Der achte Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de "Salto-Klose" fliegt wieder – Haltungsnote mangelhaft

Die Bundesliga im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de: Eine missglückte Turnübung, frustrierte Fahrer der Luxusklasse und ein Kicker ohne Wecker. Von DHZ-Kolumnist Stefan Galler

"Salto-Klose" fliegt wieder – Haltungsnote mangelhaft

Meisterbetrieb: Hoffenheimer Ballermänner

Lob ohne Ende prasselt auf den Neuling aus dem Südwesten Deutschlands herein – und das mit Recht: 1899 Hoffenheim ballert sich mit vorbehaltlosem Offensivfußball an die Ligaspitze – 21 Treffer in acht Partien, zweitbester Angriff der Liga. Und das keineswegs mit einer von Milliardär Dietmar Hopp zusammengekauften Ansammlung von Weltstars, sondern im Grunde mit der gleichen Elf, die letzte Saison den Aufstieg aus der Zweiten Liga packte.

Das Match in Hannover zeigte, dass man mit einem Einbruch der wackeren Badener so schnell nicht zu rechnen braucht: Auch Rückschläge werden weggesteckt, in Niedersachsen lag man noch Mitte der zweiten Halbzeit 1:2 zurück – und siegte am Ende mit 5:2. Top-Torjäger Ibisevic sagte hernach, man könne sogar Deutscher Meister werden. Wie 1998 Kaiserslautern, auch als Aufsteiger, auch aus dem Südwesten der Republik. In Hannover waren sie jedenfalls beeindruckt. Medienchef Andreas Kuhnt sagte zu Beginn der Pressekonferenz nach dem Spiel zu den Journalisten: "Bitte nicht so schnell sprechen wie Hoffenheim gespielt hat.“

Gesellenstück: Salto brachiale

Endlich flog er wieder – der unter dem Namen "Salto-Klose“ berühmt gewordene Fußball-Akrobat. Es war aber auch eine Erlösung, dieses späte 1:0 für die Bayern gegen ihren langjährigen Ausbildungsbetrieb Karlsruher SC. Doof nur, dass Miro durch den Siegtreffer derart euphorisiert war, dass er seine Turnübung ein bisschen schludrig hinrotzte und entsprechende Schwierigkeiten hatte, in den Stand zu kommen. Als Klose kurz nach der verkorksten Bodenkür auch noch leicht humpelnd vom Platz ging, machte sich sogleich das Gerücht breit, dass er sich beim Abgang eine Oberschenkelverletzung zugezogen habe.

Bayern-Guru Franz Beckenbauer sparte jedenfalls nicht mit Häme ob des Beinahe-Sturzflugs: "Die Haltungsnoten waren schlecht“, sagte der Ex-Libero und wusste auch, warum Kloses traumwandlerische Sicherheit beim Überschlag diesmal fehlte: "Wenn man so wenig Gelegenheiten hat, Saltos zu machen, dann kommen solche Dinge raus.“ Für Klose war es am achten Bundesliga-Spieltag nämlich erst der zweite Saisontreffer.

Erstes Lehrjahr: Kevin – ab jetzt öfter zu Haus

Als Erich Ribbeck für die Geschicke der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verantwortlich war, mutierte die erfolglose und beizeiten schwer abgewatschte DFB-Elf zumindest in den Boulevardmedien zu einer Ansammlung von Bratwürsten. Untalentierten, wohlgemerkt. Mittlerweile ist Jogi Löw für die Geschicke des Teams verantwortlich, Erfolge sind wieder an der Tagesordnung, doch statt der Bratwürste finden sich nun einige Leberwürste unter den Auserwählten. Beleidigte, wohlgemerkt.

Da wäre zunächst Kevin Kuranyi zu erwähnen, nach Streichung aus dem Kader fürs Russland-Spiel und seiner anschließenden Flucht aus dem Mannschaftsquartier von Löw und Sportdirektor Bierhoff entsorgt. Kevin ist künftig also öfter mal zu Hause – als zweifacher Familienvater allerdings nur selten allein. Vielleicht sehnt sich ja auch Reptilien- und Autoliebhaber Torsten Frings nach mehr Zeit für seine Hobbys. Der Bremer mag auch nicht mehr so recht mit dem Bundesadler auf der Brust spielen – und zwar weil er zuletzt zweimal nicht mitkicken durfte und nur auf der Bank saß.

Luxuswagenlenker sind in Sachen Stolz und Selbstwertgefühl sehr eigen, das muss der Bundes-Jogi eigentlich wissen. Denn die meisten seiner Männer fahren schwere Autos – und haben ein entsprechend dünnes Fell. Also aufpassen, sonst will bald gar keiner mehr für Deutschland spielen.

Zwei linke Hände: Schlafmütze auf Reisen

Schon vor einigen Wochen war an dieser Stelle die Rede vom eigenwilligen Berliner Torjäger Marko Pantelic. Damals hatte er – obwohl nicht als Schütze vorgesehen – einen Elfmeter vergeigt, woraufhin Fußball-Kaiser Beckenbauer den Daumen senkte und eine "sofortige Kastration“ des Serben forderte. Doch Pantelic ging straffrei aus, vielleicht zeigten die Hertha-Verantwortlichen da allerdings zu viel der Milde. Denn nun testete die Sturm-Diva ihre Grenzen schon wieder aus – erschien am Donnerstag nicht zum Training und erklärte seine Nicht-Erreichbarkeit damit, nach einer Länderspielreise schlichtweg verpennt zu haben.

Nun war Pantelic ja nicht in Tasmanien oder Neufundland, er verließ nicht einmal die hiesige Zeitzone auf seinem Trip nach Österreich. Dementsprechend griff die Ausrede auch nur bedingt, Trainer Favre warf ihn zumindest für das Spiel gegen Stuttgart aus dem Kader. Auch ohne den langhaarigen Lausejungen präsentierten sich die Kollegen ziemlich ausgeschlafen und schlugen den VfB. Vielleicht sollten die Berliner ihre Stürmer überhaupt nicht mehr zu Länderspielen schicken.

Pantelics Kollege Woronin jedenfalls kam mit einem Nasenbeinbruch vom 0:0 gegen Kroatien zurück – obwohl er gar nicht mitgespielt hatte. Kurios: Woronin soll auf der Gangway des Flugzeugs ausgerutscht sein. Vermutlich vor Müdigkeit.