so Wurm. Eine Persönlichkeit nach der anderen konnte von dem Projekt überzeugt werden – und als das Album fertig war, wurden die beiden von dem Erfolg überrascht. "Die Nachfrage in Hamburg erreichte das Niveau wie bei einer Fußball-WM!" vergleicht es Böker.
In der Folge stellte das Duo nach gleichem Muster Alben für weitere Städte her – Köln, Düsseldorf, Frankfurt, München. Und weitere stehen schon in der Warteschlange (alle Produkte: facebook.com/Staedtesammeln )
Aktuelles Deutschland-Klebealbum
Und jetzt also Deutschland. Das ganze Land in einem Sammelalbum. Sogar die Mainzelmännchen sind vertreten."Wir haben uns wahnsinnig schwer getan mit der Auswahl der 432 Motive", sagt Wurm. "Viele sind gesetzt: Beckenbauer, Steffi Graf, die Präsidenten, die Kanzler, die großen Showmaster. Aber bei den Schauspielern und Musikern kann man einfach nicht alle berücksichtigen." Nächtelang diskutierten die beiden Macher. Und schrieben zu jedem Motiv einen kurzen Infotext – der Anspruch sei, mit dem Album auch Wissen zu vermitteln.
Von Atze Schröder bis Albert Einstein
"Es soll eine Art Klebechronik der Deutschen sein – wir zeigen zum Beispiel auch die wichtigsten geschichtlichen Ereignisse als Sticker", sagt Böker Und so kann man in einer Tüte Motive zum zweiten Weltkrieg, der Luftbrücke und der Wiedervereinigung finden, aber vielleicht auch Atze Schröder, Albert Einstein und den Trabbi. Oder Reiner Calmund, der sich übrigens selbst noch sucht: "Wer mich doppelt hat: Biete Adenauer, Beckenbauer und Thomas Gottschalk für einen Calmund! Was ich mich die ganze Zeit frage: Sind die Tütchen mit meinem Bild eigentlich dicker?"
Auch das im Hochwasser versunkene Dresden ist ein Sticker – allerdings mit einem Bildtext zur "Oderflut". "Herrje – wie peinlich" – Böker rauft sich die Haare. In letzter Minute sei da ein Foto vertauscht worden – für die zweite Druckauflage wurde dies bereits korrigiert. Fehler passierten halt, sagt er, erst recht, wenn man so ein Riesenprojekt zu zweit stemmt, nur mit Hilfe eines Praktikanten.
An mehr als 40.000 Verkaufsstellen kann man die Sticker bundesweit kaufen, außerdem im Webshop der beiden. Für den konfektionieren sie aktuell abends noch Päckchen mit 24 Stickertütchen – Sets für den Advents-Kalender. "Wir hatten viele Nachfragen von Eltern und auch von Großeltern, die gemeinsam mit den Kindern und Enkeln sammeln wollen", erklärt Böker. In Witten sammelt ein 74-jähriger Opa mit seinen elf Enkeln, die sich fünf Alben teilen.
